Impressionen aus der Datenbank
User Online: 1 | Timeout: 19:16Uhr ⟳ | Kontakt | Impressum | Datenschutz | Home | Info | Startseite | Logout | AAA  Mobil →
Datensätze des Ergebnisses
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen
Anfang der Liste Ende der Liste
1. Historische Bauten / Objekte
zu Favoriten hinzufügen Anmerkung Db TechTour Merken
Bauwerk / Objekt:
Hochspannungsleitung (220 kV) / RWE-»Südleitung«
 
 
 
 
 
 
Lage:
 
 
 
Kleinbild
 
Trasse der Südleitung (C1-Masten) zwischen Kelsterbach und Rheinau bei Bensheim (Hessen)
Foto(s) vom:
30.07.2012
-:
    
erbaut: 1924 - 1930
    
Eine der bedeutendsten Leitungsverbindungen für die Fernübertragung elektrischer Energie ist die Hochspannungsleitung, die in den 1920er Jahren von der Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG (RWE) zwischen den Umspannwerken Brauweiler (in der Nähe von Köln) und Bürs (bei Bludenz) in Vorarlberg errichtet wurde. Die rund 800 km lange, mit 220 kV betriebene Leitung stellte eine Verbindung zwischen den rheinischen Braunkohlekraftwerken des RWE und den Wasserkraftwerken in Süddeutschland und Vorarlberg her.
    Nicht nur in technischer Hinsicht wurde mit dem Bau der Leitung Neuland betreten. Auch für die noch junge Elektrizitätswirtschaft setzte die Leitung Maßstäbe. Erstmals wurde die auf die Fernübertragung großer Energiemengen gegründete Idee einer Verbundwirtschaft im großen Stil in die Tat umgesetzt. Braunkohle-, Steinkohle-, Laufwasser- und Speicherwasser-Kraftwerke ließen sich nun entsprechend den tages- und jahrszeitlich bedingten Nachfrageschwankungen so in die Erzeugung einplanen, dass jeweils die Kraftwerke mit den günstigsten Kostenstrukturen die Nachfrage decken konnten.
    
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    

Das RWE hatte bereits während des Ersten Weltkrieges damit begonnen, seine beiden Kraftwerke Reisholz (heute Düsseldorf) und Goldenbergwerk (in Hürth-Knapsack) mit 110 kV-Leitungen untereinander und mit der Aluminiumhütte des Erftwerks (bei Grevenbroich) zu kuppeln. Bis Ende 1924 erreichte das 110 kV-Netz des RWE eine Länge von mehr als 520 km. Über dieses Leitungsnetz wurden 70% der von den Kraftwerken des RWE erzeugten Energie zu den Verbrauchern transportiert. Ähnliche 110 kV-Netze - häufig als »Landessammelschienen« bezeichnet, entstanden zu Beginn der 1920er Jahre auch in anderen Teilen Deutschlands.
    
    Das RWE gelangte in den Besitz einer Reihe von Beteiligungen an Elektrizitätsversorgungsunternehmen in Süd- und Südwestdeutschland, als es 1923 von der Züricher Finanzierungsgesellschaft Elektrowatt, der früheren Bank für elektrische Unternehmungen, die Aktienmehrheit der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. W. Lahmeyer & Co. (EAG) erwarb. Möglicherweise war die Idee zum Bau der Leitung nach Vorarlberg zu diesem Zeitpunkt bereits gereift und der Aktienerwerb war der wichtigste Schritt zur Realisierung des Plans. Denn bereits 1922 war eine vertragliche Vereinbarung zwischen dem Land Vorarlberg und der schweizerischen Bündner Kraftwerke AG geschlossen worden, die das Schweizer Unternehmen zur Nutzung der Wasserkräfte in Vorarlberg berechtigte. Durch den Erwerb des Lahmeyer-Aktienpakets gelangte das RWE auch in den Besitz von Anteilen der Großkraftwerk Württemberg AG, an die die Bündner Kraftwerke AG 1924 ihre Nutzungsrechte an der Vorarlberger Wasserkraft übertrug. Im gleichen Jahr wurde die Vorarlberger Illwerke GmbH gegründet, an der die Großkraftwerk Württemberg AG (Growag), der Bezirksverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke, der Staat Württemberg, das Land Vorarlberg sowie die Württembergische Sammelschienen AG (Wüsag) beteiligt waren.
    Somit besaß das RWE nun über die neuen Tochtergesellschaften nicht nur das Recht zur Nutzung der Wasserkräfte in Vorarlberg. Es war nun auch möglich, vom eigenen Versorgungsgebiet aus, das damals südlich von Koblenz endete, eine Leitungstrasse durch größtenteils nunmehr »befreundete« Gebiete bis nach Vorarlberg zu legen. Zu diesen Gebieten gehörten unter anderem die Versorgungsgebiete der in Höchst ansässigen Main-Kraftwerke AG (MKW), der Hessischen Elektrizitäts AG (HEAG), an der bereits seit 1912 eine Beteiligung bestand, sowie der Württembergischen Unternehmen Growag und Wüsag.
    
 
Kleinbild
Kleinbild
 
Umspannwerk Rheinau
Foto(s) vom:
09.09.2013
-:
    
1924 begann der Bau der »Südleitung«. Der erste Abschnitt führte damals vom Goldenbergwerk aus - die Verbindung von dort zur neuen Hauptschaltleitung in Brauweiler wurde erst 1928 eingerichtet - bis zum Umspannwerk in Koblenz. Von hier aus zweigte eine 220 kV- und eine 110 kV-Leitung zu den beiden Trierer Kraftwerken und zum Kraftwerk Mettlach der Saarkraftwerke GmbH ab.
    
    Hinter Koblenz kreuzte die Leitung den Main und führte durch das Gebiet der MKW und der HEAG bis zum nächsten 220 kV-Umspannwerk in Kelsterbach südlich von Frankfurt am Main. Dieses Umspannwerk wurde am Ende der 1920er Jahre zu einem bedeutenden Knotenpunkt des entstehenden Elektrizitätsverbundsystems. Von hier aus bestanden Verbindungen zum Kraftwerk der MKW in Höchst sowie nach Dettingen am Main (heute Kreis Aschaffenburg). 1928 erwarb das RWE die Kuxenmehrheit der Gewerkschaft Gustav, die in Dettingen eine Braunkohlengrube mit Brikettfabrik und Kraftwerk betrieb. Über diese Leitungsverbindung erfolgte im Umspannwerk Aschaffenburg eine Kupplung mit den Netzen der Bayernwerk AG und der Preußischen Elektrizitäts-AG (Preußenelektra). Im Zuge des Ausbaus des Frankfurter Flughafens musste das Umspannwerk Kelsterbach kurz nach 2000 verlegt werden, wobei die historische Anlage verschwand.
    Von Kelsterbach aus führte die Leitung weiter ins Gebiet der Badenwerk AG bis zum Umspannwerk Rheinau bei Mannheim (siehe bei -> »weiter«).
    
 
Kleinbild
 
Die »Südleitung« (im Vordergrund ein C2-Mast) nördlich von Hoheneck
Foto(s) vom:
17.09.2012
 
© 2012/13 Norbert Gilson
-:
    
1927 wurde die Leitung von Rheinau aus weiter gebaut in Richtung Südosten. Sie führte auf württembergisches Gebiet bis zur nächsten 220 kV-Schaltstation in Hoheneck (heute zu Ludwigsburg gehörig). Hier fand der Stromaustausch mit der zum RWE-Konzern gehörenden Großkraftwerk Württemberg AG statt. Außerdem speiste die Neckar AG in Hoheneck die Energie ein, die in ihren seit 1922 im Ausbau befindlichen Laufwasserkraftwerken des Neckars erzeugt wurde.
    
    Rund 125 km südlich von Hoheneck liegt Herbertingen, Standort des nächsten Umspannwerks (siehe bei -> »weiter«). Von Herbertingen aus gab es Leitungsverbindungen zu dem im Ausbau befindlichen Kraftwerk Häusern (siehe bei -> »weiter«) der Schluchseewerk AG und zum Kraftwerk Albbruck-Dogern (siehe bei -> »weiter«) am Oberrhein.
    
    Endpunkt der Leitung war das Umspannwerk Bürs bei Bludenz, wo die Energie aus dem neuen großen Speicherwasserkraftwerk, dem Vermuntwerk, eingespeist wurde. Mit den Bauarbeiten an diesem Kraftwerk war 1926 begonnen worden. Mit der Inbetriebnahme der »Südleitung« in voller Länge zwischen der Schaltanlage Brauweiler und dem Umspannwerk Bürs am 17. April 1930 war zugleich ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Integration der Netze und Kraftwerke der großen Elektrizitätsversorger zu einem dauerhaften Parallelbetrieb aller angeschlossenen Erzeugungsmaschinen getan. Die Realisierung des Verbundsystems war ein gutes Stück vorangeschritten.
    
    Die Überwachung der »Südleitung« übernahm die neue Hauptschaltleitung des RWE in Brauweiler, die 1928 ihren Betrieb aufgenommen hatte. Ihr oblag fortan die Betriebsführung des Hochspannungsnetzes des RWE sowie die Regelung des Einsatzes und der Funktionen der einzelnen Kraftwerke. Für das RWE selbst bot sich nach Inbetriebnahme der Leitung, wie RWE-Vorstandsmitglied Arthur Koepchen 1930 in einem Vortrag ausführte, die Möglichkeit zur wirtschaftlichen Optimierung der Elektrizitätserzeugung. Durch den Verbund zwischen Wärme- und Wasserkraftwerken könnten „die Laufwasserkräfte voll ausgenutzt und dann die Wärmekraftwerke nach ihrer Wertigkeit mit vierundzwanzigstündig gleichbleibender Last betrieben [werden], während die Belastungsspitzen grundsätzlich nicht durch die dafür weniger geeigneten Wärmekraftwerke, sondern durch die schnell und ohne Verluste einsetzbaren Wasserkraftspeicher- und Pumpspeicherwerke gedeckt" würden.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Quelle(n)/Text:
• Arthur Koepchen, Das RWE in der deutschen Elektrizitätswirtschaft. (Vortrag, gehalten im Haus der Technik in Essen am 28.März 1930), Essen 1930
• Theo Horstmann / Klaus Kleinekorte (Hrsg.), Strom für Europa. 75 Jahre RWE-Hauptschaltleitung Brauweiler 1928 - 2003, 2. Aufl., Essen 2003
Informationsstand:
 
____________________________________________________________________________________________________
    
weiter:
 
 
 
 
____________________________________________________________________________________________________
    
Schlagworte:
Stichwörter:
Land/Kreis/Ort:


Anfang der Liste Ende der Liste
Permalink zu diesem Treffer
X Permalink öffnen