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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft - AEG (Kabelwerk Oberspree)
Adresse:
Wilhelminenhofstraße 76 - 77
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
05.06.2008 / 22.03.2012
 
© 2008/12 Norbert Gilson
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erbaut: 1897-1900, 1901-02 / 1928 (Umbauten)
Architekten: Paul Tropp, Gottfried Klemm, Johannes Kraaz / Ernst Ziesel
    
Parallel zum Ausbau ihrer Fabrikanlagen im Berliner Wedding (siehe bei -> »weiter«: Fabriken Brunnenstraße) baute die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) (zur Firmengeschichte siehe bei -> »mehr«) seit Mitte der 1890er Jahre neue Produktionsstätten auf einem weitläufigen Gelände am Oberlauf der Spree auf. 1890 hatte die Grundrentengesellschaft Wilhelminenhof damit begonnen, die Wiesen am Spreeufer zu parzellieren und sie für die Ansiedlung von Industriebetrieben zu vermarkten. 1898 erhielt dieser Vorort offiziell den Namen Oberschöneweide.
    Der AEG-Vorstandsvorsitzende Emil Rathenau hatte sich für den Standort im Osten Berlins vor allem wegen der günstigen Lage am Wasser sowie einer bereits vorhandenen Eisenbahnanbindung an die Görlitzer Eisenbahn entschieden. 1895 begann der Bau des Kraftwerks Oberspree (siehe bei -> »weiter«), das 1897 in Betrieb genommen werden konnte und für mehrere Jahrzehnte die Basis für die Elektrizitätsversorgung in den östlichen Teilen Berlins bildete.
    Als 1897 auf dem Nachbargelände das neue Kabelwerk eröffnet wurde, war aus dem ehemals beschaulichen Vorort innerhalb von wenigen Jahren eine Industrieagglomeration mit mehr als 20 größeren und kleineren Industriebetrieben geworden, in denen rund 18.000 Beschäftigte Arbeit fanden.
    
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Das Kabelwerk Oberspree verfügte über die gesamte Fertigungsbreite, die zur Herstellung von Kabeln erforderlich war. So umfasste die Anlage neben einem Kupferwalzwerk eine Drahtfabrik, eine Gummischlauchfabrik und eine Fabrik zur Herstellung von Isoliermaterial. Das Kupferwalzwerk, das auch mit Einrichtungen zum Gießen, Ziehen und Pressen von Drähten und Metallteilen ausgestattet war, zählte zu den größten kupferverarbeitenden Betrieben in Deutschland.
    Das Kabelwerk war einer der ersten Industriebetriebe, die nicht mehr auf Dampfkraft mit Transmissionsantrieben zur Kraftversorgung begründet war. Alle Maschinen wurden mit Elektromotoren angetrieben, die meisten Werkzeugmaschinen verfügten über Einzelantriebe. Dies trug wesentlich dazu bei, die Produktionsabläufe flexibel gestalten und so technische Neuerungen schnell umsetzen zu können.
    
    Die Fabrikanlage wurde in mehreren Schritten ausgebaut und erweitert. Für den ersten, bis 1912 dauernden Bauabschnitt war, wie bei damaligen Fabrikarealen üblich, die Errichtung von Geschossbauten und Hallen charakteristisch.
    Die Planung lag in der Hand der Archiktekten der AEG-Bauabteilung, in erster Linie von Paul Tropp und Gottfried Klemm. Die gesamte Anlage setzte sich aus weitgehend selbständigen Fabrikteilen zusammen, die durch übergreifende Fertigungsbereiche miteinander verknüpft waren (»Werkstattprinzip«). Die übergreifenden, nicht der Produktion dienenden Einrichtungen wie Kantine, Verwaltung und Direktorenwohnhaus, wurden entlang der Wilhelminenhofstraße in offener Bauweise platziert.
    
    Der Hallenblock I, der das Kupferwalzwerk, die Drahtzieherei und die Starkstromkabelfabrik beherbergte, war das zentrale Produktionsgebäude. Es wurde nach Plänen von Paul Tropp 1897 als fünfschiffige Fabrikhalle in einer Konstruktion aus Stahlfachwerkstützen und Stahlfachwerkbindern mit verglasten Dachlaternen errichtet. Die ursprünglich historisierende Fassadengestaltung wurde 1928 unter der Leitung von Ernst Ziesel verändert. Grund dafür war ein umfassender Umbau der Hallenschiffe, der zum Zweck einer aus fabrikationstechnischer Sicht erforderlichen Vergrößerung der Raumhöhe vorgenommen werden musste. Dabei wurden die inneren Stahlfachwerkkonstruktionen erneuert und die Dreiecksgiebel mit gotisierenden Zinnen durch flächige, mit einem horizontalen Gesims abgeschlossene Giebelscheiben ersetzt. An die Längsseite des Hallenblocks I wurde 1898, ebenfalls nach Plänen von Paul Tropp, der vierstöckige Geschossbau der Fabrik für Isoliermaterial (Gebäude A 1) angebaut.
    
    Parallel zum Bau von Hallenblock I leitete Paul Tropp auch den Aufbau der Drahtfabrik, der als viergeschossiger Stockwerksbau an der Wilhelminenhofstraße entstand (Gebäude A, Fotos 1.1 bis 1.4). Die Fassade des als Massivbau aus gelben und roten Backsteinen gemauerten 23-achsigen Gebäudes ist durch Risalite gegliedert. Eine durchbrochene Attika mit Ecktürmen über dem Hauptgesims schließt das Bauwerk ab. In der Drahtfabrik wurden aus den Rohmaterialien elektrische Installationsdrähte produziert. Dazu wurden dünne Kupferdrähte mit Gummi oder Kunststoff isoliert, verseilt und dann mit Baumwolle oder Seide umhüllt.
    
    Ein weiteres Produktionsareal, der Hallenblock V, wurde nach Entwurf von Gottfried Klemm von 1899 bis 1900 als mehrschiffige Werkstatthalle in den üblichen historisierenden Bauformen errichtet. Wegen der Anpassung an verschiedene Arbeitsabläufe und Funktionen sind die Hallenschiffe in unterschiedlichen Breiten und Höhen ausgeführt. Ernst Ziesel entwarf den 1928 für ein neues Walzwerk errichteten Anbau an den Hallenblock V, bestehend aus zwei Hallenschiffen in Stahlrahmenkonstruktion. Dabei erhielt die südliche Fassade eine monumentale Giebelwand (Fotos 1.5 und 1.6), die in ähnlicher Form zeitgleich auch am Hallenblock I entstand.
    
    Zum ersten Bauabschnitt gehörten auch das 1897/98 errichtete, von Paul Tropp entworfene Verwaltungsgebäude (Foto 1.7) sowie die 1899/1900 entstandene Kantine (Fotos 1.8 und 1.9), für deren Gestaltung Johannes Kraaz verantwortlich war. Das Souterrain der Verwaltung beherbergte Sozialeinrichtungen und Baderäume sowie das Behandlungszimmer des Betriebsarztes. Die erste Etage war dem Direktor des Kabelwerks vorbehalten. Anfangs residierte in den Räumen Emil Rathenau, Gründer und Vorstandsvorsitzender der AEG, und leitete von hier aus für viele Jahre die Geschicke des Unternehmens. In den übrigen Räumen arbeiteten die Beamten der kaufmännischen und technischen Abteilung.
    Während die in gelbem Backstein gemauerte Fassade des Verwaltungsgebäudes stark gotisierende Elemente zeigt, hat Johannes Kraaz die Gestaltung der Kantine mit verputzten Fassaden, Fachwerkgiebeln und ziegelgedeckten Dächern bewusst von den umgebenden Bauten abgehoben. Im Obergeschoss des Hauptbaus befand sich der Speisesaal für die Arbeiter. Rückwärtig schließt sich an der Hauptbau der in Formen der altdeutschen Renaissance mit Krüppelwalmdach und Fachwerkgiebeln gestaltete Küchentrakt an. Im Hauptbau blieben der ursprüngliche, doppelarmige Treppenaufgang sowie die alte Holzdecke des Speisesaals erhalten. Die straßenseitige Front wurde 1925 im Stil der Reformarchitektur erneuert.
    
    Johannes Kraaz war auch federführend für den Entwurf der Direktionsvilla, die mit dem schrittweisen Ausbau nach und nach von den Fabrikbauten umzingelt wurde. Die von einem kleinen Garten umgebene Villa wurde für Emil Rathenau errichtet, ähnlich gestaltet wie Teile der Kantine in Formen der altdeutschen Renaissance. Die Villa wurde 1906 sowie 1913/14 erweitert, wobei die Anbauten der letzten Erweiterung schon der Landhausstil der beginnenden Moderne repräsentieren.
    
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Foto(s) vom:
05.06.2008 / 29.08.2009 / 22.03.2012
 
© 2008/09/12 Norbert Gilson
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erbaut: 1903-1905 (Umbauten 1910-11, 1924), 1910-11 / 1916 / um 1950
Architekten: Gottfried Klemm (Jean Krämer) / Peter Behrens
    
1902 nahm die AEG auf dem Werksgelände zusätzlich den Bau von Automobilen und Lastkraftwagen auf. Nach Errichtung der neuen Automobilfabrik der Nationalen Automobil-Gesellschaft, eines Tochterunternehmens der AEG, in der nahe gelegenen Ostendstraße, wurde die Automobilproduktion während des Ersten Weltkriegs in diese Fabrikanlage verlegt. Zunächst erfuhr jedoch das Kabelwerk mit der Automobilfertigung eine beträchtliche Erweiterung. Östlich des bestehenden Areals entstand ein neuer Werkhof aus Hallen- und Geschossbauten. Für die Planungen war wiederum Gottfried Klemm zuständig.
    Der 1903 errichtete Hallenblock II (Fotos 2.1 bis 2.3) wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, so dass die größten Teile 1995 abgerissen wurden und nur wenige Reste verblieben, die anschließend restauriert wurden. Erhalten blieb auch der in zurückhaltend historisierenden Formen gegliederte dreigeschossige Kopfbau (Foto 2.3) an der Wilhelminenhofstraße sowie der rückwärtige Hallenteil mit den reich gegliederten Giebelwänden.
    In dem Kopfbau war während des Ersten Weltkriegs unter anderem das Metalllaboratorium untergebracht, das unter der Leitung von Wichard von Moellendorff stand. Einer der Mitarbeiter, der polnische Chemiker Jan Czochralski (1885–1953), der von 1904 bis 1929 in Deutschland weilt, wurde später durch ein nach ihm benanntes Verfahren berühmt. Es handelt sich um das Czochralski-Verfahren, ein Zonenschmelzverfahren, das in den 1950er Jahren für die Herstellung von Silizium-Einkristallen weiterentwickelt wurde und die Grundlage für die Herstellung von Bauelementen und Schaltungen der Mikroelektronik bildete. Ob man dem anekdotischen Bericht Glauben schenken kann, wonach Czochralski das Verfahren zufällig entdeckt hat, als er seine Schreibfeder versehentlich in einen Schmelztiegel mit flüssigem Zinn anstatt ins Tintenfass tauchte, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls verdeutlicht diese Erfindung, dass Forschungstätigkeiten und Produktion des Kabelwerks weit über das engere Gebiet der Starkstromtechnik hinausgingen und der gesamten Elektrotechnik wichtige Impulse verliehen.
    
    Ebenfalls für die Automobilproduktion entwarf Gottfried Klemm einen langgestreckten viergeschossigen Fabrikbau (Gebäude A 2, Fotos 2.4 bis 2.6), der in zwei Bauabschnitten in den Jahren 1904 und 1905 vollendet wurde. Der Bau wurde ursprünglich mit zwei Treppenhäusern erschlossen, die der westlichen Längsseite vorgesetzt sind und mit ihren Giebeln die Traufe des Fabrikbaus überragen.
    1910 wurde das Gebäude mit einem fünfgeschossigen Kopfbau zur Wilhelminenhofstraße hin verlängert. Dabei enstand ein drittes Treppenhaus, das turmartig der westlichen Längsseite vorgesetzt wurde, so dass die Treppeneinbauten die Produktionsflächen nicht störten. In den Jahren 1999 bis 2000 wurde der Geschossbau restauriert und das über dem viergeschossigen Bauteil ursprünglich vorhandene Mansarddach durch ein modernes, der historischen Architektur angepasstes Tonnendach ersetzt.
    In dem Fabrikbau waren nach Fertigstellung zunächst die Werkstätten der Automobilproduktion untergebracht, die damals noch nicht in Fließfertigung betrieben wurde, sondern nach dem Werkstattprinzip organisiert war. Später wurde hier das Hauptlager des Kabelwerks eingerichtet.
    
    Östlich des Hallenblocks II entstand 1905, zur Wilhelminenhofstraße hin gelegen, ein weiterer Geschossbau (Gebäude A 4, Fotos 2.7 bis 2.9), wiederum unter der Leitung von Gottfried Klemm. In den Jahren 1911-12 wurde der Bau in zwei Bauabschnitten nach Süden hin verlängert. Wie bereits bei der Erweiterung des Baus A 2 wurden auch hier die Treppenhäuser und Aufzugsschächte der östlichen Längsseite als wuchtige Turmbauten vorgesetzt. Die beiden südlichen Treppentürme sind unverändert erhalten.
    Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde an den nördlichen Trakt ein Wasserturm mit quadratischem Grundriss angebaut (Foto 2.10), an dem die Initialen »KWO« des Kabelwerks angebracht wurden. In dieser Form ist er bis heute erhalten und gehört zu den stadtbildprägenden Elementen des Industriegebiets von Oberschöneweide.
    Nachdem der Fabrikbau zunächst zur Herstellung von Fahrzeugteilen gedient hatte, erfolgte 1924 der Umbau der nördlichen Trakte zum Verwaltungsgebäude des Kabelwerks, wobei das Gebäude um zwei Etagen aufgestockt wurde. Leitender Architekt war Jean Krämer, der eine Zeitlang Mitarbeiter im Büro von Peter Behrens gewesen war. Der Entwurf der Erweiterung soll sich an den monumentalen Stil der gegenüberliegenden neuen Fabrik der Nationalen Automobil-Gesellschaft angelehnt haben. Infolge von Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg präsentiert sich der Verwaltungstrakt heute in veränderter Form.
    
    Gottfried Klemm war auch der Architekt des 1910 bis 1911 direkt am Spreeufer errichteten Lagerhauses (Gebäude A 3, Foto 2.11). Der Bau wurde als Geschossbau mit hellroten und gelben Backsteinen mit zwei Treppentürmen an der östlichen Längsseite gestaltet. Den Abschluss bildet ein Satteldach mit verglastem Oberlicht. Das Gebäude diente zur Lagerung der Rohstoffe, insbesondere Kupfer und Rohgummi, die über den Wasserweg angeliefert wurden.
    
    Einen neuen Erweiterungdboom brachte der Erste Weltkrieg mit sich. Die AEG hat sich aus eigener Initiative umfassend in die Rüstungsproduktion und Kriegsorganisation eingeschaltet. Leitende Mitarbeiter des Unternehmens wie Walther Rathenau, der Sohn des Unternehmensgründers, Georg Klingenberg oder Wichard von Moellendorff waren führend in der Tätigkeit der Kriegs-Rohstoff-Abteilung (KRA) beteiligt. Im Kabelwerk arbeiteten währenddessen zeitweise rund 24.000 Beschäftigte, die technische Ausrüstungen und Munition für das deutsche Heer produzierten.
    Für diese umfangreiche Produktionsausweitung entstanden in kurzer Zeit östlich der vorhandenen Fabrikanlagen vier neue Hallenblöcke und eine große Halle am Spreeufer. Die Pläne dafür hatte Peter Behrens bearbeitet. Von diesen Erweiterungsbauten ist nur wenig erhalten geblieben, das Gelände wurde 1996 großflächig abgeräumt. Vorhanden ist noch der 1916 als dreischiffige Produktionshalle errichtete Hallenblock IV (Fotos 2.12 und 2.13). Die Konstruktion besteht aus einem Stahlskelettgerüst, das mit gelben Backsteinen verkleidet wurde. Die auf Profilstahlstützen ruhenden Binder der Dachkonstruktion ergeben ein abgetrepptes Satteldach. In den geschlossenen Giebelwänden finden sich kleine Ovalfenster. Das mittlere Hallenschiff wurde zurückgesetzt und mit einem zweigeschossigen Vorbau abgeschlossen, so dass eine räumlich gestaffelte Front entstand. In dem Hallenblock war das Press- und Stanzwerk untergebracht, in dem Schrauben, Muttern und Armaturen zur Weiterverarbeitung in Massenproduktion hergestellt wurden.
    Aus der Zeit des Ersten Weltkriegs erhalten geblieben ist auch die so genannte Spreehalle. Sie wurde allerdings zu DDR-Zeiten in den Jahren 1958 bis 1961 und dann erneut in den 1990er Jahren stark verändert, so dass von der ursprünglichen Form so gut wie nichts mehr zu erkennen ist. Ein weiteres Relikt aus der Kriegszeit ist der 1915 östlich des Gebäudes A 4 errichtete Akkumulatorenturm (Foto 2.14), dessen genaue Funktion sich aus der Bezeichnung nicht erkennen lässt.
    
    Nach dem Ersten Weltkrieg dehnte sich die Produkton des Kabelwerks zunehmend auch auf das Gebiet der Elektrischen Nachrichtentechnik aus. Nach Entwurf von Ernst Ziesel entstand 1927/28 östlich des Hallenblocks V eine Fernmeldekabelfabrik, die zur Herstellung von Erd-, Fluss- und Seekabeln für die Nachrichtenübertragung diente. Wegen erheblicher Kontamination konnte dieses Gebäude nach 1990 nicht mehr saniert werden und wurde abgerissen.
    Ein Relikt des Kabelwerks aus den 1950er Jahren hat sich im Osten des Betriebsgeländes am Spreeufer erhalten. Hier befand sich seit den frühen 1920er Jahren der Kohlelagerplatz des Kabelwerks. Über eine 1996 demontierte stählerne Schwenkbrücke wurde die Kohle von den Lastkähnen zum Lagerplatz transportiert. Der zur Schwenkbrücke zugehörige Kranturm wurde als mit gelben Backsteinen ausgefachte Stahlkonstruktion vermutlich nach 1950 errichtet, lehnt sich aber konstruktiv und technisch an die Vorbilder der 1920er Jahre an. Der auf den Unterbau aufgesetzte, drehbar gelagerte Kranarm aus Stahlfachwerk, stammt von 1966 (Foto 2.15).
    
    Nachdem mit den südöstlichen Bezirken von Berlin am 23. April 1945 auch Oberschöneweide in die Hände der Roten Armee gefallen war, wurden die hier ansässigen Industriebetriebe nach Kriegsende unter sowjetische Verwaltung gestellt und als »Sowjetische Aktiengesellschaften« (SAG) betrieben. Vielfach wurden die Einrichtungen der ehemals kriegswichtigen Betriebe demontiert und die gesamte Fertigung ging in die Sowjetunion. Zwischen 1947 und 1953 wurden die Betriebe nach und nach aus der sowjetischen Verantwortung entlassen und nach 1949 in DDR-Obhut übergeben. Aus den enteigneten Betriebsvermögen entstanden nun »Volkseigene Betriebe« (VEB).
    Aus dem Kabelwerk Oberspree entstand nach der Entlassung aus sowjetischem Besitz 1953 der VEB Kabelwerk Oberspree (KWO). Die Produktion kam wieder in Schwung, obwohl man bis Ende der 1980er Jahre noch mit einem veralteten Maschinenpark arbeitete, der teilweise noch aus den Zeiten des Ersten Weltkriegs stammte. Nach der Wende übernahm die AEG ihren alten Standort wieder, schloss jedoch 1992 die Produktion, bevor das schon lange krisengeschüttelte, inzwischen zur Daimler-Benz-Gruppe gehörige Unternehmen selbst 1996 vollständig liquidiert wurde. Bei der anschließenden Sanierung konnte die historisch wertvolle Bausubstanz größtenteils gerettet werden. Seit 2006 nutzt die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) einen Teil der Gebäude.

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Quelle(n)/Text:
• Matthias Donath, Denkmale in Berlin. Bezirk Treptow-Köpenick. Ortsteile Nieder- und Oberschöneweide, Petersberg 2005
• Volker Rödel, Reclams Führer zu den Denkmalen der Industrie und Technik in Deutschland. Bd. 2. Neue Länder - Berlin, Stuttgart 1998
• Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Denkmaldatenbank, Eintrag 09020314,T
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