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TechnikThema:
Strom in der Stadt (1) - Die Elektrizitätsversorgung von Aachen
 
Kleinbild
 
Kraftwerk Borngasse (Maschinenhalle)
Foto(s) vom:
27.04.2008
 
© 2008 Norbert Gilson
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Die Entwicklung der Elektrizitätsversorgung von Aachen zeigt eine für Städte dieser Größenordnung - Aachen hatte um 1900 rund 135.000 Einwohner - typische Verlaufsform. Anfang der 1890er Jahre, zu einer Zeit, als der »Systemstreit« zwischen Gleich- und Drehstromversorgung voll im Gange war, fiel der Entschluss zum Bau eines städtischen Elektrizitätswerkes, und zwar eines Gleichstromwerkes. Typisch war auch die Beauftragung eines Unternehmens der Elektroindustrie mit dem Bau der Anlage und der anschließenden Betriebsführung, allerdings mit der Option, das Werk nach einer gewissen Zeit in städtische Regie zu übernehmen.
    
    Charakteristisch war auch das stetige Anwachsen des Bedarfs an elektrischem Strom in den 15 Jahren vor dem Ersten Weltkrieg, verbunden mit der Notwendigkeit, entweder die Erzeugungsanlagen unter Beibehaltung der einmal vorhandenen Technologie stetig zu erweitern oder eine Alternative zu wählen. In Aachen kamen alle drei der damals möglichen Alternativen zum Zuge: einer zweimaligen Erweiterung des innerstädtischen Gleichstromwerks folgte der Strombezug aus einem in der Nähe gelegenen großen Speicherwasserkraftwerk. Dies war bereits verbunden mit dem Umschwenken auf die Drehstromversorgung für die äußeren Stadtteile und die Umformung in Gleichstrom für die Innenstadt. Der Aufnahme des Strombezugs folgte bereits nach wenigen Jahren der Entschluss zum Bau eines eigenen städtischen Drehstromkraftwerks außerhalb der Stadt.
    
    Diese Konfiguration blieb in den Grundzügen bis in die 1950er Jahre bestehen. Im Fall von Aachen gab das städtische Versorgungsunternehmen damals die eigene Stromerzeugung auf und wurde zum reinen Strombezugs- und Verteilungsunternehmen. Diese Entwicklung schlägt sich auch im Schicksal der Zeugnisse aus der Geschichte der städtischen Elektrizitätsversorgung nieder, auch dies vergleichbar mit den meisten anderen Städten: verschwunden ist der größte Teil der innerstädtischen Erzeugungsanlagen sowie das bis Mitte der 1950er Jahre produzierende Drehstromkraftwerk. Erhalten geblieben sind die ehemalige Maschinenhalle des innerstädtischen Gleichstromwerks sowie einige Umform- und Transformatorenstationen - immerhin einige Relikte, die über die Versorgungsgeschichte der letzten 120 Jahre Auskunft geben.

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Anfang 1889 beschloss die Aachener Stadtverordnetenversammlung, den Bau eines städtischen Elektrizitätswerks in die Wege zu leiten. Zu dieser Zeit gab es in Aachen bereits eine Reihe von Blockstationen in privatem Besitz, so dass eine weiter steigende Zahl solcher Anlagen die Rentabilität einer künftigen städtischen Versorgung beeinträchtigt hätte. Nach Einholung von Angeboten bei den großen Unternehmen der Elektroindustrie fiel im Juli 1892 die Entscheidung, die Nürnberger Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. Schuckert & Co. mit der Errichtung des Werks und dem Bau des Versorgungsnetzes zu beauftragen. Das Elektrizitätswerk sollte auf Kosten der Stadt gebaut und ab dem 1. Januar 1893 auf 30 Jahre an Schuckert als Betriebsgesellschaft verpachtet werden. Die Stadt erhielt einen Pachtzins und wurde an den Bruttoeinnahmen sowie am Reingewinn beteiligt.
    
    Die Werksanlagen wurden hinter dem damaligen Hauptpostgebäude zwischen Franzstraße und Borngasse errichtet. Da die Drehstromversorgung noch in den Anfängen steckte, kam als Stromart nur Gleichstrom in Frage. Die erste Ausrüstung bestand in zwei Gleichstromgeneratoren von je 270 kW, die von zwei stehenden Dampfmaschinen (Dreifachexpansionsmaschinen) angetrieben wurden. Als 1895 aus der Pferdebahn durch Umstellung auf elektrischen Betrieb die Straßenbahn entstand, lieferten zwei neue 150 kW-Generatoren den erforderlichen Bahnstrom. Da die Betriebsgesellschaft bis 1898 keinen Gewinn erzielen konnte, machte die Stadt von ihrem Kündigungsrecht zum 1. Januar 1901 Gebrauch. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Betrieb des Werkes in eigene Regie übernommen und mit dem Wasserwerk einer gemeinsamen Verwaltung unterstellt.
    
    Die Anlagen in der Borngasse (siehe bei -> »mehr«) wurden 1902 nochmals erweitert, die weiter steigende Nachfrage nach elektrischer Energie konnte jedoch nicht befriedigt werden. Die Aufnahme der Stromlieferungen aus dem neuen Wasserkraftwerk Heimbach an der Urfttalsperre (siehe bei -> »mehr«) im Jahre 1904 brachte hier eine Entspannung. Die als Drehstrom über 35 kV-Hochspannungsleitungen gelieferte Energie wurde in zwei Umspannwerken in Burtscheid und in der Talstraße in den neu erbauten 5 kV-Kabelring eingespeist, über den nun auch die äußeren Stadtgebiete mit Strom versorgt werden konnten. Im Werk Borngasse wurden zwei Umformer zur Drehstrom-Gleichstrom-Wandlung aufgestellt, um auch die Stromversorgung der Innenstadt weiter zu verstärken.
    
    Der weiter steil ansteigende Elektrizitätsbedarf führte 1907 zu der Entscheidung, die Stromerzeugung weiter auszubauen und dazu ein neues Drehstromkraftwerk zu errichten. Im April 1908 wurde der erste Spatenstich zum Neubau des Kraftwerks an der Göbbelgasse (heute Prager Ring) getan, das Anfang 1909 in Betrieb genommen werden konnte. Im Unterschied zu vielen anderen Industriezweigen der Stadt hatte die Elektrizitätserzeugung in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg kaum Einbrüche zu verzeichnen. Im Zuge einer Neukonzeption der innerstädtischen Versorgung wurde der Dampfbetrieb im Werk Borngasse 1922 ganz stillgelegt und das Werk nur noch als reines Umformerwerk weiterbetrieben. Die Kessel wurden abgebrochen und das Maschinenhaus mit dem Kesselhaus zu einer großen Umformerhalle zusammengefasst. Um die Einspeisung in das Gleichstromnetz der Innenstadt weiter verstärken zu können, wurde in der Minoritenstraße ein neues Umformerwerk (siehe bei -> »mehr«) errichtet, das 1925 in Betrieb ging. Parallel dazu erfolgte der weitere Ausbau des 5 kV-Drehstromnetzes sowie des Niederspannungsnetzes in den Außenbezirken. Damals entstanden in allen Teilen der Stadt eine Reihe von Transformatorenstationen (siehe bei -> »mehr«), in denen die Spannung von 5 kV auf 220 V herabgesetzt wurde.
    
    Seit Ende der 1920er Jahre wurde die städtische Elektrizitätsversorgung immer stärker in den entstehenden Verbundbetrieb einbezogen. Sichtbares Zeichen war eine neue Freiluft-Umspannstation, die 1929 an der Goebbelgasse zur Übernahme der Stromlieferungen aus dem 1914 in Betrieb genommenen Braunkohlekraftwerk Zukunft in Weisweiler errichtet wurde. An dieser Stelle ist auch heute noch eine moderne Umschaltanlage vorhanden. Eine weitere Freileitungs-Verbindung führte zum Kraftwerk des Eschweiler Bergwerks-Vereins in Kohlscheid. In Rothe Erde wurde, bedingt durch die Neuansiedlung eines großen Industriebetriebes auf dem Gelände des ehemaligen Hüttenwerks, ein neues 35/5 kV-Umspannwerk errichtet, das vom Kraftwerk Zukunft aus gespeist wurde. Der heute dort vorhandene Bau (siehe bei -> »mehr«) stammt aus den Jahren 1959/60.
    
    Die im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörten Werksanlagen konnten nach zunächst notdürftiger Reparatur bis 1949 wieder vollständig instandgesetzt werden. Auch das Kraftwerk Goebbelgasse war zur Deckung von Belastungsspitzen zeitweise wieder in Betrieb, obwohl seine Technik inzwischen stark veraltet war. 1953 erfolgten daher die endgültige Stilllegung und der Abriss. Seit Umstellung des alten 35 kV- und 5 kV-Kabelnetzes auf 110 kV in den 1960er Jahren wurden die Elektrizitätsversorgungseinrichtungen ständig modernisiert. Die Energielieferungen für die Versorgung der Stadt erfolgen heute größtenteils aus dem Verbundnetz. Seit den 1990er Jahren gibt es wieder, in geringem Umfang, eine städtische Eigenerzeugung auf der Basis von regenerativen Energiequellen sowie von mittleren und kleineren Blockheizanlagen, die teilweise von privaten Erzeugern betrieben werden. Vorreiter für die regenerative Eigenerzeugung war die Photovoltaik. 1991 nahm die STAWAG an der Südostseite des Verwaltungsgebäudes in der Lombardenstraße eine damals einzigartige Kombination aus Glasfassade und Photovoltaikanlage in Betrieb.

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Quelle(n)/Text:
• STAWAG Stadtwerke Aachen AG (Hrsg.), 100 Jahre Strom für Aachen. 1893 - 1993, Aachen 1993
    
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