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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Flughafen Tempelhof
Adresse:
Platz der Luftbrücke 1-6
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
29.08.2009
 
© 2009 Norbert Gilson
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erbaut: 1936-41
Architekt: Ernst Sagebiel
Ausführung: Dyckerhoff & Widmann KG
    
In den Jahren 1922/23 entstand auf dem Tempelhofer Feld, in verkehrsgünstiger Lage nahe der damaligen Berliner Innenstadt gelegen, auf einem ehemaligen Exerzierplatz ein Flugplatz. Das Ganze war zunächst ein Provisorium. 1923 gab es insgesamt 100 Starts und Landungen und es wurden 150 Passagiere und 1.300 kg Fracht transportiert. Unter der Regie der 1924 gegründeten Berliner Flughafen-Gesellschaft mbH wurde 1926 nach einem Entwurf von Klaus und Paul Engler mit dem Ausbau der Anlage zu einem »Zentralflughafen« begonnen. Bis 1929 wurden die ersten beiden Bauabschnitte abgeschlossen. Das Betriebs- und Verwaltungsgebäude entstand im Norden des Flughafens, rechts und links flankiert von den großen Flugzeughallen.
    
    In dieser Zeit entwickelte sich Tempelhof zum verkehrsreichsten Flughafen Europas. 71 Städte, davon 25 im Ausland, wurden 1930 von Tempelhof aus angeflogen. Angesichts des rasant wachsenden Flugverkehrs zeigte sich, dass selbst eine vollständige Umsetzung der noch nicht realisierten Engler'schen Ausbaupläne mit der Entwicklung des Luftverkehrs nicht Schritt halten könnte. Es schälte sich die Überzeugung heraus, dass es am sinnvollsten wäre, die alten Ausbaupläne nicht mehr weiter zu verfolgen, sondern den Flughafen vollkommen neu zu konzipieren. So kam es 1929 zunächst zu einem Baustopp, der infolge der schlechten Wirtschaftslage und der finanziellen Probleme bis 1934 andauerte.
    
    Das Repräsentationsbedürfnis der NS-Regierung lieferte den entscheidenden Impuls dafür, die Neubaupläne wieder aufzunehmen und sie mit der sich abzeichnenden, unter der Regie von Albert Speer geplanten städtebaulichen Umgestaltung Berlins zu verküpfen. Der Flughafen sollte in technisch-ökonomischer Hinsicht und durch seine architektonische Gestaltung zu einem Prestigeobjekt entwickelt und zu einem der leistungsfähigsten und modernsten Anlagen seiner Art ausgebaut werden. Bis zu 6 Millionen Fluggäste sollten jährlich abgefertigt werden können, dies war das Dreißigfache des Passagieraufkommens von 1935. Die Tempelhofer Flughafenbauten wurden zum größten Gebäudekomplex Europas und waren noch in den 1990er Jahren, gemessen an der Bruttogeschossfläche, der viertgrößte der Welt.
    
    Den Auftrag zum Bau der Anlage erhielt 1935 der Architekt Ernst Sagebiel, der bereits den Neubau des Reichsluftfahrtministeriums an der Berliner Wilhelmstraße leitete. Zwischen 1936 und 1941 entstand nach seinen Plänen die Flughafenanlage, die im Überblick Foto 1 zeigt. Den zentralen Teil bildet die Abfertigungs- und Empfangshalle (Fotos 2 bis 4). Mit den ebenfalls als Stahlbeton-Skelettbauten ausgeführten, die Verwaltungstrakte aufnehmenden Seitenflügeln (Fotos 6 und 7) fasst sie einen für die NS-Bauweise typischen Ehrenhof (Foto 8) ein, der axial auf den nur teilweise verwirklichten, heutigen runden Platz der Luftbrücke ausgerichtet ist. Der Eingangsbereich mit dem 30 m hohen Empfangsgebäude sollte die repräsentativen Ansprüche erfüllen, die durch die im Stil des "Neuen Bauens" gestalteten, mit braungelben Natursteinplatten verkleideten und eine heroische Monumentalität ausstrahelnden Fassaden noch unterstrichen wurde. Die sich hinter den Eingangstüren querliegend erstreckende Eingangshalle (Foto 9) von nur wenigen Metern Tiefe erstreckte sich ursprünglich über drei Geschosse. 1960 wurde hier eine Zwischendecke eingezogen, so dass sich der darüber befindliche Teil des ursprünglichen Bauwerks bis heute im Rohbauzustand befindet (Foto 10). Durch die Eingangshalle betritt man die eigentliche Abfertigungshalle (Fotos 11 bis 14), deren Abschluss ursprünglich aus großen Glasflächen bestand, die den Blick auf das Rollfeld freigaben. Später wurde hier eine Aluminiumwand eingezogen (Foto 15), hinter der das Flughafenrestaurant eingerichtet wurde.
    
    Eine spektakuläre Neuerung in der Flughafenarchitektur bildete der sich an die Abfertigungshalle anschließende und über eine Breite von 380 m erstreckende, 12 m hohe überdachte Flugsteig. Er besteht aus einer Stahlkonstruktion, die - ohne weitere Stützen auskommend - 40 m weit auskragt (Fotos 16 bis 18). Zu beiden Seiten des Flugsteigs erstrecken sich über eine Länge von jeweils mehr als 400 m die Flugzeughallen. Sie bilden mit dem Flugsteig eine 1.230 m lange Front im Grundriss eines Viertelkreises (Fotos 19 bis 22). Die Flugzeughallen, die Platz für insgesamt 120 »Großverkehrsflugzeuge« in der Größenordnung der 1930er Jahre (etwa von den Ausmaßen der Ju 52) boten, sind durch elektrisch verfahrbare Tore verschließbar (Fotos 24 bis 26).
    
    Die Fertigstellung der von Sagebiel geplanten Anlage war für 1939 vorgesehen. Der Termin wurde jedoch infolge des Kriegs nicht eingehalten, so dass der alte Flughafen bis zum Frühjahr 1945 in Betrieb blieb. In den 1950er Jahren wurden die alten Flughafenbauten komplett abgerissen. Im Mai 1946 kam der zivile Luftverkehr in Teilen von Tempelhof wieder in Gang, der für rund 40 Jahre nun durch die Fluggesellschaften der Alliierten über die drei von Hamburg, Hannover und Frankfurt am Main ausgehenden Luftkorridore durchgeführt wurde. Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit zog der Tempelhofer Flughafen in den Jahren 1948 und 1949 auf sich, nachdem die Sowjetische Militäradministration am 24. Juni 1948 die Blockade über Berlin verhängt hatte. Auf Initiative des US-Militärgouverneurs Lucius D. Clay antworteten die Westalliierten auf diesen Schritt mit der »Luftbrücke«. Bis zum Oktober 1949 wurden mit über 227.000 Flügen rund 2,3 Millionen Tonnen Versorgungsgüter (Kohle, Lebensmittel, Medikamente, Zeitschriften und Rohstoffe) nach Berlin gebracht, davon 1,7 Millionen Tonnen über den Flughafen Tempelhof. Die übrigen Flüge wurden über den britischen Militärflugplatz Gatow sowie über die von der französischen Militärverwaltung angelegte neue Start- und Landebahn in Tegel abgewickelt.
    
    Im Juli 1951 konnte die wieder gegründete Berliner Flughafengesellschaft, die nun die Bodenorganisation des Flughafens übernahm, in behelfsmäßig hergerichteten Abfertigungsanlagen den Passagierverkehr wieder aufnehmen. Die ursprüngliche große Abfertigungshalle wurde nach Wiederherstellung erst im Juni 1962 eröffnet. Als im Dezember 1964 eine »Boeing 727« mehrere Probelandungen in Tempelhof absolvierte, war dies der erste Einsatz eines Düsenflugzeugs auf dem Flughafen, nicht unproblematisch wegen der nur wenig mehr als 2 km langen Start- und Landebahn. Der zunehmende Einsatz von Düsenflugzeugen, wie beispielsweise der französischen »Caravelle SE 210«, rückte den französischen Militärflugplatz Tegel in den Mittelpunkt weiterer Ausbaupläne. Er verfügte bereits über ausreichend lange Start- und Landebahnen und lag in einem weniger dicht bebauten Gebiet als Tempelhof. Daher wurde bis 1974 Tegel zum neuen zentralen Berliner Flughafen ausgebaut. Am 1. Juli 1975 wurde der gesamte zivile Luftverkehr von Tempelhof nach Tegel verlagert. Tempelhof blieb als Militärbasis der US Air Force weiter in Betrieb, außerdem wurde die Radarüberwachung des Berliner Luftraums weiterhin von der Kontrollstation in Tempelhof wahrgenommen.
    
    Anfang der 1980er Jahre zeichnete sich eine Renaissance des zivilen Luftverkehr in Tempelhof ab. Neu entstandene Lufttaxi-Unternehmen nutzten mit ihren kleinen Flugzeugen zunehmend wieder die Anlagen. Unter anderem buchte Nixdorf regelmäßig für ihre Mitarbeiter Flüge nach Paderborn, so dass ab 1. Oktober 1985 die Strecke Tempelhof - Paderborn regelmäßig im Liniendienst beflogen wurde. Nach dem Fall der Mauer nahmen neue Fluggesellschaften den Verkehr nach Berlin auf. Durch die Reaktivierung von Tempelhof als Regional- und Ergänzungsflughafen konnte der Flughafen Tegel entlastet werden, der zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen stieß. 1996 verzeichnete Tempelhof mit 718.000 Fluggästen wieder einen beachtlichen Flugverkehr, der allerdings die Verhältnisse zu Beginn der 1970er Jahre mit jährlich 5,5 Millionen Passagieren nicht annähernd erreichte.
    
    Bereits 1992 begann die Suche nach einem neuen Konzept für die Berliner Flughäfen Tempelhof, Tegel und Schönefeld, die 1996 in die Planungen für den Neubau eines Großflughafens Berlin Brandenburg International mündeten. Damit war das Schicksal von Tempelhof besiegelt. Ein im April 2008 durchgeführter Volksentscheid für die Weiterführung des Flughafenbetriebs konnte das erforderliche Quorum nicht erreichen. Mit dem 30. Oktober 2008 endete der Flugbetrieb in Tempelhof endgültig und die Umwidmungsplanungen für Gebäude und Gelände konnten aufgenommen werden.

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Quelle(n)/Text:
• Frank Schmitz, Flughafen Tempelhof. Berlins Tor zur Welt, Berlin 2007
• Jakob Straub (Hg.), Schatten der Macht - Architektur des Nationalsozialismus in Berlin, Berlin 2006
• Volker Rödel, Reclams Führer zu den Denkmalen der Industrie und Technik in Deutschland. Bd. 2. Neue Länder. Berlin, Stuttgart 1998
• Landesdenkmalamt Berlin, Denkmalliste Berlin (Stand: 16.04.2013), Nr. 09055092
• Gert von Klass, Weit spannt sich der Bogen. Die Geschichte der Bauunternehmung Dyckerhoff & Widmann KG, München 1955
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