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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Technische Hochschule Aachen (Institut für Elektrische Nachrichtentechnik / Institut für Hochfrequenztechnik)
Adresse:
Melatener Straße 23 - 25
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
05.02.2017
 
© 2017 Norbert Gilson
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erbaut: 1954-57
Architekt: Karl Schlüter (Staatliche Bauleitung der TH)
    
Bereits in den 1920er Jahren war absehbar, dass der Schwachstrom- oder Fernmeldetechnik innerhalb des gesamten Fachgebietes der Elektrotechnik künftig eine bedeutendere Rolle zukommen würde. An der Technischen Hochschule Dresden hatte man diese Entwicklung bereits kurz vor dem Ersten Weltkrieg vorweggenommen, als 1911 Heinrich Barkhausen zum ersten Professor für »Schwachstromtechnik« berufen wurde (siehe bei -> »weiter«). An der Technischen Hochschule Aachen dominierte in den 1920er Jahren mit den Professuren von Walter Rogowski und Leo Finzi sowie mit der Dozentur von Kurt Fischer eindeutig das Gebiet der Starkstrom- und Hochspannungstechnik, die im 1929 eröffneten Neubau des »Elektrotechnischen Institts« (siehe bei -> »weiter«) untergebracht waren.
   
    Einen neuen Schub erhielt die Schwachstrom- bzw. Fernmeldetechnik mit den seit 1936 im Vierjahresplan der NS-Regierung vorgesehenen Forschungs- und Rüstungsanstrengungen. Bereits zwei Jahre zuvor war die Elektrotechnik an der TH Aachen bestrebt, ein nichtplanmäßiges Extraordinariat für dieses Fachgebiet zu schaffen. Um die Unterstützung des Reichserziehungsministeriums zur Einrichtung und Besetzung dieser außerordentlichen Professur zu erhalten, bedurfte es kaum des Hinweises auf die enorme Bedeutung der Fernmeldetechnik. Der Antrag wurde im August 1934 genehmigt und die Stelle mit Walter Größer besetzt, der bereits seit 1930 einen Lehrauftrag für »Fernmeldetechnik« an der TH Aachen ausgeübt hatte. Zum 1. Dezember 1938 wurde die Stelle von Größer in eine beamtete außerordentliche Professur für »Elektrische Nachrichtentechnik einschließlich Hochfrequenztechnik« umgewandelt. Damit war auch dieses Fachgebiet an der TH Aachen in einer Grundausstattung vertreten.
    
    Die beiden grundlegenden Fachgebiete der Fernmeldetechnik waren Hochfrequenztechnik sowie Fernsprech- und Telegrafentechnik. Dabei umfasste die Hochfrequenztechnik im Einzelnen Röhrentechnik, Verstärkertechnik, Sender- und Empfängertechnik, Modulation und Demodulation, Strahlung und Wellenausbreitung, Trägerstromtechnik, Peilwesen und Fernsehen sowie Hochfrequenzmesstechnik. Bestandteile der Fernsprech- und Telegrafentechnik, die nach dem Zweiten Weltkrieg generell als Nachrichtentechnik bezeichnet wurde, waren die Theorie der Fernmeldeleitungen und -kabel, Vierpoltheorie, Netzwerke für Entzerrung, Fernsprecher- und Telegrafentechnik, Signalwesen, Wähl- und Vermittlungstechnik, Fernmessen sowie eine Anlagenkunde von Fernsprech- und Telegrafeneinrichtungen. Auch die Feinmechanische Fertigung und Konstruktion von Fernmeldegeräten sowie deren Anlagenentwurf zählten zur Fernsprech- und Telegrafentechnik.
    
    Beim Wiederaufbau des Lehrbetriebs nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Anfang 1948 zunächst Wilhelm Janovsky mit der Vertretung des Extraordinariats für »Elektrische Nachrichtentechnik einschließlich Hochfrequenztechnik« beauftragt. Im Haushaltsplan der TH Aachen für 1949 wurde ein neuer Lehrstuhl für »Elektrische Nachrichtentechnik« vorgesehen. Mit der Wahrnehmung der Dienstgeschäfte des Lehrstuhls war ab Mai 1949 zunächst Ulfilas Meyer betraut, der bis 1946 Vorstandsmitglied der Felten & Guilleaume Carlswerk AG war und dem wichtige Arbeiten auf dem Gebiet der Fernmeldekabel-Technik zu verdanken sind. Zum 1. August 1950 wurde dann Volker Aschoff als ordentlicher Professor auf den Lehrstuhl berufen. Das Aufgabengebiet des Lehrstuhls umfasste die Bearbeitung der Grundlagen der Nachrichtentechnik, einschließlich der Umwandlung von Nachrichten in Signale, der Umformung von Signalen in eine zur Übertragung geeignete Form sowie der bei Übertragungen auftretenden Erscheinungen, im Wesentlichen Verzerrungen. Die dazu erforderlichen theoretischen Grundlagen der Informations- und Systemtheorie sowie der Netzwerk- und Leitungstheorie gehörten damit ebenfalls zum Arbeitsfeld des Lehrstuhls. Weiterhin waren die Fragen der Schwingungserzeugung, des Aufbaus von Übertragungssystemen sowie der nachrichtentechnischen Messeinrichtungen Bestandteil der Nachrichtentechnik.
    
    Parallel zur Einrichtung des neuen nachrichtentechnischen Lehrstuhls wurde 1950 das bisherige Extraordinariat für »Elektrische Nachrichtentechnik einschließlich Hochfrequenztechnik« in das Ordinariat für »Hochfrequenztechnik« umgewandelt. Zwei Jahre später wurde dieser Lehrstuhl mit Herbert Döring besetzt, dem Entwicklungsleiter im Esslinger Röhrenwerk der C. Lorenz AG. Domäne der Hochfrequenztechnik waren damals allgemein die Phänomene der Nachrichtenübertragung mit Hilfe elektromagnetischer Wellen. Dazu gehörte die Beschäftigung mit den entsprechenden elektronischen Bauteilen und Anlagen, mit Elektronenröhren, Sende- und Empfangseinrichtungen, mit Antennen und Hochfrequenzleitungen sowie mit den Methoden der modernen elektronischen Messtechnik. Infolge der Entwicklung von Radar- und Richtfunktechnik lagen die interessantesten Fragestellungen zu Beginn der 1950er Jahre auf dem Gebiet der Mikrowellen, mit Wellenlängen im cm- und mm-Bereich. Mikrowellenbauelemente und die entsprechende Messtechnik, zunächst auf der Basis der Röhrentechnologie (Laufzeitröhren), wurden zum bevorzugten Forschungsgebiet von Döring.
    
    Mit den beiden neuen Lehrstühlen für »Elektrische Nachrichtentechnik« und für »Hochfrequenztechnik«, die Mitte der 1950er Jahre den Institutsstatus erhielten, waren nun die umfangreichen Lehr- und Forschungsgebiete der Nachrichtenübertragungstechnik und der Technischen Elektronik grundlegend an der TH Aachen vertreten. Die Bedeutung der beiden Institute wurde dadurch unterstrichen, dass zu ihrer Unterbringung zügig ein neues Gebäude errichtet wurde. Nach vorübergehender Unterbringung im Rogowski-Institut konnten die beiden Institute im Februar 1957 in die neuen Räume am Königshügel an der Melatener Straße umziehen.
    
    Die Auswahl des Baugrundstücks und die Anlage des Gebäudes waren in Abstimmung mit den beiden Professoren nach technischen Gesichtspunkten erfolgt. Die Laboratorien lagen weit genug von den anderen elektrotechnischen Versuchseinrichtungen entfernt, so dass keine elektromagnetischen Störungen zu befürchten waren. Ideal war auch die Hochlage des Gebäudes mit einem Flachdach, so dass hier Antennenmessungen nahezu horizontfrei durchgeführt werden konnten. Das Gebäude wurde als 92 m langer Stahlbetonskelettbau errichtet, gegliedert in einen Mitteltrakt mit Eingangsbereich sowie zwei in Größe und Gestaltung identische Seitenflügel für die beiden Institute. Der Mitteltrakt umfasst das Eingangsfoyer im Erdgeschoss, einen Hörsaal für 200 Personen in den Obergeschossen sowie einen großen Seminarraum im Keller. Ein hoher Aufwand wurde für die Anlage des schalltoten Raums und des Hallraums im Tiefkeller getroffen, die beide von dem Rest de Gebäudes akustisch entkoppelt werden mussten.
    
    Die Tragkonstruktion ist prägender Bestandteil der Fassadengliederung, so dass beiden Hauptansichten des Gebäudes durch mit Jura-Kalkstein verkleidete Stahlbetonstützen gegliedert werden, die im Achsabstand von 3,25 m über die ganze Länge der Fassade aufgereiht sind. Den oberen Abschluss der Fassaden bildet eine dünne, leicht über die Fassadenflucht kragende Dachplatte. Auf dem Flachdach befinden sich verschiedene Technikaufbauten sowie über die gesamte Länge des Daches durchlaufend die sogenannten „Bahnsteige″ für Messungen und Versuche.
    Das weitgehend unveränderte, durch seine Monumentalität und die städtebauliche Anordnung beeindruckende Gebäude, steht heute unter Denkmalschutz.

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Quelle(n)/Text:
• Norbert Gilson / Walter Kaiser, Elektrizität - Energie - Information. Die Geschichte der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik an der RWTH Aachen, (Aachener Beiträge zur Wissenschafts- und Technikgeschichte des 20. Jahrhunderts, Bd. 6), Diepholz / Stuttgart / Berlin 2010
• Sophie Ritz, Die Institute für Elektrische Nachrichtentechnik und Hochfrequenztechnik; in: Denkmalpflege im Rheinland 23(2006), Heft 3, S. 126-131
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