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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar
Adresse:
K 2081
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
29.07.2012
 
© 2012 Norbert Gilson
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erbaut: 1972-76, 1984-89
Bauherr: Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar GmbH
Ausführung: Dyckerhoff & Widmann AG
Betreiber: EnBW Kernkraft GmbH
    
Das Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar (GKN) wurde von der Neckarwerke AG und den Technischen Werken der Stadt Stuttgart AG zu Beginn der 1970er Jahre geplant. Später übernahmen auch die ZEAG Energie AG und die Deutsche Bundesbahn, die heutige Deutsche Bahn AG, Anteile an der Betreibergesellschaft. Es wurde in zwei Abschnitten von 1972 bis 1976 (Block I) und von 1984 bis 1989 (Block II) errichtet. Nach Inbetriebnahme von Block II verfügte das Kraftwerk über eine Bruttoleistung von 2.205 MW, von denen 151 MW für den Eigenbedarf benötigt wurden. Im Rahmen des unter dem Eindruck des Erdbebens in Japan vom 11. März 2011 am 14. März erlassenen »Atom-Moratoriums« (Sicherheitsüberprüfung aller 17 deutschen Atomkraftwerke) wurde Block I am Abend des 16. März 2011, zusammen mit Block I des Kernkraftwerks Philippsburg, heruntergefahren und vom Netz genommen.
    
    Bei den beiden Blöcken des GKN handelt es sich um Druckwasserreaktoren. Der mit einem finanziellen Aufwand von 5 Milliarden DM errichtete Block II mit einer Nettoleistung von 1.269 MW wurde in der so genannten »Konvoi-Bauweise« nahezu zeitgleich mit den Kernkraftwerken »Isar 2« und »Emsland« errichtet. Ziel dieser Bauweise war es, durch die standortunabhängigen Anlagenteile (Reaktorgebäude und Maschinenhaus) Zeit und Kosten zu sparen. Dagegen wurden die übrigen Bauwerke wie Kühlturm und Nebengebäude für jeden Standort individuell entworfen. Der 150 m hohe Abluftkamin von Block I (in Foto 1 ganz rechts) mit einem von 7,50 m auf 4,50 m abnehmenden Schaftdurchmesser wurde nach einem besonderen, patentierten Gleitschalungsverfahren von Dywidag errichtet, das es erlaubte, konische Baukörper mit sich geradlinig oder parabolisch verjüngender Form und gleichzeitig abnehmenden Wanddicken auszuführen.
    
    Das Reaktorgebäude von Block II (Foto 2) erhielt eine gasdichte und druckfeste, kugelförmigen Stahlhülle mit einem Durchmesser von 56 m bei einer Wandstärke von 30 mm. Um die Stahlhülle wurde eine Sekundärabschirmung aus Stahlbeton als stehender Zylinder mit aufgesetzter Kuppel errichtet. Diese Stahlbetonhülle wurde so ausgelegt, dass sie einem Flugzeugabsturz und einer äußeren Explosionsdruckwelle standhalten kann. Die Tatsache, dass Block I (Foto 1, rechts) über diese Einrichtung nicht verfügte, war der Grund dafür, diesen unmittelbar nach Erlass des Moratoriums abzuschalten.
    
    Eine Besonderheit des Kraftwerks stellt, ähnlich wie bei dem mit Gas und Öl betriebenen Heizkraftwerk Altbach/Deizisau (siehe bei -> »weiter«), der Kühlturm dar, der als Hybridkühlturm ausgeführt wurde. Der von einer Ringwand mit einem Innendurchmesser von 120 m umschlossene Nassteil befindet sich im Zentrum des Kühlturms. Hier wird das zu kühlende Wasser über einem 39.000 cbm fassenden Wasserbassin mittels einer Wasserverteilungseinrichtung verregnet. Für den kühlenden Luftstrom sorgen 44 Ventilatoren. Um den Nasskühlturm herum ist in Ringbauweise der Trockenkühlteil des Hybridkühlturms angeordnet. Hier wird das zu kühlende Wasser durch ein mit Wärmetauschern ausgestattetes Rohrsystem geführt. Die Kühlung erfolgt durch den angesaugten Luftstrom von 44 weiteren Ventilatoren, die in der zweiten Etage der inneren Ringwand angeordnet sind. Diese Ventilatoren drücken die trockenwarme Luft aus dem Trockenkühlteil durch Mischkanäle in das Kühlturminnere, wo sich diese mit dem feuchten Abdampf des Nassteils vermischt. Damit gelangt der Abdampfstrom nahezu schwadenfrei in die Atmosphäre. Der Vorteil besteht in der, auch für das Landschaftsbild vorteilhaften, mit nur 51,20 m geringen Höhe des Kühlturms. Dem steht allerdings der hohe Energiebedarf für die Ventilatoren - in Neckarwestheim insgesamt 19,36 MW, entsprechend 1,4% der Bruttoleistung von Block II - als Nachteil gegenüber.

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Quelle(n)/Text:
• Jörg Schlaich / Matthias Schüller, Ingenieurbauführer Baden-Württemberg, Berlin 1999
• Karl Erich Haeberle, Stuttgart und die Elektrizität. Geschichte der Stuttgarter Elektrizitäts-und Fernwärmeversorgung, Stuttgart 1983
• Informationszentrale der Elektrizitätswirtschaft e.V. (Hrsg.), Nordwürttemberg. (TechnikTouren, Nr. 1), Frankfurt am Main 1989
• Helmut Wörner, Bau des Hybridkühlturms Neckarwestheim; in: Deutscher Beton-Verein e.V. (Hrsg.), Vorträge auf dem Deutschen Betontag 1989 vom 20. bis 22. April 1989 in Hamburg, Wiesbaden 1990, S. 428-437
• Dietloff von Schmidt [Schriftltg.], Behälterbau. (Dywidag-Bericht, Heft 2), München o.J.
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