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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Schluchsee-Werk
Adresse:
B 500 / An der Staumauer
 
Lage:
 
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Schluchsee-Staumauer bei Seebrugg
Foto(s) vom:
20.06.2016
 
© 2016 Norbert Gilson
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erbaut: 1929-51
Bauherren: Schluchseewerk AG
    
Als im Juli 1921 aus der bisherigen »Abteilung für Wasserkraft und Elektrizität« im badischen Innenministerium die Badische Landes-Elektrizitätsversorgungs-AG (Badenwerk) hervorging, war bereits klar, dass die im Nordschwarzwald bei Forbach im Bau befindlichen Wasserkraftwerke für eine künftige flächendeckende Stromversorgung von Baden nicht ausreichen würden. So wurde bereits damals der wasserreiche Südschwarzwald als möglicher Standort für weitere große Wasserkraftwerke in Aussicht genommen. Als gegen Ende der 1920er Jahre die Pläne konkret wurden, den Schluchsee und die südlich davon gelegenen Täler mit großem Gefälle zur Anlage von Stauseen zu nutzen, erhob sich in der Bevölkerung starker Protest. Dennoch votierte der Badische Landtag im September 1928 mit großer Mehrheit für das Schluchseewerk-Projekt, so dass am 15. Dezember 1928 die Schluchseewerk AG gemeinsam mit jeweils 50%-igem Anteil von der Badischen Landes-Elektrizitätsversorgungs-AG (Badenwerk) und der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk AG (RWE) mit Sitz in Freiburg gegründet werden konnte.
    
    Die Planungen sahen vor, den Schluchsee, einen keinen See eiszeitlichen Ursprungs, zum Speichersee auszubauen und sein natürliches Fassungsvermögen auf das 11-fache, 108 Mio. cbm, zu vergrößern. Im Mai 1929 begannen die Arbeiten am Schluchseewerk-Projekt mit der Errichtung der Staumauer bei Seebrugg in der damaligen Gemeinde Faulenfürst (1971 nach Schluchsee eingemeindet). Die Entscheidung war zugunsten einer Schwergewichtsmauer von 250 m Breite und 63 m Höhe gefallen, die mit einem Volumen aus 124.000 cbm Beton errichtet wurde und den Pegel des Schluchsees um 30 m erhöhte. Pro Jahr fließen dem Schluchsee-Staubecken durchschnittlich 91 Mio. cbm Wasser aus den umliegenden Tälern auf natürliche Weise zu. Bei Vollaufstau liegt die Seehöhe auf 930 m über dem Meeresspiegel. Mit 7,5 km Länge und im Schnitt 1,5 km Breite bedeckt der See eine Fläche von 513 ha. An der Staumauer ist er 61 m tief.
    
    Aufgrund der Weltwirtschaftskrise wurden die Arbeiten im Sommer 1931 zunächst „gestreckt″. Im Herbst 1932 war die Staumauer vollendet und das Werk konnte, offiziell am 26. November 1932, seinen Betrieb aufnehmen. Zur Ausnutzung des Gefälles zwischen dem Schluchsee und dem Rhein bei Waldshut von 930 m auf 300 m wurden zwischen 1931 und 1951 die Kraftwerke Häusern, Witznau und Waldshut (siehe bei -> »weiter«) errichtet. Beim Probebetrieb im Oktober 1951 kam es zu einem Schaden an einer Verteilrohrleitung, der die weiteren Montagearbeiten erheblich verzögerte, da alle Druckrohrleitungen überholt werden mussten. Auch die Lieferung der Turbinen- und Pumpensätze verzögerte sich. Im Dezember 1952 standen schließlich alle 12 Maschinensätze mit einer Leistung von insgesamt 524.000 kVA zur Verfügung und die drei Kraftwerksstufe liefen nun im Vollbetrieb.
    
    Die von den drei Kraftwerken erzeugte Energie wurde über 110-kV-Hochspannungsleitungen zum RWE-Umspannwerk Tiengen (siehe bei -> »weiter«) übertragen. Von dort wurde eine 220-kV-Freileitung (siehe bei -> »weiter«) zum Umspannwerk Herbertingen (siehe bei -> »weiter«) gebaut, um die Schluchsee-Kraftwerke an das im Aufbau begriffene 220-kV-Verbundnetz anzuschließen. Das Schluchseewerk diente zunächst ausschließlich dem Zweck, in Anpassung an die tageszeitlichen Bedarfsschwankungen Spitzenenergie zu erzeugen, die je nach Lastfall bis ins Rheinland geliefert wurde. Überschussstrom der anderen an das 220-kV-Netz des RWE angeschlossenen Kraftwerke, auch der rheinischen Braunkohlekraftwerke, diente als Pumpstrom für die Wiederauffüllung der Speicherbecken.
    
    Infolge der stark steigenden und weiterhin tageszeitlich schwankenden Stromnachfrage nahm die Schluchseewerk AG zu Beginn der 1960er Jahre den Bau weiterer Pumpspeicherkraftwerke, südwestlich der Schluchsee-Kraftwerke im Hotzenwald zwischen Wehra und Bad Säckingen gelegen, in Angriff. Die hier durch ausgedehnte Hochflächen ohne tiefere Taleinschnitte zur Anlage von Stauseen geprägte Landschaft erforderte ein neuartiges Konzept zum Bau der Kraftwerke. In das vorwiegend aus festem Granit und Gneis bestehende Gestein wurden riesige Hohlräume gesprengt, um zwei große Kavernenkraftwerke anzulegen. Als erstes ging 1967 das 1962 begonnene Kavernenkraftwerk Säckingen mit dem Eggbergbecken in Betrieb und 1976 folgte das Kavernenkraftwerk Wehr mit dem Hornberg- und dem Wehrabecken. Damit waren verfügte die Schluchseewerk AG über 1,8 GW Turbinenleistung und 1,6 GW Pumpenantriebsleistung.
    
    Seit 2008 ist eine nochmalige Erweiterung der Pumpspeicherkapazitäten durch Bau eines neuen 1.000-MW-Pumpspeicherkraftwerks in der Nähe der Gemeinde Atdorf („Hotzenwald-Gruppe II″) in Planung. Die Preisentwicklung auf dem Strommarkt führte dazu, dass die Weiterverfolgung des Projektes seit 2012 zunächst ins Stocken geriet. Das Planfeststellungsverfahren läuft jedoch und für Januar 2017 ist die öffentliche Erörterung vorgesehen.

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Quelle(n)/Text:
• Volker Rödel, Reclams Führer zu den Denkmalen der Industrie und Technik in Deutschland. Bd. 1. Alte Länder, Stuttgart 1992
• Rudolf Fettweis, Das Schluchseewerk; in: Elektrotechnische Zeitschrift 50(1929, Heft 8, S. 267-268
• Karl Erich Haeberle, Stuttgart und die Elektrizität. Geschichte der Stuttgarter Elektrizitäts-und Fernwärmeversorgung, Stuttgart 1983
• Thomas Herzig, Energiespeicherung im großen Stil. Die Pumpspeicherkraftwerke der Schluchseewerk AG; in: Hans-Joachim Braun (Hrsg.), Technische Netzwerke und Energiespeicher. Ausgewählte Vorträge der Jahrestagungen der Georg-Agricola-Gesellschaft 2012 in Berlin und 2013 in Mannheim. (Die Technikgeschichte als Vorbild moderner Technik, Bd. 36), Freiberg 2014, S. 107-130
• Aufnahme des Vollbetreibs der Schluchseekraftwerksgruppe; in: Energiewirtschaftliche Tagesfragen 2(1952/53), Heft 14, S. 226-227
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