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Verkehrsraum Berlin (1) - Die Geschichte der S-Bahn
 
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S-Bahn-Logo am Berliner Nordbahnhof
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Die S-Bahn ist eine Berliner "Erfindung". Das Kürzel »S-Bahn« steht für »Stadtschnellbahn«. Dieser Begriff steht seit 1930 zusammenfassend für das Netz der Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen. 1930 begann in Berlin eine neue Epoche eines hochmodernen und leistungsfähigen Nahverkehrssystems, dessen Ursprünge fast 90 Jahre zurückreichten.
    
    Die Erschließung Brandenburgs und Berlins durch den Eisenbahnverkehr begann in den 1840er Jahren. Damals wurde Berlin durch mehrere Eisenbahnlinien mit den brandenburgisch-preußischen Städten verbunden. Die Bahnlinien endeten in Kopfbahnhöfen am damaligen Stadtrand, wie etwa am Anhalter, am Potsdamer oder am Stettiner Bahnhof. Die Geschlossenheit der städtischen Bebauung mit der noch vorhandenen Stadtmauer, in ihrer Funktion als "Akzisenmauer", ließ eine Führung von Eisenbahnstrecken durch die Stadt nicht zu. 1851 wurden die Kopfbahnhöfe durch eine parallel zur Akzisenmauer verlaufende »Verbindungsbahn« für Güter- und Militärtransporte verbunden. 1867 fiel die Entscheidung für den Bau einer staatlichen »Ringbahn«, deren östlicher Teil von Moabit über Gesundbrunnen, Stralau und Rixdorf (später: Neukölln) nach Schöneberg 1871 eröffnet wurde. 1877 wurde der Ring durch den westlichen Abschnitt von Tempelhof über Charlottenburg nach Moabit geschlossen. Die nach Plänen und unter der Gesamtleitung von Ernst Dircksen errichtete dampfbetriebe Ringbahn umfuhr die bebauten Flächen der Stadt weiträumig und diente noch nicht einer innerstädtischen Verkehrserschließung.
    
    Dies war dann seit 1882 mit Inbetriebnahme der Stadtbahn möglich, die viergleisig, auf gemauerten Viaduktbögen oder eisernen Brücken geführt, den Schlesischen Bahnhof mit Charlottenburg verband. 1896 wurden die Stadtbahngleise von Charlottenburg aus bis Grunewald und 1903 vom Schlesischen Bahnhof bis Lichtenberg-Friedrichsfelde verlängert. Die sich daraus ergebende Kreuzung der Ringbahn führte nun zu einer Verzahnung von Stadt- und Ringbahn. Bereits 1874 begann der Aufstieg eines weiteren Typus des Bahnbetriebs. Die damals von der Potsdam-Magdeburger Eisenbahn-Gesellschaft in Betrieb genommene »Wannseebahn« wurde zum Prototyp der "Vorortbahnen", die nun die Fernbahnen in ihrer Funktion als Verbindung zwischen der Kernstadt Berlin und ihren Vororten beerbten. Die Wannseebahn zweigte zunächst in Zehlendorf von der Fernbahnstreckenführung ab und führte auf separaten Gleisen über Zehlendorf-West, Schlachtensee, Nikolassee und Wannsee bis nach Neubabelsberg (heute: Griebnitzsee). 1891 wurde das selbständige Gleispaar von Zehlendorf auch bis nach Berlin verlegt. Damit war die erste Eisenbahnlinie fertig gestellt, die ausschließlich dem Berliner Vorortverkehr diente. In kurzen Abständen folgte die Einrichtung weiterer Vorortgleise.
    
    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden verschiedene Streckenabschnitte der dampfbetriebenen Bahn probeweise elektrifiziert, um Erkenntnisse über die zweckmäßigste Stromart und -zuführung zu gewinnen. Im April 1913 bewilligte der preußische Landtag die Mittel zur Vorbereitung des elektrischen Betriebs der Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen. Die Versuche wurden durch den Ersten Weltkrieg zunächst unterbrochen, zum Ende des Jahres 1919 dann wieder aufgenommen. Nach den umfangreichen Versuchen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen fiel im Frühjahr 1921 die endgültige Entscheidung für den künftigen elektrischen Betrieb der Bahnen. Sie hatten nun den Verkehr für eine Stadt mit vier Millionen Einwohnern zu bewältigen, die im Oktober 1920 durch den Zusammenschluss der Stadtbezirke sowie von 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken zu Groß-Berlin entstand. Die Elektrifizierung wurde mit einem 800 V-Gleichstromsystem vorgenommen, wobei die Stromzuführung über eine dritte Schiene neben den Gleisen erfolgte. Als erste elektrifizierte Strecke wurde am 8. August 1924 die Verbindung nach Bernau eingeweiht. Das Datum gilt als »Geburtsstunde« der Berliner S-Bahn. Ein Jahr später war die Vorortbahn nach Oranienburg durchgehend elektrifiziert und im März 1927 die Strecke bis Hennigsdorf und Velten. Im Juli 1926 hatte der Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft die weitgehend durchgehende Elektrifizierung der Stadt-, Ring- und Vorortbahn-Strecken beschlossen. Damit sollte die technische Rückständigkeit des Berliner Reichsbahn-Nahverkehrs aufgeholt werden. Verdichtung der Zugfolge, Verminderung der Betriebskosten und Beschleunigung der Personenbeförderung sollten die Verluste an die anderen Berliner Verkehrsträger - U-Bahn, Straßenbahn und Omnibus - auffangen.
    
 
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Nordbahnhof - S-Bahn-Station an der Strecke nach Oranienburg
 
© 2007 Norbert Gilson
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    Für die Stromversorgung der elektrifizierten Bahnen wurden entlang der Strecken zunächst sechs Unterwerke eingerichtet. Die ersten dieser Anlagen waren Umformerstationen, in denen über eine Kopplung aus Drehstrommotor und Gleichstromgenerator Drehstrom in den benötigten Gleichstrom umgewandelt wurde. Aufgrund des technischen Fortschritts wurden statt der Umformerstationen seit Mitte der 1920er Jahre Gleichrichterwerke erbaut. In ihnen übernahmen nun elektronische Quecksilberdampf-Großgleichrichter die Umwandlung von Dreh- in Gleichstrom. Mit dem Bau der ersten Anlagen wurde für die architektonischen Entwürfe Richard Brademann beauftragt, der im Hochbaudezernat der Berliner Reichsbahndirektion tätig war. Er wurde zum Architekten der Berliner S-Bahn und entwarf neben den Umformer- und Gleichrichterwerken auch mehrere Empfangsgebäude der S-Bahnhöfe sowie Stellwerke. Im Zuge der Elektrifizierung der Vorortbahn nach Erkner entstand 1927/28 beispielsweise das Gleichrichterwerk Rahnsdorf im damaligen Stadtbezirk Köpenick (siehe bei -> »mehr«).
    
    Insgesamt wurden für die Stromversorgung der Stadt-, Ring- und Vorortbahn vier Schaltstationen, drei davon kombiniert mit Gleichrichteranlagen, sieben Gleichrichterwerke sowie 31 Kleingleichrichterwerke (siehe -> »Link« unten) mit Fernbedienung eingerichtet. Ein Großteil der zur Elektrifizierung gehörenden Baumaßnahmen konnte in nur knapp 2 Jahren abgeschlossen werden. Die endgültige Umstellung der Strecken von Dampf- auf elektrischen Betrieb im Rahmen der »Großen Elektrifizierung« war im April 1929 abgeschlossen. Parallel dazu lief der Neubau weiterer S-Bahn-Strecken. Im Dezember 1929 wurde die größtenteils vom Siemens-Konzern finanzierte Stichstrecke Jungfernheide - Siemensstadt - Gartenfeld (siehe bei -> »mehr«) in Betrieb genommen. Mit den 1939 abgeschlossenen Bauarbeiten an der in Tunnellage geführten Nordsüd-S-Bahn, die zwischen Gesundbrunnen und Papestraße (heute: Südkreuz) unterirdisch die Innenstadt durchquert, war das elektrisch betriebene Streckennetz auf insgesamt 275 km angewachsen.

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Quelle(n)/Text:
• Volker Rödel, Reclams Führer zu den Denkmalen der Industrie und Technik in Deutschland. Bd. 2. Neue Länder. Berlin, Stuttgart 1998
• Susanne Dost, Richard Brademann (1884 - 1965). Architekt der Berliner S-Bahn, Berlin 2002
   
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Link:
Bauten der Berliner S-Bahn-Stromversorgung
 
 
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