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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
C. Lorenz AG
Adresse:
Lorenzweg 5
 
Volkmarstraße 16 - 24 / Colditzstraße 34 - 36
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
12.10.2008
 
© 2008 Norbert Gilson
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erbaut: 1916-18 / (Erweiterungen 1934-43)
Planung / Entwurf: Georg Schlesinger
Bauausführung: Held & Francke, Steffens & Nölle
Architekt: Karl Stodieck
    
Die C. Lorenz AG war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eins der weltweit führenden Unternehmen der Funk- und Fernmeldetechnik und der Nachrichtengeräte-Industrie. Nachdem bereits 1930 die Standard Elektrizitäts-Gesellschaft (SEG), eine Tochtergesellschaft der amerikanischen International Telephone and Telegraph Corporation (ITT) die Aktienmehrheit des Unternehmens erworben hatte, erfolgte 1958 die Fusion der Unternehmen zur Standard Elektrik Lorenz AG (SEL). Ende der 1980er Jahre gingen wesentliche Teile der SEL an die von der französischen Compagnie Générale d'Electricité neu gegründete Tochtergesellschaft Alcatel über. Das Unternehmen führte seit 1993 den Namen Alcatel SEL. Mit der Fusion zu Alcatel-Lucent Ende 2006 verschwand der Name »Lorenz« endgültig aus der Firmenbezeichnung.
    
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Das Unternehmen war 1880 von dem Mechaniker Carl Lorenz (1844-1889) in Berlin als Telegraphenbauanstalt, Fabrik für elektrisches Licht, elektrische Eisenbahnen, Kunst und Industrie gegründet worden. Nach dem Tode des Gründers erwarb der Textilkaufmann Robert Held das Unternehmen, in dem zu dieser Zeit 30 Mitarbeiter beschäftigt waren. Held stärkte den Schwerpunkt der Unternehmenstätigkeit auf den Gebieten von Telegrafie und Telefonie. Zu dieser Zeit war die Fabrikation von Morseapparaten der wichtigste Arbeitszweig der Firma. Als das Unternehmen 1906 - jetzt mit mehreren hundert Mann Belegschaft - in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, war kurz zuvor die Entscheidung gefallen, sich auch auf dem Gebiet der Funktelegrafie zu betätigen. Seit 1908 wurden von der Abteilung »Drahtlose Telegraphie« unter anderem Marine und Heer mit drahtlosen Sendeanlagen beliefert.
    
    Die seit 1898 unter anderem am Maybachufer konzentrierten Fabrikationsräume boten schon vor Beginn des Ersten Weltkriegs kaum noch Erweiterungsspielräume. Mit der Produktionsausdehnung auf Kriegsmaterial (Geschossteile und Zünder) wurde eine Erweiterung unabdingbar und es fiel die Entscheidung, am Tempelhofer Hafen eine neue Produktionsstätte zu errichten.
    Die von Georg Schlesinger, Inhaber des Lehrstuhls für Werkzeugmaschinen an der TH Charlottenburg und Begründer der Betriebswissenschaften, geplante und von Karl Stodieck entworfene imposante, aus fünf Trakten mit zwei Innenhöfen bestehende, fünfgeschossige Fabrikanlage wurde als Stahlbeton-Skelettkonstruktion ausgeführt. Die Fassaden spiegeln noch heute ein klares Rastersystem aus Pfeilern, schmalen Brüstungen und großen Fensteröffnungen wieder. Überwölbt wird der Bau durch ein weit auskragendes Walmdach. Während die Gebäudeteile nach außen hin mit roten Backsteinen verblendet wurden, ist das Erscheinungsbild der Innenhöfe durch helle Klinker geprägt, von denen sich die mit rotbraunen Klinkern gefassten Sockel- und Eingangsportale absetzen. In einem dreiseitig gebrochenen Erker, der in die Hauptdurchfahrt zum südlichen Innenhof hineinragt (Foto 5), saß der Pförtner. Gleichzeitig entstand, südöstlich von diesem Bau gelegen, ein später als »Halle 6« bezeichneter Hallenbau. Im Anschluss an diese Gebäude kamen seit 1934 mehrere Neubauten hinzu: der so genannte »alte Hahnemannbau« (benannt nach dem damaligen Generaldirektor Walter Hahnemann), ein Bürohaus 1935, eine zusätzliche Halle mit Erweiterungsbau 1936 und 1938, der »neue Hahnemannbau« 1937 sowie schließlich ein Bunker von 1.800 qm Grundfläche im Jahre 1943.
    
    Während die Schwerpunkte der Produktion in den ersten 25 Jahren bei Telefon-, Telegrafen- und Fernschreibapparaten, im Eisenbahn-Signalwesen sowie bei Feuermeldeanlagen und Rohrposteinrichtungen gelegen hatten, verschoben sich diese seit 1906 mehr und mehr auf das Gebiet der Funktechnik. Auslöser dieser Entwicklung war unter anderem der Wunsch verschiedener deutscher Behörden, insbesondere der Reichspostverwaltung, eine Konkurrenz für das damals einzige deutsche Unternehmen auf dem Gebiet der drahtlosen Telegraphie, die Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH, System Telefunken, zu schaffen. Im Unterschied zu dem von Telefunken übernommenen und weiter entwickelten Wien'schen Löschfunkensender erwarb Lorenz 1906 die von dem dänischen Physiker Valdemar Poulsen gehaltenen Patente seiner Version des Lichtbogensenders. 1908 erwarb Lorenz zudem von Rudolf Goldschmidt die Patente seines Maschinensenders. Diese Hochfrequenzmaschine arbeitete mit einem mechanisch angetriebenen Frequenzwandler, durch den die Anfangsfrequenz bis zu einem Wert von rund 15 kHz (begrenzt durch die Tourenzahl der Maschine) vervielfacht werden konnte. Der bei Lorenz verbesserte Maschinensender kam erstmals in der Großfunkstation Eilvese (heute Stadtteil von Neustadt am Rübenberge bei Hannover) zum Einsatz. Anlässlich der Inbetriebnahme am 27. Januar 1914 sandte Kaiser Wilhelm II. dem amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson von hier aus ein Telegramm.
    
    Nach dem Ersten Weltkrieg war Lorenz zeitweise auch in der Entwicklung der Trägerfrequenztelephonie auf Hochspannungsleitungen (TFH) engagiert. Bei diesem System wurden Hochfrequenzströme als Träger für Nachrichtensignale auf Hochspannungsfreileitungen aufmoduliert, so dass diese für den Telefonverkehr genutzt werden konnten. Auch bei der Entwicklung der Wechselstrom-Telegrafie war Lorenz führend. Mit diesem System ließen sich in Zeiten der analogen Übertragungstechnik mit Hilfe des Frequenzmultiplexverfahrens Mehrkanalübertragung von Fernschreibsignalen über Telefonleitungen, Richtfunk- oder Funkverbindungen realisieren.
    
    Von großer Bedeutung wurde auch für Lorenz der Röhrensender, basierend auf der Erfindung der Elektronenröhre und der Entwicklung geeigneter Verstärkerschaltungen. Wegen seiner technischen Überlegenheit verdrängte dieser Sendertypus seit den 1920er Jahren nach und nach die Pionieranlagen der Löschfunken- und Maschinensender. Ende 1923 gab die Deutsche Reichspost bei Lorenz den Bau des ersten Rundfunk-Röhrensenders in Auftrag, der im März 1924 in Leipzig dem Betrieb übergeben wurde. Die Entwicklungsarbeiten am Röhrensender brachten für Lorenz auch eine eigene Entwicklung von Elektronenröhren mit sich, die während des Zweiten Weltkriegs unter anderem in die Herstellung von Röhren für die Radartechnik mündete.
    
    Wie anders kaum zu erwarten, nahm Lorenz 1929 auch die Montage von Rundfunkempfängern auf. Während die Einzelteile im Tempelhofer Hauptwerk produziert wurden, fand die Montage außerhalb statt, unter anderem in den früheren Fabrikationsräumen der Firma Gurlt GmbH in Treptow, die 1915 von Lorenz übernommen worden war. Durch die Einführung der Fließbandmontage konnte der Ausstoß hier auf täglich mehr als 1.000 Geräte gesteigert werden. In den Jahren 1938/39 beteiligte sich Lorenz auch an der Entwicklung des »Deutschen Einheits-Fernseh-Empfängers E 1«, die in einer Arbeitsgemeinschaft zusammen mit dem Reichspostzentralamt (siehe bei -> »weiter«) und den Firmen Fernseh AG, Radio AG D.S. Loewe (siehe bei -> »weiter«), TeKaDe (siehe bei -> »weiter«) und Telefunken GmbH (siehe bei -> »weiter«) erfolgte.
    
 
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Foto(s) vom:
12.10.2008 / 25.04.2013
 
© 2008/13 Norbert Gilson
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erbaut: 1938-41
    
Bereits seit 1935 profitierte Lorenz von der Aufrüstung der deutschen Wehrmacht und die Belegschaftszahl wuchs stark an. So mündeten die umfangreichen Erfahrungen in der Funktechnik in den Bau des 1.000 kW-Längstwellensenders »Goliath«, der 1943 an die Kriegsmarine ausgeliefert wurde. Längstwellen (Betriebsfrequenzen von 15 bis 60 kHz) waren erforderlich, um die Kommunikation mit den U-Booten abwickeln zu können, da nur solche Wellen eine genügende Eindringtiefe ins Seewasser erzielen, um U-Booten auch im getauchten Zustand einen brauchbaren Empfang zu bieten. In Nachfolge einer schon 1932 an die damalige Reichswehr ausgelieferte Richtfunkanlage begann Lorenz 1939 für die Wehrmacht mit der Entwicklung des frequenzmodulierten 10-Kanal-Richtfunkgerätes »Stuttgart«, das auf fahrbaren Stationen in einer Stückzahl von mehreren hundert Geräten als End- und Relaisstellen im Krieg zum Einsatz kam. Bereits 1936 hatte Lorenz für die Luftwaffe mit der Entwicklung von frequenzmodulierten UKW-Bordfunkgeräten begonnen, die unter der Serienbezeichnung »FuG« bekannt wurden.
    
    Zur Vergrößerung der Produktionsanlagen erwarb das Unternehmen einen Geländestreifen auf der gegenüberliegenden Seite des Teltowkanals. Zwischen dem Kanal und der Volkmarstraße entstanden drei neue Produktionshallen und ein monumentales Verwaltungs- und Produktionsgebäude. Zur Volkmarstraße hin gestaltete der unbekannte Architekt den mit Klinkern verkleideten Stahlbeton-Skelettbau als monumentale, schlossähnliche Anlage. Charakteristische Elemente der Fassadengestaltung sind die strenge Pfeilergliederung und das horizontale, durch ein hevorkragendes Betongesims abgesetzte Attikageschoss.
    In der Mitte des Komplexes an der Volkmarstraße wurde der Verwaltungstrakt platziert. Links davon entstand der so genannte »Brinkmann-Bau«. Auf der rechten Seite schließt sich an den Verwaltungstrakt der Bau für die Schwachstrom-Montage an. Ein weiterer Bauteil zieht sich an der Colditzstraße entlang. Die hinter diesen Bauten gelegenen drei Produktionshallen und ein Seitenflügel des Gebäudes wurden bei einem heftigen Bombardement des Geländes im Januar 1944 zerstört und nicht wieder aufgebaut.

    Die Betriebsanlagen wurden 1945 demontiert und in die Sowjetunion überführt. Nicht zuletzt die Blockade Westberlins des Jahres 1948 mit der Unterbrechung des Güterverkehrs zu den westlichen Besatzungszonen war Anlass dafür, den Sitz des Unternehmens nach Stuttgart-Zuffenhausen zu verlegen. 1950 siedelte auch die Radioproduktion nach Westdeutschland über, und zwar in den Pforzheimer Zweigbetrieb der G. Schaub Apparatebau-Gesellschaft mbH, die bereits 1940 von Lorenz übernommen worden war. Seit 1955 wurden die hier gebauten Geräte unter dem Handelsnamen »Schaub-Lorenz« vertrieben. Für weitere Unternehmensteile wurden in Pforzheim, Esslingen am Neckar und Landshut neue Produktionsanlagen errichtet.
    
    Der Berliner Betrieb wurde nun als Zweigniederlassung von Lorenz - bzw. nach der Fusion von Lorenz mit der SEG - der Standard Elektrik Lorenz AG weitergeführt. Das Produktionsprogramm des Berliner Werks umfasste noch das gesamte Gebiet der Fernsprechtechnik (Amtsbautechnik, Fernsprechapparate) und der Bahnsteuertechnik wie induktive Zugsicherung oder elektronische Linienzugbeeinflussung. Auch eine Version der neuen Gleisbildstellwerke (auch Drucktastenstellwerke genannt), wurde unter dem Namen »Triconstellwerk« noch in Berlin entwickelt, ebenso mobile Funkanlagen wie die ersten Autotelefone sowie Anlagen der Flugsicherung. Außerdem wurden Steuerquarze und Quarzfilter, Kabel und Leitungen hergestellt.
    Nach der Übernahme der SEL durch Alcatel wurden Teile des Gebäudes noch durch Alcatel genutzt, bis es 1989 verkauft und 1990/91 in einen Gewerbehof umgewandelt wurde. Das zweigeschossige Walmdach wurde umgebaut und mit modernen Dachgauben versehen, um die Dachräume für Büros nutzen zu können.

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Quelle(n)/Text:
• W. M. Hahnemann / H. A. Steudel (Schriftleitung), 50 Jahre Lorenz. 1880 - 1930. Festschrift der C. Lorenz Aktiengesellschaft Berlin-Tempelhof, Berlin 1930
• Georg Schlesinger, Der Neubau der C. Lorenz A.-G., Berlin-Tempelhof; in: Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure 66(1922), Heft 14, S. 337-342; Heft 15, S. 368-372; Heft 16, S. 398-401
• Martin Kluge (Schriftleitung), 75 Jahre Lorenz 1880 - 1955. Festschrift der C. Lorenz Aktiengesellschaft Stuttgart, Stuttgart 1955
• Matthias Donath, Architektur in Berlin 1933 - 1945. Ein Stadtführer, Berlin 2004
• Matthias Donath / Gabriele Schulz / Michael Hofmann, Denkmale in Berlin. Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Ortsteile Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade, Petersberg 2007
• Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Denkmalliste Berlin (Stand: 14.01.2011), Nr. 09055108
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