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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Bergmann Elektricitäts-Werke AG
Adresse:
Kurze Straße 5 - 6
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
31.10.2013
 
© 2013 Norbert Gilson
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erbaut: 1907-10, um 1925, 1928 / 1936-41 / 1950-53, 1959
Architekten: Eisermann / Jean Krämer / Reinhold Rossig, Horst Schöbel (VEB Industrie-Entwurf Berlin), VEB Industrieprojektierung Berlin
   
Als die Erweiterungsmöglichkeiten des von Sigmund Bergmann 1891 gegründeten Unternehmens (siehe bei -> »mehr«) am Standort in Wedding ausgeschöpft waren, begannen 1907 die Erschließungsarbeiten für ein Erweiterungsgelände im damals zur Gemeinde Rosenthal gehörenden Wilhelmsruh. Der Standort war verkehrsgünstig gelegen, er hatte Anschluss an die Nordbahn und die Gleise der später Niederbarnimer Eisenbahn AG.
    Auf dem rund 76.000 qm großen Gelände entstanden zwischen 1907 und 1959 insgesamt 25 Gebäudeblöcke, zunächst nach Entwürfen von Eisermann, seit 1936 dann unter der Leitung von Jean Krämer und in den 1950er Jahren durch Planungsbetriebe der DDR.
   
    Das inzwischen in einen Gewerbepark umgewandelte Gelände ist nicht öffentlich zugänglich. Daher kann man nur einzelne Gebäude von außen erkennen, darunter das 1935 errichtete Verwaltungsgebäude (Foto 1). Gut sichtbar sind auch die 1909 errichteten Gebäude am damaligen Werkseingang (Foto 2) mit Pförtnerhaus und Öllager rechts danaben (Foto 3) sowie der Seilerei (Foto 4). Die von 1950 bis 1952 in Stahlskelettkonstruktion errichtete und vollständig verglaste Turbinenhalle (Foto 5) gehört zu den ersten Industriebauten der DDR, die von einem volkseigenen Projektierungsbetrieb entworfen wurden.
    
    Die Produktpalette des Wilhelmsruher Betrieb unmfasste Elektrokabel, akkubetriebene Lastkraftwagen, PKWs und Nutzfahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, Dampfturbinen, Lokomotiven und Kleinbahnen ebenso wie Ausrüstungen für Elektrizitätswerke (Dynamomaschinen und Turbogeneratoren). Die Halbzeuge wurden auf dem Gelände in gesonderten Gießereien, Walzwerken, Schmieden, Drahtzügen gefertigt, die Energie kam von einer eigenen Kraftzentrale.
    
    Innerhalb weniger Jahre war die Bergmann Elektricitäts-Werke AG zum drittgrößten Elektrounternehmen nach Siemens und der AEG aufgestiegen. Mit der stürmischen Erweiterung hatte sich das Unternehmen jedoch übernommen und sah sich 1912 gezwungen, die Siemens-Schuckertwerke GmbH und die Deutsche Bank am Aktienkapital zu beteiligen, um einen Konkurs abzuwenden. Die Weltwirtschaftskrise brachte 1929 einen neuen Produktionseinbruch mit sich, in dessen Folge das Kapital fast vollständig von der AEG und Siemens übernommen wurde. Umfangreiche Rüstungsaufträge führten seit 1935 zu einem neuen Aufschwung. 1940 entstand auf dem Werksgelände eine Munitionsfabrik zur Herstellung von Zündern, Granaten, Kartuschen, Zündschrauben, Patronen und Handgranaten. An die bei diesen Arbeiten eingesetzten mehr als 2.250 Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter erinnert heute eine Gedenktafel (Foto 6) an der Ecke Lessingstraße / Fontanestraße.
    
    Nach Beschlagnahme und anschließender kommissarischer bzw. treuhänderischer Verwaltung im Auftrag der sowjetischen Militärverwaltung wurde der Betrieb im Februar 1949 in den VEB Bergmann-Borsig umgewandelt. Den Schwerpunkt der Fertigung bildeten seitdem Konstruktion, Bau und Montage von Energiemaschinen. Fast alle neu errichteten oder modernisierten Kraftwerke der DDR wurden mit Anlagenteilen aus Wilhelmsruh ausgestattet. Neben der Wiederherstellung der im Krieg zerstörten Werkhallen begann der Betrieb mit dem Neubau von Produktionsgebäuden, unter ihnen die bereits erwähnte Turbinenhalle. Als Ersatz für den Wegfall der Kessel-Lieferungen von den im französischen Sektor von Berlin gelegenen »Borsig-Werken« (siehe dazu bei -> »weiter«) wurde eine eigenständige Produktion von Dampfkesseln aufgezogen.
    
    Der politische Umbruch der Jahre 1989/90 brachte eine erneute Veränderung für den Wilhelmsruher Betrieb, der damals rund 4.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigte. Mit Einführung der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion am 1. Juli 1990 ging die Verwaltung des Betriebes auf die Treuhandanstalt über, die ihn im März 1991 an die Asea Brown Boveri AG (ABB) veräußerte. Seit Februar 1993 firmierte der ehemalige VEB Bergmann-Borsig als ABB Kraftwerke Berlin GmbH. Das Wegbrechen bisheriger Absatzgebiete und die zunehmende Konkurrenz aus Niederiglohnländern erzwang eine Restrukturierung der Produktion, in deren Folge die Belegschaft auf weniger als ein Zehntel des Bestandes von 1990 dezimiert wurde. Ende 1997 waren nur noch 425 Arbeitsplätze vorhanden.
    Eine Anfang 1998 zunächst beabsichtigte Schließung der Kraftwerksproduktion in Wilhelmsruh konnte nach heftigen Protesten der Belegschaft und einer breiten Koalition aus Unterstützern, darunter die Bezirksverordnetenversammlung Pankow, abgewendet werden. Entscheidend dafür war unter anderem die Zustimmung des Landes Berlin zu einer Flächenumwidmung. Seitdem wird das Areal unter dem Namen »PankowPark« (-> siehe Link) zu einem gemischten Standort aus Industrie, Dienstleistungen und Gewerbe sowie Freizeit- und Kultureinrichtungen weiterentwickelt. Den Eingangsbereich an der Lessingstraße (Foto 7) dominiert das 1996 errichtete Verwaltungsgebäude von ABB (Foto 8).
    Mitte 1999 legte ABB seine Kraftwerkssparte mit der von Alstom zusammen. Aus diesem Gemeinschaftsunternehmen entstand im Mai 2000 die Alstom Power Service GmbH, die heute ebenfalls ihren Sitz im PankowPark hat.

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Quelle(n)/Text:
• Bernt Roder / Bettina Tacke (Red.) / Museumsverbund Pankow (Hrsg.), Energie aus Wilhelmsruh. Geschichte eines Berliner Industriestandortes, Berlin 2009
• Landesdenkmalamt Berlin, Denkmalliste Berlin (Stand: 16.04.2013), Nr. 09065274
    
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Website des PankowParks
 
 
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