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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Gust. Talbot & Cie.
Adresse:
Jülicher Straße 213 - 237
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
18.11.2007
 
© 2007 Norbert Gilson
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erbaut: 1921-22 (Verwaltungsgebäude), teilweise Wiederaufbau nach 1945
Architekt: Gerhard Becker

Die von Johann Hugo Jakob Talbot (1794-1850) und Pierre Pauwels im Jahre 1838 in Aachen gegründete Eisenbahn-Wagen-Fabrik Pauwels & Talbot erhielt einen ersten großen Auftrag von der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft zur Lieferung von 200 Personen- und Güterwagen. Diese sollten ab 1842 auf der neu erbauten Verbindung zwischen Köln und Aachen eingesetzt werden. Zur Erweiterung der Produktionsanlagen wurde der Betrieb 1845 aus der Aachener Innenstadt auf ein Gelände "vor den Toren der Stadt" verlagert. Unter der Regie der Söhne von J.H.J. Talbot wurde das Unternehmen weitergeführt. Bei schlechter Auftragslage in den 1860er Jahren nahm man vorübergehend auch den Bau von Maschinen und den Betrieb einer Spinnerei auf.
    
    Die Verstaatlichung der Eisenbahnen in der ersten Hälfte der 1880er Jahre brachte bei den bis dahin stoßweise erfolgten Aufträgen eine Verstetigung mit sich. 1893/94 wurde der nun als Gust. Talbot & Cie. firmierende Betrieb in das neu entstehende Gerwebegebiet an der Jülicher Straße verlegt. Das Unternehmen verfügte jetzt auch über einen eigenen Bahnanschluss. Die Modernisierung der technischen Ausstattung legte den Grundstein für den weiteren Aufstieg der Firma. Nach dem Tod des Firmeninhabers der "zweiten Generation", Carl Gustav Talbot, im Jahre 1899 übernahm dessen Sohn Georg die Unternehmensleitung. Er war nach dem Abschluss eines Ingenieurstudiums bereits seit 1887 im Unternehmen tätig und hatte 1891 ein Patent auf einen mit mechanischen Hilfseinrichtungen entladbaren Eisenbahnwagen erhalten. Dieser "Talbot-Selbstentlader" wurde zu einem Erfolgsschlager des Unternehmens. Der Selbstentlader konnte, zentral gesteuert, gleichzeitig entweder nach beiden Seiten oder auch zwischen die Schienen entleert werden. Bergbau-Gesellschaften und andere Industrieunternehmen des In- und Auslandes orderten diesen Wagentyp in großer Zahl. Ein im Jahr 1896 produziertes Exemplar des Wagens ist heute vor dem Verwaltungsgebäude aufgestellt (Fotos 1, 2). Für das Jahr 1900 ist eine Produktion von rund 1.200 Güter- und 200 Personenwagen überliefert, beschäftigt waren damals 350 bis 400 Mitarbeiter.
    
    Die wirtschaftlich schwierige Lage nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Unternehmen, wie auch die übrigen Waggonbauanstalten, dadurch meistern, dass ein Ersatz für die im Zuge der Reparationen von den deutschen Eisenbahngesellschaften an die Alliierten abgetretenen 150.000 Eisenbahnwagen geschaffen werden musste. In den 1920er Jahren wurde die Firma auch zu einem wichtigen Zulieferbetrieb für die in Aachen ansässige Automobilindustrie, insbesondere für die Mannesmann-Mulag AG. Als Puffer für Flauten bei den Eisenbahnwaggon-Aufträgen diente auch die Produktion von Omnibussen, die noch bis zum Beginn der 1950er Jahre fortgeführt wurde.
    
    Anstelle des alten Verwaltungsgebäudes, das sich inmitten des Betriebsgeländes befand, wurde 1921/22 zur Jülicher Straße hin nach einem Entwurf von Gerhard Becker ein neuer Verwaltungssitz errichtet (Fotos 3 bis 5). Die Fassade wurde unter ausgiebiger Verwendung von Details aus der Barockarchitektur gestaltet: Eckquaderung, Fensterrahmungen aus Blaustein, Segmentbogenfenster mit Schlusssteinen sowie ein 5-achsiger Mittelrisalit. Das ursprünglich als Mansarddach gestaltete Dachgeschoss ging im Zweiten Weltkrieg verloren. In diesem Stockwerk befanden sich ursprünglich zwei große, mit Bad ausgestattete Wohnungen für die Prokuristen der Firma. Beim Wiederaufbau wurden Dachkonstruktion und Giebel vereinfacht erneuert. Nach unterschiedlichsten Nutzungen bezog 1975 wieder die Verwaltung von Talbot das Gebäude.
    
    Das Gebäude kann als Beispiel für die so genannte »Heimatschutz-Architektur« gelten, eine konservative, vom »Neuen Bauen« sich abgernzende Richtung in der Architektur, die durch den Rückgriff auf traditionelle regionale Bauweisen und die Propagierung heimischer Baumaterialien wie Blausteinfensterrahmen und Backsteinmauerwerk versuchte, eine Antwort auf die Umbrüche der Moderne zu geben.
    
 
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    Nachdem die Militärregierung der Nordrheinprovinz im Oktober 1945 der Waggonfabrik Talbot die Genehmigung zur Wiederaufnahme der Produktion erteilt und sich die deutsche Wirtschaft seit der Währungsreform im Sommer 1948 wieder stabilisiert hatte, konnte das Unternehmen an die Produktionserfolge der Vorkriegszeit anknüpfen. Die traditionellen Produkte wie Selbstentlader, Schotterwagen und gedeckter Güterwagen, wurden weiterentwickelt. Neue Wagentypen wie Rundschieberwagen, Kühlwagen oder Containertragwagen kamen später hinzu. Bereits Ende der 1940er Jahre wurden wieder große Exportaufträge abgewickelt. Zunehmende Bedeutung erlangten bald auch Wagen, Triebwagen und komplette Züge für den Nahverkehr.
    
    1983 verfügte die Firma über rund 1.400 Beschäftigte. Der Exportanteil lag bei etwa 52%, die Lieferungen gingen in mehr als 30 Länder, zu einem großen Teil damals vor allem in die Niederlande. Die in den 1980er Jahren mit erheblicher Dynamik sich verändernden Produktionsstrukturen beim Bau von Eisenbahnmaterialien, vor allem aber die "neue" Konkurrenz nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs" machten der Firma zu Beginn der 1990er Jahre schwer zu schaffen. Mit einem neu entwickelten Produkt, dem Leichttriebwagen »Talent«, der von der Deutschen Bahn AG Ende der 1990er Jahre in größeren Zahlen beschafft wurde, gelang es, der Krise gegenzusteuern. Jedoch konnte die Selbständigkeit des über 150 Jahre in Familienbesitz befindlichen Unternehmens nicht erhalten werden. 1995 wurde das Unternehmen von dem kanadischen Technologiekonzern Bombardier übernommen und firmiert heute unter Bombardier Transportation ------- Talbot Aachen.
    
    Mit den Änderungen im Produktionsprogramm und bei den Fertigungsprozessen wurden nun auch größere Gebäudekomplexe des riesigen Firmenareals überflüssig. Exemplarisch konnten einige der aus den ersten Jahrzehnten des Betriebs an der Jülicher Straße stammenden Hallen (Fotos 6 bis 11) vor dem Abriss gerettet werden.

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Quelle(n)/Text:
• Landeskonservator Rheinland (Hg.), Denkmälerverzeichnis. 1.1. Aachen Innenstadt mit Frankenberger Viertel, Köln 1977
• Heinrich Krohn, ... auf der Schiene. Die Geschichte der Reisezug- und Güterwagen. 150 Jahre Waggonfabrik Talbot in Aachen, München 1988
• Holger A. Dux, Geschichte(n) aus Stein und Stuck. Aachener Baugeschichte zwischen den beiden Weltkriegen, Aachen 1997
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Kategorie:
Denkmal (Baudenkmal)
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