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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Auergesellschaft AG
Adresse:
Friedrich-Krause-Ufer 24 - 25
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
26.11.2013
 
© 2013 Norbert Gilson
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erbaut: 1937-38
Architekten: Egon Eiermann
    
Die Auergesellschaft AG ging im Februar 1938 aus der Deutschen Gasglühlicht-Auer-Gesellschaft mbH (Degea) (siehe bei -> »mehr«) hervor. Als sich Mitte der 1930er Jahre die Verlagerung des Firmensitzes der Degea aus den Räumen ihres ehemaligen, 1920 von der Osram GmbH übernommenen Firmensitzes in Friedrichshain abzeichnete, wurde auf dem neu erworbenen Industriegrundstück am Friedrich-Krause-Ufer zunächst ein dort (an der Ecke Torfstraße) vorhandenes Fabrikgebäude zu einem repräsentativen Firmensitz umgebaut (Foto 1). Gleichzeitig erhielt Egon Eiermann den Auftrag, einen Neubau für Fabrikationsräume, Büros und Laboratorien zu errichten.
    
    Egon Eiermann entwarf mit den winkelförmigen, im funktionlistischen Stil der Bauhaus-Moderne gestalteten Gebäude seinen ersten größeren Industriebau. Der für die Umgestaltung Berlins zuständige »Generalbauinspektor« Albert Speer lehnte den Entwurf ab. Der Bau wurde dennoch ausgeführt, allerdings nur unter der Auflage, das Gebäude nach 1942 gegebenenfalls wieder abzureißen, um für den bis zu dieser Stelle reichenden riesigen neuen Nordbahnhof Platz zu machen.
    Der kubische, mit Flachdach versehene, klinkerverblendete Stahlbetonskelettbau zeigt vollkommen flächige Fassaden mit bündig eingesetzten, weiß gerahmten Fenstern. Die beiden Treppenhäuser sind vollständig verglast. Die Lüftungsschächte aus Sichtbeton, die über dem Flachdach aufragen, und ihre auskragenden Abdeckungen verleihen dem Gebäude einen besonderen Akzent. Das mit dem Verwaltungstrakt gleichzeitig errichtete Kesselhaus mit Kohlenbunker und Schornstein ist nicht mehr vorhanden.
    Das Gebäude wurde 1987 grundlegend saniert und beherbergt heute die Ausländerbehörde von Berlin. Vor 2004 wurde an den Altbau ein Neubauflügel angesetzt.
    
    Ein wichtiger Produktionszweig des Unternehmens waren weiterhin Herstellung und Vertrieb der durch Patente, Gebrauchsmuster und Warenzeichen geschützten Glühkörper für die Gasbeleuchtung. Darüber hinaus waren Atemschutzgeräte, Gasmasken, Sauerstoffschutzgeräte, Materialien für die Beleuchtungs- und Heizungs-Industrie, technische und chemische Erzeugnisse aller Art sowie pharmazeutische Produkte, unter anderem Zahnpasta des Markennamens »DORAMAD«, im Produktionsprogramm vertreten.
    Zu einem Erfolgsprodukt der Firma wurde das neu entwickelte Neophanglas, das man erhält, wenn einer Glasschmelze Neodym-Salze zugefügt werden. Neophanglas zeichnet sich durch besondere optische Absorptionseigenschaften aus und eignete sich hervorragend für optische Filter. Die Wehrmacht setzte Neophanfilter in größerem Umfang in optischen Geräten ein.
    Aus der Glühkörperherstellung entwickelten sich weitere Absatzgebiete. Als Ausgangsmaterialien für die Produktion von Glühkörpern verfügte die Auergesellschaft unter anderem über größere Bestände an Thorium- und Ceriumoxyd. Die in diesen Verbindungen enthaltenen Metalle wurden zunehmend für andere Zwecke benötigt. So fand Thorium beispielsweise als Katalysator bei der Fischer-Tropsch-Synthese für flüssige Brennstoffe Verwendung. So wurden die nach diesem Verfahren arbeitenden Hydrierwerke Großkunden der Auergesellschaft.
    Die Beschäftigung mit den radioaktiven Eigenschaften von Thorium brachte die Wissenschaftliche Hauptabteilung der Auergesellschaft dazu, sich mit der Kernforschung, insbesondere der Isotopentrennung, zu befassen. Unter ihrem Forschungsleiter Nikolaus Riehl, einem Schüler von Otto Hahn, arbeitete eine kleine Zahl von Physikern des Unternehmens - unter ihnen Paul Max Wolf, Hans-Joachim Born und Philipp Hoernes - im Auftrag des Heereswaffenamtes an der Herstellung von hochreinem Uranoxid für das streng geheime Atomwaffenprogramm Hitlers. Das Ausgangsmaterial dafü kam zunächst aus Südamerika und nach der Besetzung des Sudetenlandes aus den dortigen Uranminen. Schließlich wurden größere Mengen des französischen Unternehmens Joliot beschlagnahmt und nach Oranienburg verbracht.
   
    In Oranienburg befanden sich seit 1926 die Produktionsanlagen des Unternehmens. Nachdem diese bereits zwischen 1935 und 1938 erheblich erweitert worden waren, führte der erhöhte Kriegsbedarf an Gasmasken, Höhenatemgeräten für die Luftwaffe sowie von Belüftungs- und Gasfilteranlagen für Luftschutzbunker zu einem erneuten Ausbau. Die Beschätigtenzahl stieg von 3.000 im Jahre 1939 bis auf mehr als 14.000 Anfang 1945. Am 15. März 1945 wurden die Oranienburger Werksanlagen durch einen allierten Großangriff mit mehr als 1.000 Spreng- und Brandbomben vollständig zerstört, nur einen Monat vor der Besetzung des Werks durch die Rote Armee.
    
    Die Leitung der Auergesellschaft nahm nach dem Krieg ein von der Britischen Militärregierung eingesetzter Treuhänder wahr. Die Produktion lief zunächst mit der Herstellung von Gebrauchsgegenständen für den Alltag sowie von Materialien für Röntgenuntersuchungen wieder an. Mit dem Wiederaufbau der zerstörten Gas-Beleuchtungen in den Städten wuchs auch die Nachfrage nach Glühkörpern, deren Herstellung die Firma ihren Wiederaufschwung verdankte. Auch Sauerstoffgeräte, Atemschutzmasken und Pressluftspeicher wurden wieder hergestellt, jetzt vor allem für Grubenfeuerwehren. Die Ausrüstungen wurden auch an den Zivilen Luftschutz und den Bundesgrenzschutz geliefert. Als 1956 auch Bestellungen von der neu gegründeten Bundeswehr eingingen, richtete die Auergesellschaft in den Gebäuden eines früheren Lieferanten in Schwäbisch Gmünd ein neues Werk ein, da die Herstellung von Produkten für militärische Dienststellen nach dem Viermächte-Abkommen in Berlin verboten war.
    
    Im Zuge der Wiedergutmachungsverfahren meldeten die Erben von Leopold Koppel ihre Ansprüche bei der DEGUSSA an. Die Übernahme der Aktien im Jahre war als eine frühe Form der »Arisierung« anzusehen. Das mehr als zweijährige Verfahren endete in einem Vergleich. 1958 verkaufte die DEGUSSA ihren Aktienbesitz an der Auergesellschaft an die in Pittsburgh ansässige Mine Safety Appliances Company (MSA), die heute zu den Ausrüstern von Atemschutzgeräten, Gaswarngeräten und anderen Schutzeinrichtungen für Feuerwehren zählt.
    
    1978 verlegte die seit 1960 wieder als GmbH fungierende Auergesellschaft GmbH ihren Firmenssitz vom Friedrich-Krause-Ufer nach Neukölln. Nachdem sie von 2000 bis 2009 noch unter dem Namen MSA Auer GmbH firmiert hatte, legte die Muttergesellschaft im Oktober 2009 weltweit für ihre Tochtergesellschaften den Markennamen MSA - The Safety Company fest und strich damit den traditionellen Namen »Auer« aus der Firmenbezeichnung.

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Quelle(n)/Text:
• Erich Schmidt / Erich A. Kube (Bearb.), Geschichte der Auergesellschaft von der Gründung im Jahre 1892 bis zum Jahre 1958. Als Manuskript gedruckt, o.O. 1958
• Matthias Donath, Architektur in Berlin 1933 - 1945. Ein Stadtführer, Berlin 2004
• Sonja Hildebrand, Egon Eiermann. Die Berliner Zeit. Das architektonische Gesamtwerk bis 1945, Braunschweig / Wiesbaden 1999
• Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Denkmaldatenbank, Eintrag 09050292
    
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Zusammenstellung von Informationen zur Auergesellschaft und ihrer Vorgänger
 
 
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