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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Kraftwerk Unterspree
Adresse:
Wiesendamm 32 - 38
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
27.03.2014
 
© 2014 Norbert Gilson
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erbaut: 1909-11 / 1926 (Modernisierung) / 1954 (Umbau)
Architekt: Siemens-Bauabteilung
    
Für die Stromversorgung der im Februar 1902 eröffneten, elektrifizierten Berliner Stadtbahn hatte die Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin (»Hochbahngesellschaft«) in der Trebbiner Straße, nahe dem Gleisdreieck, ein eigenes Gleichstrom-Kraftwerk errichtet. Drei stehende Verbunddampfmaschinen, die aus sechs Wasserröhrenkesseln gespeist wurden, trieben dort drei Gleichstromdynamos von jeweils 800 kW Leistung an. Bei seiner Inbetriebnahme lag das Kraftwerk nahezu im Schwerpunkt des in der ersten Ausbaustufe geplanten Schnellbahnnetzes.
    
    Als sich das Bahnnetz ungewöhnlich schnell in Richtung Westen nach Charlottenburg und nach Norden bis zum heutigen Nordbahnhof ausdehnte, war eine Versorgung dieser Strecken mit Gleichstrom direkt vom Kraftwerk aus wegen der zu großen Entfernungen nicht mehr vertretbar. Eine Zwischenlösung war die Errichtung eines Umformerwerks in der Bismarckstraße, dessen Umformer nun mit 10 kV Drehstrom gespeist wurden und diesen in die erforderlichen 780 V Gleichstrom umwandelten. Der Drehstrom wurde in der Trebbiner Straße ebenfalls mit Umformern erzeugt. Jedoch erreichte auch das Kraftwerk in der Trebbiner Straße mit dem stetig zunehmenden Bahnverkehr die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Da ein weiterer Ausbau hier nicht mehr möglich war, fiel der Entschluss zum Bau eines neuen Kraftwerks mit einer Erweiterungsmöglichkeit auf bis zu 60.000 kW.
    
    Ein Bauplatz wurde in der Gemarkung Ruhleben direkt an der Spree gefunden. 1909 konnten die Bauarbeiten für das neue Kraftwerk Unterspree beginnen. Die Lage an der Spree erlaubte die Anlieferung der Kohle auf dem Wasserwege und bot zudem die Möglichkeit, das benötigte Kühlwasser für die Kondensation aus dem Fluss zu entnehmen. Das Kesselhaus wurde für die Aufstellung von 10 Wanderrost-Kesseln (15 at, 325°C) mit Ekonomisern konzipiert, von denen im ersten Ausbau sieben Aggregate installiert wurden. Der im Kesselhaus erzeugte Dampf wurde den in der Turbinenhalle aufgestellten drei Turboaggregaten über eine Ringleitung zugeführt. Mit den Dampfturbinen war jeweils ein Drehstromgenerator von 4.000 kW Leistung (2.650 ... 2.800 V, 1.200 U/min, 40 Hz, Gleichstrom-Erregung) gekuppelt. Die von ihnen erzeugte Energie wurde mit Hilfe wassergekühlter Öltransformatoren von der Maschinenspannung auf 10 kV transformiert. Der auf 10 kV hochgespannte Drehstrom wurde über Ölschalter einem doppelten Sammelschienensystem zugeführt, das in einem dem Maschinenhaus vorgelagerten, gesonderten Schalthaus untergebracht war.
    
    1924 wurde einer der Turbosätze durch einen modernen mit 4.250 kW Leistung ersetzt, der unmittelbar für 10.000 V gewickelt war. Damit verfügte das Kraftwerk über eine Leistung von 12.250 kW. Von hier aus wurden nun die Umformerwerke Bismarckstraße und Senefelderplatz, die Betriebswerkstatt Grunewald und zwei Umformersätze im Kraftwerk Trebbiner Straße versorgt. Mit dem fortschreitenden Ausbau der Nordsüd-S-Bahnlinie und dem Bau der »Verstärkungslinie« Gleisdreieck - Wittenbergplatz wuchs der Energiebedarf zusätzlich. Die Planung der erforderlichen Erweiterungsmaßnahmen ging einher mit dem Entschluss, das veraltete Kraftwerk an der Trebbiner Straße und damit die unmittelbare Gleichstromerzeugung aufzugeben. Stattdessen wurde das Drehstromkraftwerk Unterspree mit zwei neuen Turbogeneratoren von je 10 MW auf eine installierte Leistung von 32.250 kW weiter ausgebaut, einhergehend mit dem Bau eines neuen Umformerwerks am Gleisdreieck (siehe bei -> »weiter«).
    
    Parallel zur Aufstellung der neuen Turbogeneratoren wurde auch die Schaltanlage erneuert. Zur Unterbringung der Hochspannungsschaltanlage wurde ein neues Schalthaus mit Ölschalterraum im Erdgeschoss und Sammelschienenraum im Obergeschoss errichtet. Die Sammelschienen des alten Schalthauses, des auf Foto 2 sichtbaren, vor dem lang gestreckten Maschinenhaus angeordneten (Fotos 1 und 3) Gebäudes, wurden über Kupplungsschalter (Trenn- und Ölschalter) mit der neuen Anlage verbunden.
    
    Die Mitte der 1920er Jahre herrschenden Betriebsverhältnisse, gekennzeichnet durch ausgeprägte Belastungsspitzen in den Stunden zwischen 7 und 9 sowie zwischen 16 und 20 Uhr machten zusätzliche Maßnahmen zur Vergleichmäßigung der schwankenden Anforderungen an die Dampflieferung der Kessel erforderlich. Zu diesem Zweck wurden zwei Ruths-Speicher aufgestellt, deren Schaltung allerdings von der sonst üblichen Ausführung abwich. Während die Ruths-Speicher normalerweise - wie zum Beispiel auch im Kraftwerk Charlottenburg (siehe bei -> »weiter«) - während der Schwachlastzeiten überschüssigen Dampf in Form von Heißwasser speicherten und in Spitzenlastzeiten in Form von Dampf zur Speisung von Turboaggregaten wieder abgaben, arbeiteten die Ruths-Speicher im Kraftwerk Unterspree in Wechselwirkung mit den großen Kondensatbehältern. In Zeiten der Belastungstäler wurde durch Anzapfdampf der Turbinen das Kondensat vorgewärmt und in den Ruths-Speichern gespeichert. Entsprechend der Entnahme des Anzapfdampfes erhöhte sich die Kesselbelastung. In Spitzenlastzeiten wurde die Anzapfung der Turbinen ausgesetzt und die zusätzliche Versorgung der Kessel mit Speisewasser erfolgte aus den Ruths-Speichern.
    
    Planungen für einen weiteren Ausbau der Stromerzeugungsanlagen der Hochbahngesellschaft mit der Aufstellung von Hochdruckkesseln mit Kohlenstaubfeuerung und Errichtung einer Vorschaltanlage wurden zwar angestellt, jedoch deuteten die Entwicklungen bereits Mitte der 1920er Jahre auf einen Zusammenschluss der unterschiedlichen Berliner Verkehrsgesellschaften (Straßenbahn-, Omnibus- sowie Hoch- und U-Bahn-Gesellschaften) hin, der dann zum 1. Januar 1929 mit Gründung der Berliner Verkehrs-Gesellschaft (BVG) in die Tat umgesetzt wurde. Damit einher ging die Entscheidung, die Stromversorgung der geplanten nördlichen und östlichen Erweiterungen des Schnellbahnnetzes durch die Berliner Städtische Elektrizitätswerke AG (Bewag) vornehmen zu lassen.
    
    Das Kraftwerk Unterspree blieb noch bis zur Stilllegung im Jahre 1954 in Betrieb. Anschließend wurde es in eine Papierfabrik umgebaut.

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Quelle(n)/Text:
• Emil Pavel, Die Entwicklung der Stromerzeugungsanlagen der Hoch- und Untergrundbahn in Berlin, Berlin 1927
• Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Denkmaldatenbank, Eintrag 09085840
• Thorsten Dame, Elektropolis Berlin. Architektur- und Denkmalführer, Berlin 2014
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