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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Braunkohlenschwelerei Groitzschen
Adresse:
Zeitzer Straße
 
Lage:
 
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Blick auf die Reste des Schwelhauses I
Foto(s) vom:
31.10.2010
 
© 2010 Norbert Gilson
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erbaut: 1891
    
Die Schwelerei im heutigen Kretzschauer Ortsteil Groitzschen wurde 1891 unter der Regie von Hermann Schäde, Gründer der Braunkohlengrube Kretschau, zur Teergewinnung aus Braunkohle errichtet. Mit der Einführung des Schwelverfahrens, der trockenen Destillation von Braunkohle, hatte in den 1850er Jahren der Aufschwung des Zeitz-Weißenfelser Braunkohlereviers eingesetzt. Teer war damals als Rohstoff für die Darstellung von Paraffin und Solaröl als Leuchtmittel sehr begehrt. Initiator der Gründung von Schwelereien im Zeitz-Weißenfelser Revier war Carl Adolf Riebeck (1821-1883), dessen Name in der nach seinem Tod von den Erben gegründeten A. Riebeck'sche Montanwerke AG weiterlebte.
    
    Nach dem Vorbild der Leuchtgasherstellung wurden für das Schwelverfahren zunächst horizontale, zu Batterien vereinigte Retorten mit indirekter Heizung verwendet. Durch den chargenweisen Betrieb hatten sie nur einen relativ geringen Durchsatz. Seit den 1870er Jahren setzte sich das von dem Apotheker und Direktor der Schwelerei und Mineralölfabrik Gerstewitz bei Lützen, E. Rolle, entwickelte Schwelverfahren mit kontinuierlich betriebenen Schachtöfen durch (»Rolle-Verfahren«). Solche Schwelöfen nach Rollescher Bauart wurden auch in Groitzschen installiert. In den anfangs etwa 5 m, später bis zu 14 m hohen, von außen befeuerten Zylindern aus Eisen beziehungsweise Schamottesteinen rutschte die Kohle zwischen den mit Abstand in der Mitte der Zylinder gestapelten Schwelglocken, rund 25 cm hohen konischen Eisenringen, im Takt des Koksabzuges nach unten. Die Schwelgase wurden über den von den Schwelglocken gebildeten Mittelschacht abgezogen.
    
    Die Erstausstattung des als Backsteinrohbau errichteten Schwelhauses I bestand aus zwei Rolle-Ofenbatterien mit jeweils elf 7 m hohen stehenden Retorten. In der Folgezeit wurde der Standort kontinuierlich erweitert, unter anderem durch die Errichtung einer Brikettfabrik 1895/97. Mit dem Bau des Schwelhauses IV in den Jahren 1913/14 wurde die maximale Kapazität des Standortes erreicht. Zeitweilig bildete die Schwelerei Groitzschen den bedeutendsten Industriestandort des Zeitz-Weißenfelser Reviers. Mitte der 1930er Jahre wurden in Groitzschen sieben der bereits um 1915 entwickelten Spülgas-Schweler (mit direkter Beheizung der Kohle im Schwelraum durch sauerstofffreie Gase) aufgestellt, die wesentlich größere Durchsatzleistungen als die Rolle-Öfen hatten. Zu dieser Zeit waren hier noch insgesamt 122 der Rolle-Retorten in Betrieb.
    
    Stilllegungen des Schwelbetriebs erfolgten etappenweise im Zeitraum von 1945 bis 1963. Die Schwelhäuser II, III und IV wurden abgerissen, das Schwelhaus I unter Denkmalschutz gestellt. Es bildete mit seinem Umfeld den letzten erhaltenen Sachzeugen der Kohleveredlung nach dem Prinzip »Rolle«. Zwar waren zunächst Sanierungsmaßnahmen vorgesehen, jedoch wurde der Zustand der Anlage zunehmend ruinös und 2010 erfolgte der Abriss. Damit verschwand die letzte noch mit den Rolleschen Ofenbatterien ausgestattete historische Schwelerei überhaupt und ein bedeutendes Dokument der für die Braunkohlenschwelerei wichtigsten Erfindung.

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Quelle(n)/Text:
• Volker Rödel, Reclams Führer zu den Denkmalen der Industrie und Technik in Deutschland. Bd. 2. Neue Länder. Berlin, Stuttgart 1998
• Dachverein Mitteldeutsche Straße der Braunkohle e.V. (Hrsg.), Auf der Straße der Braunkohle. Eine Entdeckungsreise durch Mitteldeutschland, 2., komplett überarbeitete und erweiterte Aufl., Leipzig 2009
Informationsstand:
 
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Link:
Foto auf der Website der Straße der Braunkohle
 
Link:
Fotos auf der Website ostkohle.de
 
 
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