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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Kraftwerk Frimmersdorf I
Adresse:
Erftstraße
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
02.10.2007
 
© 2007 Norbert Gilson
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erbaut: 1925-26 / 1928-29, 1938, Ende 1940er Jahre (Erweiterungen)
Architekt: Werner Issel (?)
    
1924 fällte die drei Jahre zuvor gegründete Niederrheinische Braunkohlen-Werke AG (NBW) die Entscheidung, in unmittelbarer Nähe der von ihr betriebenen Braunkohlengrube »Walter« ein neues Kraftwerk zu errichten. Die Vorgeschichte dieser Entscheidung reicht bis in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurück. 1912 gründete die Stadt Rheydt zusammen mit der Deutschen Continental-Gas-Gesellschaft AG (DCGG) ein gemischt-wirtschaftliches Unternehmen, die Niederrheinische Licht- und Kraftwerke AG (NLK). Das neue Unternehmen, in das die Stadt ihr 1899 von der Siemens & Halske AG errichtetes städtisches Elektrizitätswerk samt Versorgungsnetz einbrachte, sollte den weiteren Ausbau der Erzeugungskapazitäten für die Stadt Rheydt in die Hand nehmen.
    
    Als sich 1916 Engpässe in der Steinkohleversorgung für das Rheydter Kraftwerk abzeichneten, erwarb die NLK 1917 unter dem Namen Gewerkschaft Walter die Konzession für den Betrieb einer Braunkohlengrube bei Frimmersdorf. Zwei der mit Steinkohle befeuerten Kessel in Rheydt wurden auf Braunkohle umgerüstet. Es dauerte jedoch bis Oktober 1921, bis der erste mit Braunkohle beladene Zug zum Kraftwerk nach Rheydt fahren konnte. Parallel dazu wurde als Nachfolger der Gewerkschaft Walter von den beiden Anteilseignern der N LK die Niederrheinische Braunkohlen-Werke AG gegründet.
    
    Mit dem Bau des neuen Kraftwerks beauftragte die NBW die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG), in deren Baubüro unter Leitung von Georg Klingenberg die neue Anlage projektiert und geplant wurde. Es ist anzunehmen, dass - wie zu Beginn der 1920er Jahre üblich - der eng mit dem Baubüro der AEG verbundene Architekt Werner Issel den Auftrag zur architektonischen Gestaltung erhielt. Für die Wahl des Bauplatzes war einerseits die Nähe zur Erft wegen der erforderlichen Kühlwasserversorgung, andererseits eine möglichst verkehrsgünstige Lage zur Grube maßgebend. Die Wahl fiel daher auf einen Bauplatz in einem Erftbogen westlich von Frimmersdorf. Im Juni 1926 konnte das Kraftwerk seinen Betrieb aufnehmen.
    
    In der ersten Ausbaustufe kamen vier Steilrohrkessel der Bauart Walther (18 atü, 360°C mit einer Dampfleistung von 22 t/h) von der Kölner Walther & Cie. AG, Dampfkessel- u. Maschinenfabrik zur Aufstellung. Als Erzeugngsmaschine wurde zunächst ein Turbosatz der AEG von 10.000 kW Leistung installiert. Da bei der Anlage des Kraftwerks Rücksicht auf eine vorhandene Straße genommen werden musste, wurden die beiden Schalthäuser für 55 kV (Foto 1) und für 6 kV (Foto 2) vom eigentlichen Kraftwerk getrennt jenseits der Straße errichtet. Zur Überführung der Bedienungskabel von der Schaltwarte zu den Schalthäusern wurden beide Anlagenteils mittels eines Torbogenbauwerks miteinander verbunden.
    
    Bereits zwei Jahre nach Inbetriebnahme wurde eine Erweiterung erforderlich. Die Anlage wurde um zwei neue Steilrohrkessel, wiederum der Bauart Walther, sowie um einen Maschinensatz von 22.000 kW ergänzt. Nach Stilllegung des alten Rheydter Kraftwerks im September 1930 wurde außerdem ein dort vorhandener Turbogenerator von 6.400 kW Leistung nach Frimmersdorf überführt. Als Versorgungsgebiet des Kraftwerks war ursprünglich die Gegend zwischen Neuss, Grevenbroich und Mönchengladbach vorgesehen. Die hier gelegenen Kommunen schlossen jedoch nach und nach Stromlieferungsverträge mit der Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG (RWE) ab, so dass dem Kraftwerk Frimmersdorf zunehmend die Stromabsatzmöglichkeiten verloren gingen. Trotz eines 1932 mit der Reichsbahndirektion Köln abgeschlossenen langfristigen Stromlieferungsvertrages kam das Kraftwerk bis 1934 bei einer Abgabe von 55 Mio. kWh über einen Ausnutzungsfaktor von knapp 17% nicht hinaus und war damit wirtschaftlich kaum rentabel. In dieser Situation entschlossen sich DCGG und Stadt Rheydt, ihre Anteile an NLK und NBW an das RWE zu verkaufen. Nach Abwicklung des Kaufs wurde das Kraftwerke Ende 1938 in den Verbundbetrieb des RWE integriert. Der Erwerb duch das RWE war der Auftakt zu einer erneuten Erweiterung von Kraftwerk und Grubenbetrieb. Aus der Grube Walter entwickelte sich der Tagebau Frimmersdorf, der die Keimzelle des heutigen Tagebaus Garzweiler darstellte.
    
    Im November 1941 beantragte das RWE, in unmittelbarer Nachbarschaft der Anlage einen neuen Kraftwerkskomplex zu errichten. Aus Gründen des Materialmangels wurde das zunächst als kriegswichtig eingestufte Projekt im März 1943 gestoppt. Nach dem Krieg wurden die Planungen dann auf neuer Grundlage wieder aufgenommen und mündeten in den 1954 gestarteten Bau des neuen Großkraftwerks Frimmersdorf II. Das alte Kraftwerk erhielt zur Unterscheidung nun die Bezeichnung »Kraftwerk Frimmersdorf I«. Hier begannen unmittelbar nach der Währungsreform im August 1948 neue Erweiterungsarbeiten. Mit Mitteln des »Marshall-Plans« wurde eine Vorschaltanlage mit zwei Strahlungskesseln mit Braunkohlenstaubfeuerung und einem Turbogenerator der Bauart Ljungström von 12,5 kW Leistung errichtet. Gleichzeitig wurde die alte 6,4 MW-Turbine demontiert und durch einen 20 MW-Turbosatz von Brown, Boveri & Cie. (BBC) ersetzt. Da nun der Kühlwasserdurchsetz der Erft nicht mehr ausreichte, ergänzte man die Kraftwerksanlage um einen neuen, 49 m hohen hyperbolischen Kühlturm. In diesem Ausbauzustand blieb das Kraftwerk Frimmersdorf I noch bis 1965 in Betrieb.
    
    Nach der Stilllegung wurden alle Anlagenteile bis auf die beiden Schalthäuser, das Leitstandsgebäude sowie das Verbindungsbauwerk abgerissen. Die sich nordöstlich an die beiden Schalthäuser anschließende 110 kV-Freiluftschaltanlage wurde in der Folgezeit für die Übenahme von Aufgaben für das neue Kraftwerk ausgebaut. Der Standort mit den Bauten des alten Kraftwerks wird heute als »Schaltanlage Ftimmersdorf« bezeichnet. Die als schlichte kubische Baukörper in Backsteinbauweise gestalteten, bis heute erhaltenen Gebäude weisen neben Einflüssen des Heimatschutzstils auch Elemente des Expressionismus auf, wie etwa die gestuften Portarahmungen, die Details der Gesimsrahmungen oder die breiten Rinnenkessel der Fallrohre zeigen.

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Quelle(n)/Text:
• Walter Buschmann / Norbert Gilson / Barbara Rinn: Braunkohlenbergbau im RheinlandRheinland, (Die Bau- und Kunstdenkmäler des Rheinlandes), Worms 2008
 
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