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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Wasserkraftwerk Rheinfelden (neues Kraftwerk)
Adresse:
Untere Kanalstraße
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
10.06.2012
 
© 2012 Norbert Gilson
-:
    
erbaut: 2003-10
Betreiber: Energiedienst AG
    
Das von 2003 bis 2010 neu errichtete Wasserkraftwerk am Oberrhein entstand an einem historisch bedeutenden Kraftwerksstandort. Auf badischer Seite war hier 1898 die erste große Wasserkraftanlage Europas in Betrieb genommen worden. Nach Fertigstellung des Neubaus wurde die wenige hundert Meter stromabwärts gelegene, in ihrer historischen Bedeutung einmalige Anlage aus planungsrechtlichen Gründen um die Jahreswende 2010/11 abgerissen. Fotos des alten Kraftwerks findet man im Wikipedia-Eintrag (siehe -> »Link« unten).
    
    Im Unterschied zum alten Kraftwerksbau, der parallel zum Rhein positioniert war - Foto 3 zeigt im Zustand von Juni 2012 den ehemaligen Standort des Kraftwerks - wurde das neue Kraftwerk einschließlich Stauwehr quer zur Flussrichtung angelegt. Foto 1 zeigt das Stauwehr, das für den zur Stromgewinnung notwendigen Aufstau des Rheins sorgt und den Abfluss bei Hochwasser reguliert. Aus hydraulischen Gründen befindet sich das Maschinenhaus (Foto 2, rechts im Bild) am Schweizer Ufer. Aufgrund von Höherstau im Oberwasser und Wasserspiegelabsenkung im Unterwasser hat sich das nutzbare Gefälle auf maximal neun Meter erhöht. Vier leistungsstarke Rohrturbinen erbringen bei einem Gesamtdurchfluss von 1.500 Kubikmetern Wasser eine Leistung von rund 100 MW. Die Jahresstromproduktion liegt bei 600 Mio. kWh.
    
    Die konkreten Planungen zur Errichtung des alten Kraftwerks erhielten nach der erstmaligen erfolgreichen Demonstration der Drehstromfernübertragung auf der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt am Main 1891 (siehe bei -> »weiter«) entscheidenden Auftrieb. Im Hinblick auf eine in Rheinfelden geplante Aluminium-Hütte, die für das elektrolytische Gewinnungsverfahren enorme Mengen an elektrischer Energie benötigte, hatte ein Schweizer Unternehmenskonsortium bereits im März 1889 an die Regierungen des Kantons Aargau sowie des Großherzogtums Baden ein Konzessionsgesuch zum Bau eines großen Laufwasserkraftwerkes gerichtet. Dem Konsortium gehörten das Züricher Turbinenbau-Unternehmen Escher Wyss & Cie., die Maschinenfabrik Oerlikon als der führende Schweizer Elektromaschinenbauer sowie das Bauunternehmen Zschokke & Co. (Aarau) an. Zusammen mit der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) gründeten die Schweizer Firmen noch 1889 die Vorbereitungsgesellschaft für die Nutzbarmachung der Wasserkräfte des Rheins bei Rheinfelden. Im Dezember 1890 wurde sowohl von schweizerischer als auch von badischer Seite die Konzession erteilt. Probleme mit der Kapitalbeschaffung verzögerten allerdings einen baldigen Baubeginn. Erst nachdem sich 1894 die schweizerische Aluminium-lndustrie Aktien-Gesellschaft (AIAG) zur Abnahme von 100.000 PS auf 15 Jahre verpflichtet hatte, konnte die Finanzierungskrise gelöst werden. Die Vorbereitungsgesellschaft wurde im Oktober 1894 in Berlin in die Kraftübertragungswerke Rheinfelden AG (KWR) umgewandelt. Unter der Oberleitung des Aachener Professors für Wasserbau, Otto Intze, begannen im Sommer 1895 die wasserbautechnischen Arbeiten. Mitte 1898 konnte das Kraftwerk teilweise in Betrieb gehen, bevor es im Herbst 1899 vollständig fertig gestellt war. Die Montage der Generatoren wurde von Michael von Dolivo-Dobrowolski, dem Chefentwickler der AEG und »Erfinder« des Drehstroms, persönlich überwacht.
    
    Etwa 800 m oberhalb des Kraftwerkes lag das Wehr mit neun Schützenöffnungen und drei Grundablassöffnungen mit Pfeilern aus Beton und Bruchsteinmauerwerk, über denen ein eiserner Steg die beiden Rheinufer verband. Der gegen das Flussbett abgemauerte Oberwasserkanal endete am Maschinenhaus, das parallel zum Fluss lag. Das gewaltig dimensionierte Bauwerk mit einer Länge von 150 m, 10 m Breite und 24 m Höhe wurde aus Eisenbeton mit Kalksteinverblendung errichtet. Zur Stromseite hin wurde die Fassade der Generatorenhalle zentral durch einen sechsachsigen, das Traufgesims überragenden Risalit unterteilt. Von der Rückseite dieses Gebäudeteils gingen ursprünglich die Freileitungen ab. Unter der Generatorenhalle lag die 14,55 m hohe Turbinenanlage mit 20, durch zweiflüglige Drehtore verschließbaren Kammern.
    
    Die maschinelle Erstausrüstung bestand aus Francis-Turbinen mit zwei übereinanderliegenden Turbinensystemen mit stehenden Wellen von je 840 PS, wobei 9 Wellen mit 55 U/min und 11 mit 68 U/min liefen. Die Gesamtleistung des Kraftwerks betrug 12.000 kW. 10 Maschinensätze dienten der Erzeugung von Gleichstrom für die elektrochemische Industrie, die übrigen 10 lieferten Dreiphasen-Wechselstrom (Drehstrom) mit 50 Hz Netzfrequenz an Städte und Gemeinden beider Länder in einem Umkreis von rund 20 km um Rheinfelden. Ein großer Teil der Maschinensätze wurde in den 1920er, 1930er und 1970er Jahren durch modernere Aggregate ersetzt. Die ursprünglich in den Jahren 1897 und 1898 eingebauten Maschinen Nr. 10 und 13 blieben jedoch bis zur Stilllegung des Kraftwerks im Jahre 2010 in Betrieb.
    
    Zur Erinnerung an das alte Kraftwerk wurde der Maschinensatz 10 in einem eigens dafür errichteten Ausstellungspavillon (Foto 4 zeigt den Pavillon während des Baus) am Rheinufer in der Nähe des ehemaligen Kraftwerksstandortes aufgestellt.

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Quelle(n)/Text:
• Volker Rödel, Reclams Führer zu den Denkmalen der Industrie und Technik in Deutschland. Bd. 1. Alte Länder, Stuttgart 1992
• Gerhard Neidhöfer, Der Weg zur Normalfrequenz 50 Hz. Wie aus einem Wirrwarr von Periodenzahlen die Standardfrequenz 50 Hz hervorging; in: Bulletin des Schweizerischen Elektrotechnischen Vereins 99(2008), Heft 17
• Rainer Slotta, Technische Denkmäler in der Bundesrepublik Deutschland. Bd. 2. Elektrizitäts-, Gas- und Wasserversorgung, Entsorgung, Bochum 1977
Informationsstand:
 
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weiter:
Link:
Informationen über das alte Kraftwerk Rheinfelden
 
 
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