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Bauwerk / Objekt:
Kraftwerk Weisweiler
Adresse:
Am Kraftwerk
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
07.10.2002 / 04.08.2019
 
© 2002/19 Norbert Gilson
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erbaut: 1953-55 / 1957-59 / 1965-67 / 1974-75
Bauherr: Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG (RWE)
    
Bereits im Zweiten Weltkrieg, Anfang 1941, plante die Braunkohlen-Industrie AG (BIAG) „Zukunft″, nördlich des Standortes ihrer Brikettfabrik (siehe bei -> »weiter«) und ihres Kraftwerks »Zukunft« im Nordwesten von Weisweiler ein neues Braunkohle-Großkraftwerk zu errichten. Den Bauantrag stellte die BIAG zusammen mit dem RWE, das seit 1927 eine Mehrheitsbeteiligung an der BIAG besaß und dessen zentrales Hauptumspannwerk in Brauweiler seit 1929 über eine 220-kV-Leitung mit der Schaltanlage »Zukunft« der BIAG (siehe bei -> »weiter«) verbunden war.
    
Die ursprünglichen Planungen

    Das geplante neue Großkraftwerk sollte mit fünf Erzeugungsmaschinen von 50 MW - entsprechend 62,5 MVA - Leistung ausgestattet werden, wobei eine Maschine als Reserve diente. Für jeden Maschinensatz waren zwei Kessel vorgesehen, ausgerüstet mit Vorschubrosten der berüchtigten Erfurter Firma J. A. Topf & Söhne (siehe -> »Link« unten), die auch die Verbrennungsöfen zur Beseitigung der Leichen in den Konzentrationslagern lieferte. Wegen der schwankenden Qualität der gewonnenen Braunkohle sollten zusätzlich je zwei Zusatz-Mühlenfeuerungen eingebaut werden. Die Kessel sollten mit Saugzug sowie einer Elektroentstaubung der Firma Lurgi-Apparatebau-Gesellschaft mbH ausgerüstet werden. Zur Wasserversorgung - mit Kesselspeisewasser und Kühlwasser - war der aus einem ausgekohlten Braunkohletagebau entstandene Lucherberger See (siehe bei -> »weiter«) in Aussicht genommen, in den außerdem das Überschusswasser des Wehebachs eingeleitet wurde. Am Lucherberger See war damals eine Wasserhaltungsstation im Bau, die so groß bemessen war, dass sie für die vorhandenen Anlagen von Brikettfabrik und Kraftwerk sowie zusätzlich für das neue Großkraftwerk ausreichen würde. Der See sollte über zwei Rohrleitungen an das neue Kraftwerk angeschlossen werden. Als Entaschungseinrichtung war eine „Spülentaschung″ vorgesehen, wobei die anfallende Asche mittels Wasser in den stillgelegten ehemaligen Tagebau »Zukunft« zwischen Weisweiler und Dürwiß gespült worden wäre.
    
Der Ausbau des Kraftwerks bis 1967

    Infolge des Kriegsverlaufs wurden die weiteren Planungen bald eingestellt. Nach der Währungsreform 1948 konnte mit Zustimmung der britischen Militärregierung an diese Vorarbeiten angeknüpft werden. Die Arbeiten für die erste Ausbaustufe begannen 1953 und 1955 konnte der erste Bauabschnitt mit einer installierten Leistung von 350 MW - die beiden Blöcke A und B von je 100 MW und Block C von 150 MW - in Betrieb genommen werden. Das Kraftwerk wurde in der damals noch relativ neuen „Blockbauweise″ (im Unterschied zum „Sammelschienenkraftwerk″) errichtet. Das bedeutet, dass alle Wärmekreisläufe der einzelnen Kessel- und Maschineneinheiten voneinander unabhängig und ohne Querverbindungen gestaltet sind. Eine Ausnahme bilden lediglich die allgemeinen Versorgungsanlagen wie Bekohlung, Entaschung, Zusatzwasserversorgung oder die elektrische Anfahranlage. Alle drei Turbosätze erhielten jeweils zwei Kessel (Frischdampf von 110 atü, 525°C) zugeordnet, bei den Blöcken A und B Trommelkessel mit 180 t/h Dampfleistung, bei Block C ein Sulzer- und ein Benson-Kessel mit jeweils 270 t/h Kesselleistung. Die Feuerungen waren als Braunkohlenstaubfeuerungen ausgeführt, wobei die Rohbraunkohle in Schlagradmühlen durch Rauchgase vorgetrocknet, dann gemahlen und anschließend direkt in den Feuerraum eingeblasen wurde. Nachdem die Rauchgase jedes Kessels die im Freien aufgestellten Elektrofilter durchlaufen hatten, gelangten sie zu den jeweils zwei Blöcken gemeinsamen Schornsteinen. Die beiden Generatoren der Blöcke A und B waren mit je einem 10,5 kV/220 kV-Haupttransformator verbunden.
    
    Mit der Inbetriebnahme von Block C im März 1955 war eine europaweite Premiere verbunden. Bei dem Turbosatz handelte es sich um den ersten in Europa aufgestellten Einwellensatz mit einer Leistung von 150 MW. Ein weiterer 150-MW-Block (Block D) ging in der zweiten Ausbaustufe im Januar 1959 in Betrieb. Dieser Block erhielt nur einen Kessel der Bauart »Benson« mit 455 t/h Kesselleistung. Foto 7 zeigt Turbosatz D während einer Reparatur. Die Turbosätze C und D wurden über zwei 10,5/380-kV-Transformatoren (Foto 10) an eine Hochspannungsfreileitung zur Umspannanlage Rommerskirchen angeschlossen.
    
    In der dritten und vierten Ausbaustufe wurden in den Jahren von 1964 bis 1967 zwei Blockeinheiten (E und F) von je 300 MW errichtet, die im Dezember 1965 (Block E, Foto 8) und im September 1967 (Block F) mit der Stromerzeugung begannen. Die schon für Block D gewählte Kesselleistung von 455 t/h wurde für die beiden neuen Blöcke beibehalten. Sie erhielten wieder jeweils zwei Kessel der Bauart »Benson« zugeordnet, um ein mit der Leistungsverdopplung eventuell verbundenes Risiko beim Einsatz bisher unerprobter Kesselbaugrößen auszuschalten. Die Turbosätze E und F (400 MVA bei cos phi = 0,75) wurden in gleicher Weise ausgeführt.
    
    Im ersten Ausbau erfolgte die Entaschung der Feuerraumasche mittels eines Stollenbandes, das die Asche in einen gesonderten Grabenbunker förderte, von wo aus sie weiter im Zugbetrieb in den ausgekohlten Teil des Tagebaus »Zukunft-West« (siehe bei -> »weiter«) transportiert wurde. Beim weiteren Ausbau des Kraftwerks reichte diese Anlage nicht mehr aus. Stattdessen wurde der Abtransport der Asche über eine baulich für zwei 1.200-mm-Bänder ausgelegte Aschefernbrücke zum Tagebau konzipiert. Die Flugasche aus den Elektrofiltern gelangte über einen Zwischenbehälter in einen Staubbunker (Foto 5). Von dort wurde sie mittels Mischschnecken abgezogen und ebenfalls dem Aschefernband aufgegeben.
    
Kohle- und Wasserversorgung

    Basis für die Kohleversorgung war zunächst der von der BIAG betriebene Tagebau »Zukunft-West«. Von hier aus wurde mittels Zugbetrieb ein 12.000 t fassender Grabenbunker beschickt, aus dem die Bekohlung der Blöcke A bis C erfolgte. Um die Lieferkapazitäten zu erhöhen, plante die im Eigentum des RWE befindliche Braunkohlen- und Briketwerke Roddergrube AG Anfang 1956, mit dem Aufschluss eines neuen Tagebaus Inden zu beginnen, um daraus das Kraftwerk Weisweiler zu versorgen. Dafür wurde ein zweiter Grabenbunker mit der Nummer III/IV (Foto 3, mit Bunkerbagger 3) mit einem Fassungsvermögen von 32.000 t erstellt, der aus dem Tagebau Inden direkt mit einer Bandanlage beschickt und aus dem Block D mit Kohle versorgt wurde. Für die 300-MW-Blöcke E und F reichten diese Bunkerkapazitäten nicht mehr aus, so dass in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre im Norden des Kraftwerks ein neuer großer Grabenbunker errichtet wurde.
    
    Nicht unproblematisch war die Wasserversorgung für das Kraftwerk. Sie spielte bereits bei den anfänglichen Planungen eine wichtige Rolle. Die Wasseraufbereitung (Entkalkung und Entsäuerung) erfolgt in der kraftwerkseigenen Aufbereitungsanlage (Foto 4). Rund 95% des Wassers werden für die Rückkühlung in den Kühltürmen benötigt, der Rest wird teils zu Kesselspeisewasser aufbereitet oder fällt teils als Abwasser aus den Prozessen an. Für die Gestaltung der Rückkühlanlage der Blöcke A bis E wurden jeweils zwangsbelüftete Ventilatorkühltürme (Foto 6) gewählt. Wirtschaftlichkeitsberechnungen bei der Planung von Block F führten dazu, dass die Entscheidung über die Rückkühlanlage zugunsten eines Naturzugkühlturms fiel, der dieselbe Kühlleistung wie drei Ventilatorkühltürme aufwies.
    Der Lucherberger See, der schon als Wasserreservoir für das alte Kraftwerk »Zukunft« der BIAG diente, reichte für den zusätzlichen Wasserbedarf des neuen Kraftwerks nicht aus. Das RWE plante zunächst, den ausgedienten Tagebau Düren zum Wasserreservoir umzugestalten. Dies stieß jedoch bei den Behörden auf Ablehnung. Daher sahen die Planungen zu Beginn der 1950er Jahre schließlich vor, das Sümpfungswasser des künftigen Tagebaus Inden als Kühlwasserquelle zu nutzen, und zusätzlich Kühlwasser aus der Rur über das neue Pumpwerk Schophoven (siehe bei -> »weiter«) zu entnehmen. Die Landesplanungsbehörde stellte allerdings im wasserrechtlichen Verleihungsverfahren für das Kraftwerk die Bedingung, dass sich das RWE an den Kosten einer Talsperre in Höhe von 3 bis 4 Mio. DM zur Regulierung der Wasserführung der Rur zu beteiligen hatte. Diese Talsperre, die an einem Zufluss zur Rur gelegene Wehebachtalsperre, entstand in den Jahren von 1977 bis 1983.
    Der Anschluss der beiden Blöcke A und B an das Verbundnetz erfolgte über eine 220-kV-Leitung zur Schaltanlage »Zukunft«. Dagegen wurden die Blöcke C und D zunächst über eine 220-kV-Leitung an das Umspannwerk Rommerskirchen (siehe bei -> »weiter«) angeschlossen. Dieser Anschluss wurde nach Inbetriebnahme der 300-MW-Blöcke auf 380 kV umgestellt und die Energie von der 380-kV-Seite der Maschinentransformatoren über eine 38,4 km lange Maschinenleitung nach Rommerskirchen geführt
    
Das Kraftwerk seit Mitte der 1970er Jahre

    Als das Kraftwerk Weisweiler zu Beginn der 1970er Jahre in der fünften und sechsten Ausbaustufe nochmals erweitert wurde, erreichte es seinen Endausbauzustand von insgesamt 2.300 MW Turbinenleistung. Mitte Februar 1974 ging in Weisweiler der erste 600-MW-Block (Block G, Foto 9) des RWE in Betrieb. Ihm folgte im Januar 1975 der zweite Block dieser Größe, Block H. Damit zählte Weisweiler zu den großen konventionellen Wärmekraftwerken der Welt. Im Jahresmittel erzeugte das Kraftwerk rund 17,6 Mrd. kWh, der jährliche Eigenbedarf lag bei etwa 1,2 Mrd. kWh. Zur Erzeugung dieser Energiemenge verbrauchte das Kraftwerk jährlich rund 24,3 Mio. t Braunkohle und war auf die Lieferung von etwa 36,1 Mio. m³ Wasser angewiesen.
    
    Gemäß der im Juli 1983 in Kraft getretenen Verordnung über Großfeuerungsanlagen wurde das Kraftwerke in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre mit einer Rauchgas-Entschwefelungs-Anlage (REA) ausgerüstet, die nach dem Kalkwaschverfahren arbeitet. Dabei werden die Rauchgase mit Kalkmilch besprüht, so dass Schwefeldioxid und Kalk zu Kalziumsulfit umgesetzt werden. Durch anschließende Oxidation mit Luftsauerstoff entsteht daraus Kalziumsulfat, auch als Gips bezeichnet. Für die Blöcke C bis H wurden insgesamt sieben gleichgroße Wäscherstraßen errichtet - eine für Block C und D gemeinsam, jeweils eine für Block E und F sowie jeweils zwei für Block G und H. Die beiden 1955 in Betrieb genommenen 100-MW-Blöcke wurden 1993 außer Betrieb genommen. Nach Inbetriebnahme der REA hatten auch die alten Schornsteine ausgedient. Die Rauchgase werden nun für die älteren Blöcke gereinigt über einen gesonderten Kamin, für die neueren Blöcke über die zugehörigen Naturzugkühltürme abgeleitet. Inzwischen wurden auch die Blöcke C und D abgeschaltet.
    Mit der voraussichtlich 2030 eintretenden Auskohlung des Tagebaus Inden werden auch die Tage des Kraftwerks Weisweiler in seiner bestehenden Form gezählt sein. Ob und wie der Kraftwerksstandort dann weiter zur Energieerzeugung genutzt werden wird, ist derzeit noch nicht bekannt.

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Quelle(n)/Text:
• W. Kretschmann, Das 350 000 kW (350 MW) Hochdruck-Kraftwerk Weisweiler; in: Energiewirtschaftliche Tagesfragen 5(1955/56), Heft 37/38, S. 61-68
• Lothar Dieterich, Das RWE-Braunkohlenkraftwerk Weisweiler I; in: Energiewirtschaftliche Tagesfragen 18(1968), Heft 3, S. 101-108
• Lothar Dieterich / Wolfgang Zapf / Eugen Bader / Fritz Börnke, Braunkohlenkraftwerk Weisweiler I des RWE. (Musteranlagen der Energiewirtschaft, Bd. 5), Gräfelfing 1968
• Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk A.G. (Hrsg.), RWE. Kraftwerksprojekte, Essen 1948
• RWE, Kraftwerk Weisweiler (Faltblatt), o.O., um 1975
• RWE, Kraftwerk Weisweiler mit Rauchgas-Entschefelungs-Anlage (REA) (Faltblatt), o.O., um 1988
• Dieter Schwirten, Braunkohlenkraftwerke im rheinischen Revier 1950 - 1975; in: Braunkohle 27(1975), Heft 11, S. 341-348
• Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Bestand NW 354 (Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten NW. Abteilung III), Nr. 1150 und Bestand NW 426 (Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft, Gruppe VI A), Nr. 613
 
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