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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Deutsche Philips GmbH (Apparatefabrik Berlin)
Adresse:
Ullsteinstraße 73
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
25.04.2013
 
© 2013 Norbert Gilson
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erbaut: 1955-56 / 1960-61 (Erweiterung)
Architekt: Herbert Noth
Bauausführung: Dyckerhoff & Widmann KG
    
Nachdem das Philips-Werk in Berlin-Charlottenburg nach Beseitigung der Kriegsschäden 1946 mit wenigen Beschäftigten seine Produktion wieder aufgenommen hatte, standen Haushaltsgeräte und Radios (Auto-Super und Berlin-Super), seit 1953 auch hochwertige Plattenspieler und -wechsler auf der Produktionsliste. Auf der Deutschen Industrieausstellung 1954 in Berlin gab das Unternehmen den Neubau einer modernen Fabrikationsstätte mit einer Nutzfläche von 9.000 qm an der Grenze von Tempelhof und Mariendorf bekannt. Produziert werden sollten hier Phonogeräte, Tonbandgeräte und Kleinventilatoren.
    
    Für den Neubau stand ein Grundstück von 23.000 qm Grundfläche zur Verfügung, das auch teilweise zur späteren Errichtung von Wohnungen für Mitarbeiter gedacht war. Die Bauarbeiten begannen im April 1955 und schon im Januar 1956 konnte die Verlegung der Produktion vom alten Charlottenburger Standort der Apparatefabrik in das neue Werk beginnen und im Februar abgeschlossen werden. Um möglichst kurze Wege zwischen den einzelnen Funktionsbereichen zu gewährleisten, wurden die gesamten Räumlichkeiten in einem zusammenhängenden Komplex zusammengefasst, die einzelnen Trakte aber gemäß ihrer jeweiligen Bestimmung durch differenzierte Gestaltung voneinander abgesetzt.
    Der Zutritt ins Werksgelände zu den Produktionsanlagen erfolgte auf der linken Seite des Grundstücks vorbei an einem Pförtnerhaus (Foto 2). Die gesamte Produktion wurde in einem beliebig unterteilbaren Shedbau von 9.000 qm Grundfläche (Foto 1, rechts im Bild, und Foto 3) untergebracht. Dieser Bau wurde 1961 nach Süden hin erweitert. Zur Straßenseite hin ist die Halle durch einen zweistöckigen Kopfbau (Foto 1, ganz rechts, und Foto 4) abgeschlossen, in dem Betriebsbüros und Nebenräume (Garderoben, Toiletten, Waschräume) untergebracht wurden. An den Kopfbau schließt sich das ursprünglich dreigeschossige Verwaltungsgebäude (Foto 5) an, das 1960/61 um zwei weitere Etagen aufgestockt wurde. Dem Verwaltungsgebäude vorgelagert ist ein Kantinengebäude mit einem Speisesaal für 300 Personen (Foto 5, rechts, und Foto 6). Separat neben der großen Produktionshalle wurde ein Trakt mit Kesselhaus (ölbefeuerte Kessel für die Wärmeversorgung), Transformatorenstation, Werkstatträumen (Schlosserei und Tischlerei) sowie Garagen (Foto 1, links hinter dem Pförtnerhaus) errichtet.
    
    Die Philips-Apparatefabrik wurde als ein Bautyp entworfen, der in Berlin mehrfach Verwendung fand. Ein Hochbau mit der Betriebsverwaltung wurde mit großen Hallen von quadratischem oder rechteckigem Grundriss kombiniert. Die Hallen waren dabei als Shedhallen mit einer Schalenkonstruktion nach dem »System Zeiss-Dywidag« konstruiert. Kopfbau und Verwaltung wurden in Stahlbetonskelettbauweise ausgeführt. Die Betonkonstruktion aller Bauten wurde in Sichtbeton belassen. Die Brüstungsfelder und Seitenwände der Bürobauten sind mit hellen Klinkern verkleidet. Die Produktionsbauten wurden mit gelbem Backsteinmauerwerk verblendet. Der Architekt Herbert Noth (1907-1967) legte großen Wert auf gute Arbeitsbedingungen sowohl im Produktions-, als auch im Verwaltungsbereich. Dies schlägt sich in der konstruktiven Ausführung nieder, die es ermöglichte, Belichtung, Belüftung, Lärmschutz, Arbeitsabläufe und Sozialbereiche optimal zu organisieren. Ein Beispiel ist die Ausführung des einstöckigen Kantinengebäudes, dessen Längsseite nach Norden ausgerichtet ist und dessen Südseite von der Produktionshalle verschattet wird. Daher wurde die Seitenwand sägezahnförmig angelegt zur Unterbringung von Fenstern in Richtung Westen. Zusätzlich wurde die Lichtzufuhr durch Luxferprismen im Oberlicht weiter verbessert.
    
    Der Schwerpunkt der Produktion lag auf der Herstellung von Plattenspielern und Plattenwechslern in der Form von Einbau- und Koffergeräten. Außerdem wurden komplette Tonbandgeräte, ausschließlich für den Export, gefertigt. Hinzu kam die Fertigung von Kleinventilatoren. Alle für den Zusammenbau benötigten Einzelteile wurden in eigenen Werkstätten (Werkzeugmacherei, Automaten-Dreherei, Galvanik, Spritzlackiererei und Roto-Finish-Anlage zum halbautomatischen Entgraten und Polieren von Stanzteilen) im Werk selbst produziert. Für die Montage der Phonogeräte standen drei Fließbandstraßen zur Verfügung, für die Ventilatorenfertigung waren zwei Schiebebänder vorhanden. Für die elektrische und akustische Prüfung waren in der Produktionshalle weiterhin Prüfplätze und Abhörkabinen eingerichtet.
    Die Produktion wurde später auch auf Trockenrasierer, fernmeldetechnische Einrichtungen und Vorprodukte für die Autoradio-Fertigung erweitert. In der Fertigung für die Autoradiosparte diente das Berliner Werk als Zulieferer für das Stammwerk in Wetzlar. 1981 wurde dieser Produktionszweig in Berlin geschlossen und vollständig nach Wetzlar verlegt. Das Fabrikareal in der Ullsteinstraße wurde an den Berliner Lernmittelhersteller Herlitz AG verkauft, die übrige Philips-Produktion zunächst in den nunmehr von Herlitz gemieteten Räumen fortgeführt, 1993 jedoch endgültig geschlossen.

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Quelle(n)/Text:
• Matthias Donath / Gabriele Schulz / Michael Hofmann, Denkmale in Berlin. Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Ortsteile Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade, Petersberg 2007
• Neubau Apparatefabrik der Deutschen Philips GmbH in Berlin-Mariendorf; in: Zentralblatt für Industriebau 3(1957), Heft 8
• Landesdenkmalamt Berlin, Denkmalliste Berlin (Stand: 16.04.2013), Nr. 09097758
• http://www.zeit.de/1954/39/philips-baut-in-berlin
Informationsstand:
 
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