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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Kraftwerk Plessa
Adresse:
Nordstraße 1 - 3
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
07.05.2008
 
© 2008 Norbert Gilson
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erbaut: 1926-27 / 1928-30, 1936-42 (Erweiterungen)
Architekt: Hans Hertlein (?)
Bauherr: Elektrizitätsverband Gröba
    
Im Mai 1926 erhielt die Siemens-Schuckertwerke GmbH von dem 1910 gegründeten, in einem Vorort des sächsischen Riesa ansässigen Elektrizitätsverband Gröba den Auftrag zum Bau eines neuen Braunkohlekraftwerks. Das Kraftwerk sollte als Spitzenlast- und Reservekraftwerk dienen. Der 1909 von Landwirten, mitel- und kleinständischen Unternehmern und Gewerbetreibenden sowie von Landräten und Gemeindevorständen gegründete Elektrizitätsverband Gröba bezog bis dahin seine elektrische Energie überwiegend als Fremdstrom aus dem Kraftwerk Lauchhammer der AG Lauchhammer und verfügte zur Spitzendeckung und als Störfallreserve lediglich über ein Dieselkraftwerk mit 4.000 kW Leistung. Das neue Braunkohlenkraftwerk wurde von vornherein auf Erweiterbarkeit hin geplant. Im ersten Ausbauzustand wurde eine Leistung von 8.000 kW installiert.
   
    Die Entscheidung für den Standort Plessa zwischen Lauchhammer und Elsterwerda im Süden Brandenburgs fiel aufgrund der günstigen Bedingungen für die Brennstoffversorgung. Hier lagen die moderne, leistungsfähige Braunkohlengrube »Agnes« und die Brikettfabrik der Plessaer Braunkohlenwerke GmbH (siehe bei -> »weiter«). Für den Grubenbetrieb hatte die Leipziger Allgemeine Transportanlagen-Gesellschaft mbH (ATG) hier 1924 die erste Abraumförderbrücke der Welt gebaut und in Betrieb genommen.
    
    In der ersten Ausbauphase wurden außer dem ersten Kraftwerksabschnitt der Verwaltungstrakt, die Schaltanlage, der Kühlturm I und ein 115 m hoher Schornstein errichtet. Nach einer Bauzeit von knapp einem Jahr ging das Kraftwerk im April 1927 mit drei Kesseln und der Turbine 1, einer Zoelly-Turbine der Görlitzer Maschinenbauanstalt mit 10.000 kVA (8.000 kW) Leistung, in Betrieb. Bereits 1928 kam eine zweite Turbine mit 10.000 kW Leistung hinzu, ebenso der Kühlturm II. In den Jahren 1929 und 1930 erfolgte eine Erweiterung des Maschinen- und Kesselhauses, der Außenbunkeranlage und anderer Nebenanlagen, so dass 1930 ein vierter Kessel und die Turbine 3 mit einer Leistung von 16.000 kW den Betrieb aufnehmen konnten.
    
    In einer dritten Ausbauetappe von 1936 bis 1942 wurde unter einer erneuten Erweiterung von Maschinen-, Kesselhaus und Wasseraufbereitungsanlage sowie dem Bau eines zweiten, 120 m hohen Schornsteins und eines neuen Kühlturms die Gesamtleistung des Kraftwerks durch Aufstellung einer vierten Turbine von 20.000 kW Leistung auf 54 MW erhöht. Diese Turbine wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Reparationsleistung an die Sowjetunion abgegeben. Im Laufe der 1950er bis 1970er Jahre erfolgten verschiedene Substanz erhaltende Wartungs- und Modernisierungsmaßnahmen, ohne dass dadurch die Konfiguration der Anlage aus den später 1930er Jahren verändert wurde.
    
    Noch während des laufendes Betriebes wurde die gesamte Anlage am 22. Juli 1985 unter Denkmalschutz gestellt. Nach der Wende wurden Überlegungen angestellt, die Energieerzeugung auf Erdgas umzustellen. Wegen der hohen Investitionen, die für die erforderlichen umfangreichen Umbaumaßnahmen erforderlich gewesen wären, wurde das Projekt jedoch nicht realisiert. So wurde Mitte April 1992 schließlich der letzte Turbosatz abgeschaltet und das Kraftwerk vom Netz genommen.
    
    Das Kraftwerk Plessa ist eines der ältesten Braunkohlekraftwerke in Europa, das noch in seiner ursprünglichen Bausubstanz erhalten ist. 1998 wurde es unter dem Motto »Kraftwerk im Wandel« in die Projektliste der »Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land« aufgenommen. Auf diese Weise konnte sein Abriss verhindert werden. Als »Erlebnis-Kraftwerk Plesssa« (siehe bei -> »heute«) ist es eine von 10 Stationen der »ENERGIE-Route Lausitzer Industriekultur«.
    
    Bei seiner Inbetriebnahme 1927 gehörte das Krafwerk zu den modernsten und leistungsfähigsten Spitzenlastkraftwerken seiner Art. Die Kraftwerksarchitektur ist in Form und Material ein hervorragendes Beispiel für Industriebauten der späten 1920er und frühen 1930er Jahre. Die Gebäude wurde in Stahlskelettkonstruktion mit Backsteinausfachung gestaltet. Der Maschinenhalle ist das betont repräsentative, dreigeschossige, mit Klinkern verblendete Verwaltungsgebäude des Kraftwerks vorgelagert. Weitere herausragende Örtlichkeiten des Kraftwerks sind das im Originalzustand erhaltene Treppenhaus sowie die Schaltwarte.
    
    Von besonderer Bedeutung ist die Erhaltung der ursprünglichen Maschinenausrüstung der Bauzeit. Die zweigehäusige Zoelly-Turbine von 8.000 kW Leistung, die 1926 in der Waggon- und Maschinenbau AG Görlitz (WUMAG) hergestellt wurde, zählt zu den letzten erhalten Exemplaren dieser Bauart in Deutschland. Der Generator stammt von der Siemens-Schuckertwerke AG. Die zu dem Turbosatz gehörigen Hilfsturbine, Kühlwasser- und Kondensatpumpen sowie Anzeigegeräte sind ebenfalls noch vorhanden.

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Quelle(n)/Text:
• Volker Rödel, Reclams Führer zu den Denkmalen der Industrie und Technik in Deutschland. Bd. 2. Neue Länder, Berlin / Stuttgart 1998
• Matthias Baxmann, Kraftwerk Plessa; in: Andreas Pöschl (Red.) / Kulturamt des Landkreises Elbe-Elster (Hg.), Kohle, Wind und Wasser. Ein energiehistorischer Streifzug durch das Elbe-Elster-Land, Herzberg 2001, S. 128-144
• F. Ohlmüller, Das neue Kraftwerk in Plessa des Elektrizitätsverbandes Gröba; in: Siemens-Zeitschrift 7(1929), Heft 8, S. 517-525
Informationsstand:
 
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Detailinformationen zur Geschichte des Kraftwerks
 
 
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