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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Aachener Hütten-Aktien-Verein Rothe Erde (Verwaltung)
Adresse:
Hüttenstraße 1 - 9
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
28.11.2007
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erbaut: 1904
    
Der Bau des Verwaltungsgebäudes des Aachener Hütten-Aktien-Vereins Rothe Erde (AHAV) erfolgte rund 60 Jahre nach Reifung der ersten Pläne, auf einem Gebiet im Südosten von Aachen eine Eisenhütte zu errichten. 1845 erwarben mehrere Aachener Unternehmer zu diesem Zweck das Landgut »Rothe Erde« in einer damals noch vollkommen landwirtschaftlich geprägten Gegend »vor den Toren« der Stadt Aachen. Der Dampfkessel-Fabrikant Jacques Piedboeuf, der Waggonbau-Unternehmer Johann Hugo J.Talbot und die Maschinenfabrikanten Johann Leonhard Neumann und Theodor Esser wollten hier in eigener Regie die für ihre Produktion notwendigen Rohmaterialien herstellen. Ende 1845 gründeten sie die Piedboeuf & Cie. ------- Aachener Eisen-, Walz- und Hammerwerk und ließen nach den Plänen des belgischen Ingenieurs Reiner Daelen ein neues Werk errichten, das im Mai 1847 den Betrieb aufnahm. In den Puddelöfen wurde das vorwiegend aus Belgien oder England bezogene Roheisen zu "Puddeleisen" oder "Schweißeisen", wie Stahl damals genannt wurde, verarbeitet. In den Luppen-, Stabeisen- und Blechwalzen entstanden daraus Schienen, Achsen und Radbandagen für den Eisenbahnbedarf sowie Bleche für die Dampfkesselherstellung. Trotz erfolgreicher Produktion musste die Firma jedoch infolge der konjunkturellen Krisen zweimal, 1848 und 1860, in Liquidation gehen.
    
    Als das Unternehmen vier Jahre nach der zweiten Krise, 1864, unter dem Namen Aachener Hütten-Aktien-Verein Rothe Erde (AHAV) neu gegründet wurde, verhieß das damals herrschende "Eisenbahnfieber" weiterhin einen gute wirtschaftliche Erfolge. In einer großangelegten Modernisierungsaktion wurde zu Beginn der 1870er Jahre eine neue Konverteranlage für eine moderne Stahlproduktion errichtet, die nach dem 1856 in England von Henry Bessemer erfundenen Windfrischverfahren arbeiten sollte. Technische Unzulänglichkeiten der Anlage und die Gründerkrise von 1873 führten das Unternehmen erneut an den Rand des Ruins. Unter neuer Leitung setzte dann aber seit 1875 ein nachhaltiger Aufschwung ein. Kaufmännischer Direktor wurde Adolf Kirdorf aus Mettmann, der ältere Bruder des späteren Kohle- und Stahlmagnaten und Wortführers der Schwerindustrie, Emil Kirdorf. Nicht minder am Erfolg beteiligt war der neue technische Leiter, der Stahlfachmann Jules Magéry aus Namur. Der neue Vorstand reorganisierte das Unternehmen und landete einen "großen Coup", als er 1880 das erst ein Jahr zuvor in England erteilte Patent für das Thomasverfahren erwarb, eine Art modifiziertes Bessemer-Verfahren. Im Gegensatz zu diesem ermöglichte es das Thomas-Verfahren, die in Deutschland und in den luxemburgisch-lothringischen Gruben geförderten phosphorhaltigen "Minette"-Erze zu Stahl zu verarbeiten. Die zu Beginn der 1880er Jahre geknüpften Geschäftsbeziehungen des AHAV zu verschiedenen Hochofenbetrieben in Luxemburg mündeten 1892 im Erwerb der Luxemburger Hochofen AG in Esch-sur-Alzette und 1902 in der Übernahme der Aktiengesellschaft Hochöfen, Berg- und Hüttenwerke im luxemburgischen Deutsch-Oth. Für die Roheisentransporte stand die in den Jahren zwischen 1881 und 1889 von Rothe Erde durch die Eifel über St. Vith bis nach Luxemburg errichtete Vennbahn-Strecke zur Verfügung. Auch der bei der Stahlproduktion als Zuschlagsstoff in größeren Mengen benötigte Kalk wurde über die Vennbahn aus den nahe gelegenen Kalkwerksbetrieben in Walheim und Büsbach (heute Ortsteil von Stolberg) herantransportiert. 1889 hatte der AHAV die Kalkwerke Büsbach erworben und technisch so modernisiert, dass dort täglich 10 t Kalk produziert werden konnten.
    
    Der Entwicklung in der Montanindustrie seit Mitte der 1890er Jahre mit der Gründung des Rheinisch-Westfälischen Konhlensyndikats und der zunehmenden Betriebskonzentrationen zu den "Hüttenzechen", die von den Kohlegruben bis zur Verarbeitung zu Fertigteilen alle Produktionsstufen in einem Betrieb vereinigten, konnte sich auch der AHAV auf Dauer nicht entziehen. Verschiedene Verhandlungen führten 1905 zunächst zur Bildung einer Interessengemeinschaft mit der mächtigen Gelsenkirchener Bergwerks-Aktien-Gesellschaft, an der sich auch der Schalker Gruben- und Hüttenverein beteiligte. 1907 fusionierten die drei Unternehmen zu einem der größten gemischten Werke Deutschlands. Kurz zuvor, im Jahre 1904, entstand das heute noch erhaltene ehemalige Hauptverwaltungsgebäude, ein langgestreckter, zweigeschossiger Backsteinbau mit turmartigen Überhöhungen seitlich und zu beiden Seiten des vierachsigen Mittelstücks.
    
    Das Ende des Hüttenwerks Rothe Erde bahnte sich unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs an, durch den sich die Lage des Werks schlagartig veränderte. Das seit 1843 mit dem Deutschen Reich in einer Zollunion verbundene Luxemburg erklärte Ende 1918 seinen Austritt aus dieser Union, der fünf Jahre nach Inkrafttreten des Versailler Vertrags wirksam werden sollte. Ende 1919 verkaufte die Gelsenkirchener Bergwerks-AG die Werksanlagen in Aachen und Luxemburg an ein französisch-luxemburgisch-belgisches Konsortium. Der Betrieb ging an die neugegründete Société Métallurgique des Terres-Rouges über, an der mehrheitlich neben dem französischen Stahlunternehmen Schneider & Cie. (Le Creusot), dem "Krupp von Frankreich", der luxemburgische Konzern Aciéries Réunies de Burbach-Eich-Dudelange (ARBED) beteiligt war. Ein komplexes Bündel aus wirtschafts- und zollpolitischen Maßnahmen, Frachtkostentariferhöhungen der Deutschen Reichsbahn sowie betrieblichen Entscheidungen der ARBED führte 1926 zum Stilllegungsbeschluss für das Werk in Rothe Erde. Die noch brauchbaren Produktionsanlagen wurden der Hütte in Burbach überlassen und der größte Teil der Werksanlagen seit 1927 abgerissen.
    
 
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1929 erwarb die Stadt Aachen das Gelände in der Absicht, hier neue Gewerbe anzusiedeln. Noch im gleichen Jahr kam die Einigung zwischen der Stadt und der im belgischen Lüttich ansässigen Société O. Englebert Fils & Cie. zum Bau einer Automobil-Reifenfabrik zustande. Mit dem in den 1950er Jahren beginnenden Boom im Automobilverkehr entwickelte sich der Standort in Rothe Erde schnell zur bedeutendsten Produktionsstätte der gesamten Englebert-Gruppe. Heute gehört das später unter Uniroyal firmierende Werk zur Continental AG.
    
    Auch das zweite, 1947 auf dem ehemaligen Hüttenwerks-Gelände angesiedelte Unternehmen profitierte vom Aufschwung der Automobilindustrie. In der Niederlassung des niederländischen Elektrokonzerns Philips N.V. wurden neben Beleuchtungsgarnituren für Automobile jahrzehntelang Radioröhren und Fernsehbildröhren produziert. Während die Röhrenwerke 2003 geschlossen wurden, hat sich die Automobilzulieferung, heute mit der Fertigung von Halogenlampen, zu einem umsatzstarken Produktionszweig entwickelt.

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Quelle(n)/Text:
• Michael Käding, Geschichte des Aachener Hütten-Aktien-Vereins Rothe Erde; in: P. Thomes (Hrsg.), Rohstoffbasis und Absatzmarkt, Aachen 2005, S. 83-142
• Landeskonservator Rheinland (Hrsg.), Denkmälerverzeichnis. 1.2. Aachen. Übrige Stadteile, Köln 1978
Informationsstand:
 
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Kategorie:
Denkmal (Baudenkmal)
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