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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Sayner Hütte
Adresse:
An der Sayner Hütte
 
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Foto(s) vom:
11.10.2007
 
© 2007 Norbert Gilson
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erbaut: 1828-30
Entwurf: Carl Ludwig Althans
    
Zwei Jahrzehnte vor der Französischen Revolution, in den Jahren 1769/70, ließ der letzte Trierer Kurfürst Clemens Wenzeslaus am Ufer des Saynbachs ein Hüttenwerk errichten, in dem Erze aus dem Westerwald verarbeitet werden sollten. Schon bald nach der Eröffnung lieferte die Hütte Roheisen und einfache Gusserzeugnisse. Nach dem Friedensschluss im Jahre 1815 gelangte die Hütte in den Besitz des Staates Preußen. Das Hüttenwerk erlangte nun wegen der Lieferung von Armierungen, gusseisernen Rohren, Schienen und Kanonen im Rahmen des Ausbaus der Befestigungsanlagen von Koblenz und Ehrenbreitstein erhöhte Bedeutung. Der Amtssitz des neuen Aufsehers über die rechtsrheinischen Berg- und Hüttenwerke wurde 1817 nach Sayn verlegt. Erster Amtsinhaber wurde Carl Ludwig Althans (1788-1864). Unter seiner Leitung begannen die Planungen zum Ausbau der damals aus zwei Hochöfen, mehreren Hammerwerken und einem Formhaus bestehenden Anlage. Als 1821 ein größerer Hochofen mit Gießhalle in Betrieb genommen wurde, stand die Sayner Hütte nun neben den Hüttenwerken von Berlin und Gleiwitz auf Platz 3 der preußischen Hüttenbetriebe.
    
    Eine erneute Erweiterung wurde seit 1824 geplant und 1828 in Angriff genommen. Bis 1830 entstand die neue, heute noch vorhandene Gießhalle (Fotos 1 und 2) als dreischiffiger, nach dem Schema einer gotischen Kathedrale mit Haupt- und Seitenschiffen auf einer Grundfläche von 24 x 29 m angelegter Bau in neugotischer Formensprache. Die wohl älteste noch erhaltene Werkhalle dieser Größe in Eisenkonstruktion wurde zum Vorläufer des modernen Industriebaus. Im Innern spannt sich über den 6,50 m hohen Hohlsäulen mit dorischen Kapitellen in Längs- und Querrichtung freitragend die gusseiserne Binderkonstruktion. Durch die gesamte Halle führt in Längsrichtung eine Transportstraße, aufgehängt an den Bindern des Obergadens und der Mittelzone und durch Diagonalstreben zusätzlich versteift. Von ursprünglich acht (davon sind vier erhalten) auf Kugeln gelagerten Schwenkkränen an den Rundsäulen konnten Gussteile abgehoben und in die Seitenschiffe transportiert werden. Die verglaste Westfassade mit dem gekurvten gusseisernen Sprossenwerk wurde rekonstruiert, ebenso der sich nach Osten als „Querschiff″ an die Halle anschließende Hoch- und Kupolofenbereich (Foto 3). Der Hochofen stand in der nach Osten gelegenen Apsis des Hauptschiffs. Am Ende der beiden Seitenschiffe befand sich je ein Kupolofen zum Umschmelzen von Abfalleisen zu flüssigem Roheisen.
    
    Die ursprünglich sechsjochige Halle wurde 1844 um vier Joche nach Westen erweitert. 1865 verkaufte der preußische Staat den Hüttenbetrieb an die Essener Gussstahlfabrik von Alfred Krupp. Nach dem Ausblasen des Hochofens 1876 erfolgte die Umstellung auf reinen Gießereibetrieb. Vermutlich in den 1890er Jahren entstand eine weitere große Halle in Backsteinbauweise (Fotos 4 bis 6). Der Gießereibetrieb wurde bis zur Stilllegung im Jahre 1926 fortgeführt. Um 1958 wurden auf Betreiben der Stadt Bendorf Teile des Hochofens abgebrochen und die Flügelbauten bis auf die Westwand niedergelegt. 1973 wurde der Abriss der gesamten Anlage erwogen und dafür auch die Genehmigung erteilt. Privater Initiative ist es zu verdanken, dass die Sayner Hütte vor der Zerstörung bewahrt und in der Folgezeit unter wissenschaftlicher Betreuung durch das Landesamt für Denkmalpflege systematisch rekonstruiert wurde. Vom hohen künstlerischen Stand der aus der Sayner Hütte stammenden Kunstgusserzeugnisse zeugen heute noch die beiden gusseisernen Greife auf den Kapitellen der Eingangstürmchen.
    
    Seit 2012 erfolgt unter finanzieller Beteiligung des Landes Rheinland-Pfalz, der Stadt Bendorf sowie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz die Instandsetzung der Anlage. Nach Abschluss der Sicherungsmaßnahmen im Jahr 2015 waren für 2016 Instandsetzungen an den Querflügeln, begleitet von industriearchäologischen Forschungen, geplant.

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Quelle(n)/Text:
• Paul-Georg Custodis, Die Sayner Hütte in Bendorf, Neuss 1980
•Volker Rödel, Reclams Führer zu den Denkmalen der Industrie und Technik in Deutschland. Bd. 1. Alte Länder, Stuttgart 1992
• Friedegard Hürter, Sich selbst ein Haus gegossen; in: Monumente 22(2012), Nr. 2, S. 63-66
• Paul-Georg Custodis, Die Gießhalle der eisenhütte in Bendorf-Sayn; in: Industriekultur 22(2016), Heft 76, Ausgabe 3.16, S. 18-19
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