Impressionen aus der Datenbank
User Online: 1 | Timeout: 09:07Uhr ⟳ | Kontakt | Impressum | Datenschutz | Home | Info | Startseite | Logout | AAA  Mobil →
Datensätze des Ergebnisses
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen
Anfang der Liste Ende der Liste
1. Historische Bauten / Objekte
zu Favoriten hinzufügen Anmerkung Db TechTour Merken
Bauwerk / Objekt:
Lokomotiv- und Maschinenfabrik A. Borsig
Adresse:
Berliner Straße 27
 
Lage:
 
Kleinbild
Kleinbild
Kleinbild
Kleinbild
Kleinbild
Kleinbild
Kleinbild
Kleinbild
Kleinbild
Kleinbild
Kleinbild
Kleinbild
Kleinbild
Kleinbild
Kleinbild
Foto(s) vom:
06.09.2008
 
© 2008 Norbert Gilson
-:
   
erbaut: 1896-98 / 1922-24
Architekten: Konrad Reimer, Friedrich Körte / Eugen Schmohl
    
Das heute noch in wenigen Teilen erhaltene Areal der Lokomotiv- und Maschinenfabrik A. Borsig entstand in Tegel kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert, rund 60 Jahre nach der Gründung der Firma. Diese geht bis ins Jahr 1837 zurück. Damals verließ August Borsig (1804-1854) die Berliner Maschinenbauanstalt von Franz Anton Egells, in der er neun Jahre lang als Faktor gearbeitet hatte, und gründete eine eigene Gießerei. Er hatte dazu ein Grundstück an der Berliner Chausseestraße (Ecke Torstraße) vor dem Oranienburger Tor erworben. Zunächst belieferte er die Berlin-Potsdamer Eisenbahn mit Schrauben und Schienenmaterial. Schnell erweiterte er die Gießerei um eine Maschinenbauanstalt und begann mit dem Bau von Dampfkesseln und Dampfmaschinen. 1841 wurde die erste Lokomotive gebaut, orientiert an den von der Berlin-Potsdamer Eisenbahn eingesetzten amerikanischen Modellen. Die Lokomotiv-Produktion expandierte explosionsartig. 1846 wurde bereits die 100. Lokomotive ausgeliefert und das Unternehmen beschäftigte rund 1.200 Personen.
    
    Da auf dem Grundstück an der Chausseestraße keine Erweiterung möglich war, ließ August Borsig auf einem Grundstück zwischen der Straße Alt-Moabit und der Spree, nördlich der Siegessäule, damals noch außerhalb des Stadtzentrums gelegen, ein neues Eisenwalzwerk errichten. Von hier aus wurde der Stammbetrieb seit 1849 mit Blechen sowie Profil- und Stabeisen beliefert. Nach dem Tod von August Borsig trat sein Sohn Albert (1829-1878) die Nachfolge an. Er ließ die Betriebsanlagen in Berlin ausbauen, unter anderem mit einem 1860 fertig gestellten Verwaltungsgebäude in der Chausseestraße. In den 1860er Jahren wurden unter seiner Regie in Oberschlesien ein Hütten- und ein Walzwerk neu errichtet. Um 1870 beschäftigte die Firma in Berlin etwa 3.500 und in Oberschlesien weitere 2.500 Personen. Da beim Tod von Albert Borsig seine drei Söhne Arnold (1867-1897), Ernst (1869-1933) und Conrad (1873-1945) noch minderjährig waren, übernahm zunächst ein Kuratorium aus leitenden Angestellten die Geschäftsleitung, bevor die drei Söhne 1894 in das Geschäft eintraten und damit die Familie wieder die alleinige Regie übernahm.
    
    Da sich die Verteilung der Produktion auf mehrere auseinander liegende Standorte als zunehmend aufwendig und unrentabel erwies, fiel die Entscheidung, das gesamte Unternehmen auf einem neuen Gelände nordwestlich von Berlin zu konzentrieren. Im Frühjahr 1896 begannen auf einem 22,3 ha großen Areal zwischen dem Ostufer des Tegeler Sees und der Berliner Straße die Bauarbeiten für die neuen Produktionsanlagen, die im Herbst 1898 den Betrieb aufnehmen konnten. Die beiden anderen Standorte an der Chausseestraße und in Alt-Moabit wurden stillgelegt, abgerissen und mit Mietshäusern bebaut. Den Schwerpunkt der Produktion bildete, nach vorübergehendem Einbruch während der "Großen Depression" der 1880er und frühen 1890er Jahre, wieder der Lokomotivbau. Außerdem lieferte die Firma Dampfmaschinen, Dampfkessel, Rohre für die verschiedensten Verwendungen (unter anderem auch für Rohrpostanlagen), Pumpen und Kälteanlagen.
    
    Von den damals errichteten Bauten sind, trotz starker Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, heute noch mehrere charakteristische Gebäudekomplexe erhalten. Das von Rundtürmen flankierte, an ein mittelalterliches Stadttor erinnernde Werkstor (Fotos 1 und 2) markiert historisierend mit dem Rückgriff auf das architektonische Formenrepertoire des Feudalzeitalters den gesellschaftlichen Machtanspruch des nun dem Adel ebenbürtigen Industriebürgertums. Für die Familie Borsig erfüllte sich dieser Anspruch schließlich durch die Erhebung von Ernst und Conrad Borsig in den erblichen Adelsstand im Jahre 1909. Der Torbogen diente ausschließlich repräsentativen Zwecken. Über das heute noch sichtbare Anschlussgleis links vom Werkstor verließen die fertigen Lokomotiven die Fabrik. Die Arbeiter und Angestellten betraten und verließen das Werk über eine in den 1950er Jahren abgerissene Eingangshalle rechts des Tors. In den Tornischen des Werkstors erkennt man links einen Schmied mit Vorschlaghammer und Greifzange, rechts einen Gießer mit Masselzange und Abstecheisen.
    
    Konrad Reimer und Friedrich Körte waren auch die Architekten des ebenfalls im Stil der mittelalterlichen Backsteingotik errichteten Verwaltungsgebäudes (Foto 3). Im Erdgeschoss des in der Fassade mit Treppengiebeln, Blendbögen und angesetzten Balkonen gestalteten repräsentativen Gebäudes waren die Zimmer der Direktoren und die kaufmännischen Büros untergebracht. Die beiden darüber liegenden Stockwerke beherbergten die Konstruktionsbüros und im Dachgeschoss befanden sich die Lichtpausanstalt und das Archiv zur Aufbewahrung der technischen Zeichnungen. Die oberste Firmenleitung residierte allerdings nicht in Tegel, sondern in einem repräsentativen Stützpunkt im Berliner Stadtzentrum, dem ebenfalls von Reimer und Körte errichteten »Zentralbüro« in der Chausseestraße 13 (siehe bei -> »weiter«).
    
    Von den ehemaligen Produktionsbauten sind unter anderem die Großmaschinenmontage und die Kesselschmiede an der heutigen Veitstraße erhalten. Die Straße war früher die »Hauptstraße« der Borsigwerke, über die die im Borsighafen am Tegeler See ankommenden Rohstoffe zunächst in die einzelnen Werkstätten zur Fertigung der Einzelteile und dann schließlich zur Endmontage rangiert wurden. Die Kesselschmiede bestand ursprünglich aus fünf Hallenschiffen, von denen die drei mittleren erhalten wurden und heute einen Teil des Einkaufszentrums »Hallen am Borsigturm« bilden (Foto 4). Die zinnenbewehrten Fassaden verdecken den Blick auf die dahinter liegenden Stahlkonstruktionen aus Gitterstützen und Dachbindern, die mit Hilfe der restaurierten Originalelemente fast vollständig rekonstruiert werden konnten. Im Westen schließen sich an die Kesselschmiede, durch das neu errichtete Multiplexkino getrennt, die beiden erhaltenen Hallen der Großmaschinenmontage an (Foto 5).
    
    Im Ersten Weltkrieg erhielt das Unternehmen umfangreiche Rüstungsaufträge, so dass neue Produktionshallen entstanden, wie unter anderem die zwischen 1914 und 1916 errichtete Geschosszieherei (Foto 6). Der Baustil hebt sich deutlich von dem der 20 Jahre zuvor entstandenen Gebäude ab. Verzierungen wie Zinnen und Blendbögen fehlen nun vollständig, stattdessen bestimmt die Sichtbarkeit der Stahlfachwerkkonstruktion das Erscheinungsbild der Halle. Ebenso charakteristisch sind die großen Glasflächen an den Stirn- und Seitenwänden.
    Kurz vor Kriegsende lieferte die Lokomotivfabrik die 10.000-te Lokomotive aus. Im Unterschied zu den meisten anderen Industriebetrieben erlebte die Firma nach Kriegsende einen unverhofften Boom. Sie konnte sich den größten Teil der Aufträge zum Bau von 5.000 Lokomotiven sichern, die das Deutsche Reich als Reparationsleistung an die Siegermächte abliefern musste. 1920 setzte daher eine neue Ausbauphase der Werksanlagen ein. Sichtbarer Ausdruck der Prosperität der Firma wurde das neue, zwölfstöckige Bürogebäude, zu dem im September 1922 der Grundstein gelegt wurde (Fotos 7 bis 9). Das nach Plänen von Eugen Schmohl errichtete, 65 m hohe Gebäude besitzt im Innern eine Stahlskelettkonstruktion, während die Außenwand als selbsttragende Backsteinfassade gestaltet ist. Bei seiner Fertigstellung im Frühjahr 1924 war das in expressionistischen Formen gestaltete Verwaltungsgebäude das erste Hochhaus von Berlin.
    
    Gleichzeitig mit dem Borsigturm entstand, ebenfalls nach Plänen von Eugen Schmohl, ein Neubau für das Lohnbüro und die Betriebskrankenkasse. Die in Anklängen an die Renaissance-Architektur gestaltete Fassade steht in einem gewissen Kontrast zum Eingangsportal (Foto 10), das eher einen Bezug zur spätgotischen Sakralarchitektur aufweist. Weitere auf dem ehemaligen Borsiggelände noch erhaltene Hallenbauten stammen vermutlich aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg (Fotos 11 bis 12) bzw. von 1935, wie die große Werkhalle in Stahlfachwerkkonstruktion (Fotos 13 bis 14). Andere Hallen wurden inzwischen umgestaltet, wie die in der Giebelfront veränderte Halle auf Foto 15.
    
    Die nach Erfülllung der Reparationslieferungen 1924 zusammenbrechende Nachfrage nach Lokomotiven brachte das Unternehmen in ernsthafte Schwierigkeiten, die auch durch Produktinnovationen nicht gemeistert werden konnten. Trotz Verkaufs des gesamten Lokomotivbaus an die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) musste das immer noch in Familienbesitz befindliche Unternehmen 1931 Konkurs anmelden. Nach Übernahme durch die Rheinische Metallwaaren- und Maschinenfabrik AG gingen die Produktionsanlagen 1933 wieder in Betrieb. Drei Jahre später entstand aus der Fusion der beiden Unternehmen die Rheinmetall-Borsig AG, die mit der Produktionsaufnahme von Maschinengewehren und Schnellfeuergeschützen nun zu einer wichtigen Stütze der Kriegsproduktion wurde. Während des Krieges bestand die Belegschaft zu einem Großteil aus dienstverpflichteten deutschen Frauen und ausländischen Zwangsarbeitern. Nach erheblichen Kriegszerstörungen wurden die Einrichtungen nach Kriegsende zum großen Teil demontiert, der mit den verbliebenen Resten notdürftig wieder instandgesetzte Betrieb auf Anordnung der französischen Militärverwaltung 1947 stillgelegt.
    1950 entstand die Borsig AG als Tochter der Rheinmetall AG neu und wurde 1956 von der bundeseigenen Salzgitter AG übernommen. 1968 erfolgten Ausgliederung des Rohr- und Walzwerks-Betriebs und Verkauf an die Thyssen-Bandstahl GmbH, während der Rest von der Deutschen Babcock AG übernommen wurde. Infolge der Insolvenz des in Oberhausen ansässigen Mutterkonzerns, der Babcock-Borsig AG, im Juli 2002 kam am 15. September 2002 auch das "Aus" für die Tegeler Borsig GmbH.
    
    Bereits Mitte der 1990er Jahre war von einer Projektentwicklungsgesellschaft die Umgestaltung des bereits in den 1980er Jahren aufgegeben Großteils der ehemaligen Produktionsanlagen der Borsig-Werke in Angriff genommen worden. In dem unter der Leitung der Architekten Claude Vasconi und Dagmar Groß neu entstehenden Areal aus sanierten denkmalgeschützten sowie neu errichteten Bauten siedelten sich inzwischen Einrichtungen aus den Bereichen Produktion, Dienstleistung, Einzelhandel und Freizeitgestaltung an.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Quelle(n)/Text:
• Arnulf Siebeneicker (Text), hrsg. vom Museumspädagogischen Dienst Berlin, Borsig und Borsigwalde. (Technikgeschichtliche Spaziergänge durch Berliner Stadtteile und Museen, Bd. 2), Berlin 1998
• Volker Rödel, Reclams Führer zu den Denkmalen der Industrie und Technik in Deutschland. Bd. 2. Neue Länder. Berlin, Stuttgart 1998
• Helmut Lindner / Jörg Schmalfuß, 150 Jahre Borsig Berlin-Tegel, Berlin 1987
Informationsstand:
 
____________________________________________________________________________________________________
    
weiter:
 
____________________________________________________________________________________________________
    
Schlagworte:
Stichwörter:
Land/Kreis/Ort:
Adresse:


Anfang der Liste Ende der Liste
Permalink zu diesem Treffer
X Permalink öffnen