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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Zollhafen Mainz
Adresse:
Am Zollhafen
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
12.04.2008
 
© 2008 Norbert Gilson
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erbaut: 1882-87
Planung und Ausführung: Eduard Kreyßig (Stadtbaumeister)
    
Bereits zu römischer Zeit, im 2. Jahrhundert n.Chr., war Mainz ein bedeutendes Handelszentrum am Mittelrhein. Aus Funden von Ausgrabungen kann man schließen, dass es damals schon eine feste Hafenanlage mit Lagerhäusern, Zollstation und Schiffswerft gab. Nach dem Niedergang infolge der germanischen Invasionen seit dem 3. Jahrhundert und wechselvollem Auf und Ab in fränkischer und staufischer Zeit konnte Mainz mit der neuen Blütezeit der Rheinschifffahrt im 12. und 13. Jahrhundert an die frühere Bedeutung anknüpfen. Die Stadt konnte diese Stellung bis ins 15. Jahrhundert hinein halten, bevor die Religions-, Erbfolge- und Eroberungskriege des späten 15. sowie des 16. und 17. Jahrhunderts den Handelsverkehr auf dem Rhein nachhaltig schwächten. Im 18. Jahrhundert verhinderten vor allem die Partikularinteressen der vielen am Rhein gelegenen Staaten und Fürstentümer einen nachhaltigen Wiederaufschwung des Verkehrs auf dem Rhein. Jedoch konnte Mainz von diesen Monopolen und Privilegien auch profitieren. Ausdruck des lebhaften Handelsverkehrs waren die Errichtung eines großen Lagerhauses sowie eines modernen Doppelkrans in den 1760er Jahren. Der für Mainz seit 1815 gültige Status einer »Bundesfestung« mit einer starken Garnison aus preußischen und österreichischen Truppen unterwarf die gesamte Stadtentwicklung den militärischen Erfordernissen. Strategische Überlegungen verhinderten einen Ausbau der Hafenanlagen in Mainz selbst, so dass auf der rechten Rheinseite, in Gustavsburg, eine größere Hafenanlage entstand, die sich zum Beispiel das Monopol des gesamten Kohlenumschlags für die bayerischen Eisenbahnen sichern konnte.
    
    Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde der Handelsverkehr auf dem Rhein Angelegenheit erster überstaatlicher Vereinbarungen der Rheinuferstaaten. 1868 - nach dem Auftakt durch den Abschluss der »Rheinschifffahrtsakte« von 1831 - konnten in der »Mannheimer Akte« die unterschiedlichsten Privilegien und Abgaben, wie etwa die Zoll- und Stapelrechte der rheinischen Hafenstädte, entgültig beseitigt werden. Der Belebung des Schiffsverkehrs auf dem Rhein kamen auch die Maßnahmen der Stromregulierung mit erheblichen Verbesserungen der Fahrrinne an Ober- und Mittelrhein sowie die zunehmende Durchsetzung des Dampfschiffs zugute. Der Ausbau der Eisenbahnlinien gab zudem den Anstoß für zahlreiche planmäßige Uferausbau-Maßnahmen. Um 1860 wurde außerhalb der damaligen Stadt- und Festungsgrenze von Mainz der heute noch vorhandene »Winterhafen« (Näheres siehe unten bei »weiter«) angelegt, der neben dem Winter- und Hochwasserschutz auch dem Umschlag von Kohlen, Holz, Steinen und anderen Massengütern diente.
    
    In den 1880er Jahren führten die jahrelangen Verhandlungen mit den Militärbehörden über die Neuanlage eines Hafens endlich zum Erfolg. Die Stadt konnte 1882 auf einem von Festungswällen und Gräben durchzogenen Terrain im Nordwesten der Altstadt mit dem Bau eines fast ausschließlich aus eigenen Mitteln finanzierten Zoll- und Binnenhafens beginnen, der im Juni 1887 dem Verkehr übergeben wurde. Die Bauarbeiten erfolgten so, dass das Hafengelände in den Strom hinein aufgeschüttet wurde statt, wie allgemein üblich, die Becken in das Land hineinzugraben. Das Hafengebiet, das bis 1945 den Status eines Freihafens hatte, mit dem 12 ha großen, heute in seinem südlichen Teil noch weitgehend erhaltenen Hafenbecken (Foto 1) umfasste außerdem 15 ha Landfläche. Die dominierenden Bauten waren hier das nicht mehr vorhandene große Lagerhaus des Hauptsteueramtes, das 1912 als Stahlbetonbau errichtete Weinlagerhaus (Fotos 2 bis 4), der 1894 erbaute und 1927 erweiterte städtische Getreidespeicher mit einem Fassungsvermögen von rund 5.000 t (ebenfalls nicht mehr vorhanden) sowie das mit zwei turmartigen Zwischenstücken versehene Kessel- und Maschinenhaus (Fotos 5 und 6).
    
    Die Umschlagsanlagen, bestehend aus 7 Stückgutkränen, 7 Aufzügen und 7 Waggon-Seilwinden, wurden zentral über weit verzweigte Druckwasserleitungen hydraulisch angetrieben. Erst in den 1920er Jahren kamen 4 elektrisch angetriebene Portalkrane für Stückgut- und Greiferbetrieb hinzu, von denen heute noch einer vorhanden ist (Fotos 3 und 4). Die robusten und wartungsarmen hydraulischen Anlagen blieben bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg in Betrieb. Das Hafengelände wurde durch umfangreiche Gleisanlagen erschlossen, die den von der Hessischen Ludwigsbahn betriebenen Rangierbahnhof an der Rheinallee sowie die städtischen Ladegleise innerhalb des Hafengeländes umfassten. An den Hafenbahnbetrieb erinnert heute noch eine dampfbetriebene Rangierlokomotive, die am südlichen Ende der verbliebenen Gleisanlagen aufgestellt ist. (Foto 7)
    
    Seit Mitte der 1920er Jahre expandierten die Umschlaganlagen nach und nach flussabwärts in nördliche Richtung, wo ein durch die Halbinsel »Ingelheimer Aue« abgetrenntes natürliches Hafenbecken schon seit längerer Zeit als Flößerei-Hafen diente. Dieses Areal wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum neuen Industriehafen ausgebaut. Bereits 1931 waren hier die Strom- und Gaserzeugungsanlagen der damals neu gegründeten Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG (siehe bei -> »weiter«) an dieser für den umfangreichen Kohleumschlag günstigen Stelle errichtet worden.
    
    In den letzten Jahrzehnten verlor der Stückgut- und Massengut-Umschlag kontinuierlich an Boden gegenüber dem Container-Verkehr, der heute den wesentlichen Anteil des verbliebenen Hafenbetriebs ausmacht. Der südliche Teil des früheren Zoll- und Binnenhafens wurde inzwischen aufgegeben und wird in den nächsten Jahren zum Wohn- und Kulturquartier umgestaltet. Das Kessel- und Maschinenhaus wurde bereits in die neugestaltete »Kunsthalle Mainz« einbezogen. (Näheres siehe unter den angegebenen Links unten)

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Quelle(n)/Text:
• Stadtwerke Mainz (Hafenbetrieb), 75 Jahre Hafen der Stadt Mainz, Mainz (1962)
• Paul-Georg Custodis, Technische Denkmäler in Rheinland-Pfalz. Spuren der Industrie- und Technikgeschichte, Koblenz 1990
Informationsstand:
 
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weiter:
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Link:
Infoseite zum Umbau des Mainzer Zollhafens
 
Link:
Informationen der Kunsthalle Mainz
 
 
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