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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Kaiserliche Werft (Südzentrale)
Adresse:
Rheinstraße
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
25.05.2011
 
© 2011 Norbert Gilson
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erbaut: 1908-11
Architekt: Fritz Riekert (Berlin)

Bereits in den Jahren von 1903 bis 1905 entstand im Zuge der Elektrifizierung der Kaiserlichen Werft (siehe bei -> »weiter«) - zum Ersatz der bis dahin als Antriebsaggregate verwendeten Dampfmaschinen - auf dem Betriebsgelände ein kleines Kraftwerk, die so genannte »Nordzentrale«. Es wurde jedoch schnell offensichtlich, dass dessen Leistung für die zu erwartenden Anforderungen nicht ausreichen würde. Bis 1908 waren die Planungen für den Bau eines neuen größeren Kraftwerks gediehen. Ende November 1908 begannen die Bauarbeiten zur Errichtung des als Südzentrale oder Marinekraftwerk bezeichneten Elektrizitätswerks. Mit Abschluss des ersten Bauabschnitts ging das Kraftwerk 1911 in Betrieb. Ausgerüstet war es mit acht Wanderrost-Kesseln (jeweils 250 qm Heizfläche und 14 atü Betriebsdruck) und drei Dampfturbinen (jeweils 735 kW) von Brown, Boveri & Cie. (BBC). Bereits 1912 kam eine weitere Dampfturbine von 1.470 kW Leistung hinzu.
    
    Zur Umwandlung des in Nord- und Südzentrale erzeugten Drehstroms in Gleichstrom von 110 V waren in beiden Zentralen 6 Motorgeneratoren (Umformer) von insgesamt 1.050 kW aufgestellt. Weitere 16 Umformer mit einer Gesamtleistung von 2.600 kW befanden sich in 7 Unterstationen, die über das gesamte Werftgelände verteilt lagen. Beide Zentralen und die Unterstationen waren zur Überbrückung einer etwaigen Störung der Erzeugung mit Akkumulatorenbatterien von insgesamt 9.100 Ampèrestunden ausgestattet. Der Gleichstrom diente hauptsächlich zur Versorgung der auf der Werft liegenden und in Reparatur befindlichen Schiffe, falls deren eigene Lichterzeugungsanlage nicht in Betrieb sein konnte. Die Beleuchtung der Außenanlagen der Werft erfolgte bis in den Ersten Weltkrieg hinein übrigens noch mit Gaslicht, da die Werft aufgrund eines früher abgeschlossenen langfristigen Vertrages zur Abnahme des Leuchtgases von der liefernden Gesellschaft verpflichtet war.
   
    Interessanterweise hat der Berliner Marinebaumeister Fritz Riekert das Gebäudeensemble des Kraftwerks, so Nils Aschenbeck in der Neuen Zürcher Zeitung (-> siehe Link), nicht im Stile reiner Machtarchitektur gestaltet, obwohl Wilhelm II. sich persönlich um die Pläne kümmerte und dem Architekten Änderungen diktierte. Das bis heute in seinen Grundstrukturen erhaltene fünfachsige Maschinenhaus mit den hochrechteckigen Fenstern strahlt zwar architektonische Monumentalität aus, diese wird jedoch durch die übrigen, betont sachlichen und teilweise ebenfalls in Stahlfachwerk-Konstruktion ausgeführten Nebengebäude gebrochen. Zusammen mit der in unmittelbarer Nähe gelegenen, 1904 als größte Drehbrücke Europas errichteten Kaiser-Wilhelm-Brücke (siehe bei -> »weiter«) bildet das Kraftwerk ein Ensemble, das gleichzeitig wirtschaftlichen und militärischen Machtanspruch sowie technische Modernität belegt.
    
    In den ersten Monaten des Ersten Weltkriegs wurden Kesselhaus, Maschinenhalle und Schalthaus zur Aufstellung neuer Maschinen im gleichen Stil verlängert. Nach einer zweiten Erweiterung im Jahre 1920 verfügte die Südzentrale über eine Leistung von 11.250 kW. Im Zuge einer "ideologischen Bereinigung" wurde vermutlich 1938 der Schriftzug »Kaiserliche Werft« am Giebel des Maschinenhauses säuberlich entfernt. Allerdings blieb er bis heute erkennbar (Foto 3).
    
    Den Zweiten Weltkrieg überstand das Kraftwerk ohne nennenswerte Beschädigungen. Von der Demontage der Werftanlagen nach Kriegsende blieb die Südzentrale, obwohl zunächst ebenso geplant, verschont. 1947 wurde die Leistung durch einen großen Kesselhausanbau auf 14,5 MW gesteigert. Pachtweise wurde das Kraftwerk nun von der Nordwestdeutsche Kraftwerke AG (NWK) betrieben, die von hier aus Teile von Wilhelmshaven mit Strom versorgte. 1963 erfolgte die Umstellung der Befeuerung von Steinkohle auf Schweröl. Die nun benötigten Kessel konnten im alten Kesselhaus aufgestellt werden, so dass der Erweiterungsbau von 1947 wieder entfernt wurde. Nach Ablauf der Pachtverträge ging das Kraftwerk 1993 außer Betrieb.
    
    Seitdem gibt es Versuche, die unter Denkmalschutz stehende Anlage zu erhalten und ein tragfähiges Nutzungskonzept zu entwickeln. Vandalismus, mehrere Brände und unaufhaltbarer Verfall haben die Gebäude mittlerweile schwer in Mitleidenschaft gezogen. Trotz vielfältiger Erhaltungsbemühungen konnte ein Abriss nicht abgewendet werden und wurde im August 2015 vollzogen..

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Quelle(n)/Text:
• Nils Aschenbeck, Niedergang eines Monuments; in: NZZ, 15. April 2011 (siehe Link)
• Corinna Janßen, Die Südzentrale in Wilhelmshaven. Begegnungen mit Geschichte, neuem Leben und unwiederbringlichem Wert, Wilhelmshaven 2003
• 75 Jahre Marinewerft Wilhelmshaven. 1856 - 25. Juni - 1931, Wilhelmshaven 1931
• Wodrig, Die Kaiserliche Werft zu Wilhelmshaven; in: Die Kaiserlichen Werftbetriebe. Deutsche Industrie. Deutsche Kultur. Biographische Zeitschrift für das deutsche Wirtschaftsleben, 9(1913), Nr. 12
• Sven Bardua, Südzentrale abgebrochen; in: Industriekultur 21(2015), Heft 72, Ausgabe 3.15, S. 54
Informationsstand:
 
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weiter:
 
Link:
Nils Aschenbeck über den Niedergang eines Monuments
 
Link:
Information zur Geschichte des Kraftwerks auf der Website des Vereins zum Erhalt der Südzentrale
 
 
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