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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Walchensee-Kraftwerk
Adresse:
Altjoch 21
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
2017
 
© Uniper Kraftwerke GmbH
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erbaut: 1918-24
Bauherr: Walchenseewerk AG
Betreiber: Uniper Kraftwerke GmbH
   
Schon zu Beginn der 1880er Jahre hatte Oskar von Miller die Vision, Bayern flächendeckend mit Strom zu versorgen, um die Wirtschaft anzukurbeln und den Wohlstand zu vermehren. Angeregt durch die Pariser Elektrizitätsausstellung im Jahre 1881 organisierte der 27-jährige Ingenieur, der damals eine Anstellung bei der Königlichen Regierung von Oberbayern hatte, 1882 eine ähnliche Ausstellung im Münchner Glaspalast. Sie sollte zur Initialzündung für die Elektrizitätsversorgung in Bayern werden. Eine Sensation war es, dass zum ersten Mal Strom über eine größere Entfernung übertragen wurde. Oskar von Miller stellte für die Ausstellung eine Gleichstromübertragung von Miesbach nach München (siehe bei -> »weiter«) auf die Beine. Der in Miesbach mit einer Spannung von 150 bis 200 Volt erzeugte Strom wurde über ein Telegrafengestänge über eine Entfernung von 57 km bis zum Glaspalast nach München geleitet, wo er einen Motor in Gang setzte. Zwar dauerte es noch knapp zehn Jahre, bis mit Hilfe der Drehstromtechnik eine wirklich effiziente Hochspannungsübertragung möglich wurde, aber Oskar von Miller hatte prinzipiell den Beweis dafür geliefert, dass sich Strom auch über große Strecken transportieren lässt.
    
    Als mehrere Staaten des Deutschen Reichs, wie Preußen, Sachsen oder Baden, kurz vor dem Ersten Weltkrieg Überlegungen für eine staatlich organisierte Elektrizitätsversorgung anstellten, griff auch Oskar von Miller, inzwischen selbständiger Projektierungsingenieur für Elektrizitätswerke, 1911 seine ursprüngliche Idee wieder auf. Da das Königreich Bayern nur über wenige Kohlevorräte verfügte, regte er in einer Denkschrift 1915 an, für die Stromgewinnung generell auf die Wasserkraft zu setzen. Über ein umfassendes Hochspannungsnetz sollte ganz Bayern mit Strom aus Wasserkraft versorgt und außerdem die staatliche Eisenbahn elektrifiziert werden. Am 21. Juni 1918 beschloss der Bayerische Landtag den Bau des Walchenseekraftwerks - so wie es von Miller vorgeschlagen und geplant hatte. Für die Stromgewinnung sollte der Höhenunterschied von 200 m zwischen Walchensee und Kochelsee genutzt werden.
    
Der Bau des Walchenseekraftwerks

Der Bau des Walchenseekraftwerks war für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg eine Meisterleistung. Über 2.000 Arbeiter und Ingenieure fanden am Kochelsee Brot und Arbeit. In dem äußerst dünn besiedelten Gebiet gab es zunächst so gut wie keine Straßen oder Wohnungen für die Beschäftigten. Unter unvorstellbaren Mühen mussten die Arbeiter schwerste Bauteile wie Rohre, Turbinen und Generatoren herbeischaffen. Im Winter war das Baumaterial teilweise nur mit Schlitten zu befördern.
    Am 24. Januar 1924 war es so weit. Der erste Maschinensatz ging in Betrieb und lieferte über die Schaltanlage des Kraftwerks Energie in das Leitungsnetz. In den folgenden Monaten wurden auch die übrigen sieben Maschinensätze in Gang gesetzt. Mit einer Leistung von 124.000 kW (124 MW) war nun das Walchenseekraftwerk eines der größten Wasserkraftwerke der Welt.
    
 
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Die Anlagen des Walchenseekraftwerks

Der Anlagenkomplex am Walchensee (Grafiken in den Fotos 4 und 5) zeigt sehr schön das Prinzip eines Speicherkraftwerks, das hier den Höhenunterschied zwischen dem Walchensee als Speicherbecken und dem 200 m tiefer gelegenen Kraftwerk nutzt. Um den Walchensee dauerhaft als Energiespeicher nutzen zu können, muss ihm stetig genügend Wasser zugeführt werden. Hierfür sahen die Planer des Walchenseekraftwerks eigens errichtete Überleitungen aus der Isar und dem Rißbach vor. Die 1924 in Betrieb gegangene Isarüberleitung und die 1950 hinzu gebaute Überleitung des Rißbachs schaffen die nötigen Wassermengen in den See.
    
    Für die Isarüberleitung wird das Wasser zunächst am Isarwehr bei Krün (1, im Schema von Foto 5) aufgestaut. Dort fließt ein Teil des Isarwassers über ein Kanal- und Stollensystem in den Walchensee. Seit 1955 gewinnt das Kraftwerk Obernach (2) am Fuß des 3.900 m langen Druckstollens, der einen Höhenunterschied von 70 m überbrückt, Energie aus dem Isarwasser. Um den Rißbach (3) in den Walchensee zu leiten, entstanden der 3.650 m lange Grasberg- und der 3.300 m lange Hochkopfstollen. Über einen sogenannten Düker, einen Tunnel unter der Isar, sind die beiden Stollen miteinander verbunden. Bevor das Rißbachwasser über einen Höhenunterschied von 20 m in den Walchensee fällt, erzeugt es im Kraftwerk Niedernach (4) Strom.
    
    Zu den Funktionsteilen des Walchenseekraftwerk-Systems gehören das Einlaufbauwerk bei Urfeld (5), der Stollen zum Wasserschloss, die weithin sichtbare Rohrbahn am Kesselberg sowie das Kraftwerk selbst (6) am Kochelsee mit seinen acht Maschinensätzen.

• Über das Einlaufbauwerk Urfeld strömt das Wasser in einen 1.200 m langen Stollen, dessen Sohle 10 m unter dem normalen Seespiegel liegt und der im Wasserschloss mündet.

• Das Wasserschloss, ein riesiges Wasserbecken, dient dem Ausgleich von Druckschwankungen. Diese entstehen, wenn die Turbinen angefahren, geregelt oder plötzlich abgestellt werden. Dabei hebt oder senkt sich der Wasserspiegel in dem 10.000 m³ fassenden Becken. Von dort strömt das Wasser schließlich durch die 400 m langen Druckrohre zu den acht Turbinen im Krafthaus.

• Weithin sichtbares Markenzeichen des Walchenseekraftwerks sind seine Druckrohrleitungen. In sechs gewaltigen Rohren strömt das Wasser aus dem Ausgleichsbecken des Wasserschlosses hinunter ins Maschinenhaus. Die Rohre sind für einen Druck von 28 bar ausgelegt. Das entspricht ungefähr dem zehnfachen Reifendruck bei einem Pkw. Die Rohre haben oben eine lichte Weite von 2,25 m und unten einen Durchmesser von 1,85 m. Die Wandstärke der Rohre beträgt am Wasserschloss 10 mm und am Kraftwerkseinlauf 27 mm. Überraschend ist die hohe Qualität des Stahls, der für die Rohre verwendet wurde. Für die wirtschaftlich schwierige Situation der frühen 1920er Jahre war das bezeichnend. Bis heute erfüllen die Rohre die hohen technischen Anforderungen und zeugen so von der ingenieurtechnischen Kompetenz der Erbauer.

• In der Maschinenhalle von über 100 m Länge laufen vier Francis-Turbinen von je 18.000 kW (18 MW) Leistung. Sie sind gekoppelt mit vier Drehstromgeneratoren von 23.000 bis 25.000 kW Leistung. Die übrigen vier Turbinen sind Pelton-Freistrahlturbinen von je 13.000 kW Leistung, die mit vier Einphasenwechselstrom-Generatoren von 12.500 bis 16.000 kW gekoppelt sind. Letztere erzeugen ausschließlich Strom für den Zugbetrieb der Deutschen Bahn mit einer Frequenz von 16,66 Hz, während die übrigen Generatoren Strom mit einer Frequenz von 50 Hz liefern.

• Nachdem das Wasser über die Laufrader der Turbinen geführt und die potenzielle Energie des Wassers in die Drehbewegung der Turbinen umgesetzt wurde, fließt das Wasser durch einen kurzen Auslaufkanal in den Kochelsee. Der natürliche Ablauf aus dem Kochelsee (7) in die Loisach kann durch eine Schleuse zusätzlich reguliert werden. Im weiteren Verlauf der Loisach liegt das Kraftwerk Schönmühl (8) bei Penzberg. Über die Wehranlage Beuerberg und den Loisach-lsar-Kanal (9) fließt das Wasser dann schließlich weiter zur Isar.

• Von den Generatoren gelangt der Strom zu den Transformatoren, wo die Spannung von der Generatorspannung von 6,6 kV auf die Netzspannung von 110 kV transformiert wird. Über die Sammelschienen in der Schaltanlage wird der Strom dann über Freileitungen auf die Reise geschickt. Dabei werden der Strom mit einer Frequenz von 50 Hz und der Bahnstrom mit 16,66 Hz über jeweils eigene Freileitungen transportiert. Mit sogenannten Leistungsschaltern kann der Stromfluss in der Schaltanlage auch ein-, aus- oder umgeschaltet werden.
    
Der Betrieb des Kraftwerks

Zur Durchführung des Kraftwerkbaus wurde Anfang Januar 1921 die staatliche Walchenseewerk AG mit Sitz in München gegründet. Sie übernahm nach Fertigstellung auch den Betrieb des Kraftwerks. Drei Monate später, Anfang April 1921, entstand die ebenfalls staatliche Bayernwerk AG. Unter ihrer Regie wurde das 110-kV-Freileitungssystem aufgebaut, das die weiträumige Verteilung des im Walchenseekraftwerk erzeugten Stroms übernahm. In den Jahren 1942/43 wurde die Walchenseewerk AG von der Bayernwerk AG übernommen.
    Als sich der bayerische Staat 1994 von seiner Mehrheitsbeteiligung an der Bayernwerk AG trennte, wurde das Aktienpaket von der Vereinigten Industrieunternehmungen AG (VIAG) übernommen. Aufgrund der 1999 vollzogenen Fusion der VIAG mit der Vereinigten Elektrizitäts- und Bergwerks AG (VEBA) wurden kurze Zeit später die Bayernwerk AG und die VEBA-Tochter PreussenElektra AG miteinander verschmolzen. Daraus entstand die E.ON Energie AG, deren Tochtergesellschaft E.ON Wasserkraft GmbH nun das Walchenseekraftwerk betrieb. Durch Ausgliederung der Energieerzeugungssparten Wasser, Kohle und Gas aus der E.ON Energie AG entstand 2016 die Uniper SE, deren Tochtergesellschaft Uniper Kraftwerke GmbH auch das Walchenseekraftwerk übernahm. Der regionale bayerische Verteilnetzbetreiber E.ON Bayern AG firmiert seit 2013 wieder unter dem Namen Bayernwerk AG.
    
    Für Besucher ist es besonders reizvoll und interessant, die Turbinen und Generatoren im Kraftwerk zu besichtigen. Dies ist über die Besucherebene während der Öffnungszeiten möglich (siehe -> »Link« unten).
    
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-> aus Denkmalliste
Altjoch 21; 23; Nähe Walchenseekraftwerk; Altjoch 22; 30
(?Standort) Walchenseekraftwerk Hochdruck-Speicherkraftwerk zur Ausnutzung der Gefällestufe zwischen Walchen- und Kochelsee, auf Initiative und unter Leitung Oskar von Millers, 1919–1924;

Kraftwerk, zwei parallel angelegte langgestreckte Walmdachtrakte bestehend aus westlicher parallel zu den Rohren stehender Maschinenhalle, sogenanntes Krafthaus, mit lisenengegliederten Putz- und Fensterflächen, rustizierten Eckeinfassungen und kleinen Annexbauten sowie östlichem rustikagegliederten Transformatoren- und Schalttrakt mit eckrustiziertem turmartigem Zeltdach-Anbau;

Wasserschloss am Kesselberg, quaderverkleidete terrassierte Betonkonstruktion bestehend aus dem höheren querliegenden Flachsatteldachbau mit halbrunden Fenstern, Eckrisaliten und Ausgleichsbecken im Inneren sowie dem vorgelagerten niedrigeren Flachdach-Apparatehaus;

Rohrbahn, 430 m lange, zum 180 m tiefer gelegenen Kraftwerk führende Trasse mit sechs genieteten Druckrohren;

Abspanngerüst, 42 m hohes Eisengerüst, vor dem Schalthaus;

Auslauf, betonierter Kanal zum Walchensee; mit technischer Ausstattung (u. a. acht Turbinen-/Generatorensätze, Steuer- und Regeleinrichtungen)
Quelle(n)/Text:
• Bernhard Thiem (VDE Südbayern), mit freundlicher Genehmigung der Uniper Kraftwerke GmbH
• Oskar von Miller, Die Verwertung der Walchensee-Wasserkraft für ein Bayernwerk; in: Elektrotechnische Zeitschrift 37(1916), Heft 7, S. 85-89, Heft 8, S. 102-105
• August Menge, Das Walchenseewerk; in: Elektrotechnische Zeitschrift 46(1925), Heft 17, S. 605-614, Heft 18, S. 647-655
• Volker Rödel, Reclams Führer zu den Denkmalen der Industrie und Technik in Deutschland. Bd. 1. Alte Länder, Stuttgart 1992
• Rainer Slotta, Technische Denkmäler in der Bundesrepublik Deutschland. Bd. 2. Elektrizitäts-, Gas- und Wasserversorgung, Entsorgung, Bochum 1977
• Werner Kraus, Schauplätze der Industriekultur in Bayern, Regensburg 2006
Informationsstand:
 
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weiter:
Link:
Informationen über Öffnungszeiten und Besuchsmöglichkeiten auf der Website von Uniper SE
 
Link:
Detailinformationen zum Bau des Kraftwerks auf wikipedia.de
 
Link:
Tourismusinformationen auf der Website der Gemeinde Kochel a. See
 
Link:
Tourismusinformationen auf der Website des Marktes Murnau a. Staffelsee
 
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