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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Technische Hochschule Darmstadt (Elektrotechnisches Institut)
Adresse:
Hochschulstraße 1
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
10.06.2014
 
© 2014 Norbert Gilson
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erbaut: 1892-95, 1901-04 (Erweiterung)
Entwurf: Erwin Marx, Friedrich Pützer
    
Bei der Etablierung der Elektrotechnik als neue, innovative Fachrichtung an den deutschen Technischen Hochschulen spielte Darmstadt die Vorreiterrolle. Hier wurde zum 1. November 1882 der Physiker Erasmus Kittler auf den ersten deutschen Lehrstuhl für Elektrotechnik berufen. Die Lehre der theoretisch-physikalischen Grundlagen und das experimentelle, insbesondere messtechnische, sowie das konstruktive Arbeiten an elektrischen Maschinen waren damals die Hauptarbeitsgebiete des neuen Fachs. Später wurden diese Teilgebiete der Elektrotechnik als »Starkstromtechnik« bezeichnet.
    
    Kittler begann unmittelbar nach seinem Dienstantritt mit dem Aufbau eines »Elektrotechnischen Instituts«, das im damaligen Hauptgebäude untergebracht war und dort 12 Räume mit einer nutzbaren Fläche von rund 400 qm in Anspruch nahm. Das zugehörige Laboratorium umfasste einen 4-PS-Gasmotor, eine Gleichstrommaschine der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. Schuckert & Co., eine Differentialbogenlampe sowie verschiedene Messapparaturen, Widerstandsapparate, einen Kondensator und eine Batterie.
    
    Da die Studentenzahlen in Elektrotechnik sprunghaft anstiegen, benötigte man dringend neue Räume. 1889 wurde zur Erweiterung des Laboratoriums zunächst eine Baracke errichtet. 1890 bewilligten dann die Stände des Großherzogtums insgesamt 315.000 Mark für einen Neubau des »Elektrotechnischen und Physikalischen Instituts«, der parallel mit der Errichtung weiterer neuer Gebäude für die gesamte Technische Hochschule entstand. Der Großherzog stellte als Baugelände einen Teil des Herrengartens zur Verfügung und die Stadt schoss 1,2 Mio. Mark zu den Baukosten zu. Mit den Ausarbeitungen der Entwürfe für die Neubauten und mit der Bauleitung betraute das Großherzogliche Staatsministerium die Darmstädter Architekturprofessoren Heinrich Wagner und Erwin Marx. Für den 1892 in Angriff genommenen Bau des »Elektrotechnischen und Physikalischen Instituts« war Marx zuständig. Im Oktober 1895 konnten die neuen Gebäude ihrer Bestimmung übergeben werden.
    
   Zum Zeitpunkt der Einweihung des neuen »Elektrotechnischen Instituts« war bereits ein zweiter elektrotechnischer Lehrstuhl eingerichtet worden, auf den 1894 Karl Wirtz berufen worden war. Er vertrat fortan neben einem Teil der Allgemeinen Elektrotechnik und der Messkunde auch die Fächer Telegrafie und Telefonie. Damit war er an der TH Darmstadt der Pionier der Nachrichtentechnik, des zweiten großen Fachgebiets der Elektrotechnik, die damals häufig auch als »Schwachstromtechnik« und später auch als »Fernmeldetechnik« bezeichnet wurde. Zusätzliche Unterstützung hatte das Fach bereits 1891 durch Adolf Sengel erhalten, der das Gebiet der »Elektrischen Licht- und Kraftanlagen«, später auch der »Elektrischen Bahnen« lehrte. Ein gesonderter Lehrstuhl für dieses Fach wurde 1898 geschaffen.
    
    Infolge der Expansion der elektrotechnischen Abteilung waren die Neubauten bei ihrem Bezug 1895 schon wieder zu klein, so dass eine bauliche Erweiterung unumgänglich war. Als Behelfslösung wurden zunächst zwei Anbauten mit einem weiteren Maschinensaal errichtet. Eine Bewilligung der erforderlichen Gelder für eine große Erweiterung wurde jedoch vom zuständigen Finanzausschuss der Ständeversammlung erst einmal abgelehnt. Schließlich kam es 1901 zu einem Kompromiss: die Finanzen für die Erweiterung wurden unter Festlegung eines Höchstbetrages von knapp über 3 Mio. Mark freigegeben. Damit konnte auch die Erweiterung des »Elektrotechnischen Instituts« in die Wege geleitet werden. 1904 wurde nach einem Entwurf von Friedrich Pützer der so genannten „Turmbau″ des Instituts fertig gestellt. Der Turmbau enthielt einen neuen Hörsaal mit 300 Sitzplätzen. Außerdem war der Maschinensaal III Bestandteil der Erweiterungsbauten.
    
    Nach der Emeritierung von Kittler zum Sommersemester 1915 übernahm zunächst Waldemar Petersen, der sich 1907 bei Kittler habilitiert hatte, seine Vorlesungen. 1918 wurde er als Nachfolger von Kittler zum ordentlichen Professor ernannt. Petersen gilt als der Begründer der Hochspannungstechnik, wozu auch sein 1911 unter diesem Titel erschienenes Lehrbuch beigetragen hat. 1917 führte er die nach ihm benannte Erdschluss-Löschspule („Petersen-Spule″) zur Begrenzung des Fehlerstroms bei einpoligen Kurzschlüssen ein. 1923 baute er an der TH Darmstadt ein weitgehend aus Mitteln der Industrie finanziertes Hochspannungs-Laboratorium für Spannungen bis zu 1.000 kV auf, für das eine neue Halle, etwas zurückliegend parallel zur Schloßgartenstraße errichtet wurde. 1926 wurde er in den Vorstand der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) berufen und 1928 zum Generaldirektor des Unternehmens ernannt. Er führte seine Lehrtätigkeit noch bis 1933 fort und wurde auf dem Lehrstuhl von seinem Oberingenieur Ernst Hueter vertreten. Dieser habilitierte sich 1928 und wurde danach zum ordentlichen Professor für das Fach »Allgemeine Elektrotechnik II und Hochspannungstechnik« berufen.
    
    Nach dem Ersten Weltkrieg expandierte die Starkstromtechnik an der TH Darmstadt, als 1919 ein neuer Lehrstuhl für »Elektrische Maschinen« eingerichtet wurde. Auf ihn wurde Ludwig Binder, zuvor Oberingenieur im Dynamowerk der Siemens-Schuckertwerke GmbH, berufen, der jedoch kurz danach Darmstadt wieder verließ zugunsten eines Rufs an die Technische Hochschule Dresden und dort die Hochspannungstechnik aufbaute (siehe bei -> »weiter«). Sein Nachfolger wurde 1921 Franklin Punga, ein ausgewiesener Kenner des Elektromaschinenbaus, der von einer Stelle als Oberingenieur in der AEG-Transformatorenfabrik Mülheim an der Ruhr nach Darmstadt wechselte. Nachdem Adolf Sengel 1934 in den Ruhestand getreten war, übernahm seine Professur Theodor Buchhold, der bis dahin als Oberingenieur in der Bahnabteilung des Mannheimer Werks von Brown, Boveri & Cie. (BBC) tätig gewesen war.
    
    Der Tod von Karl Wirtz 1928 war Anlass, die von ihm bisher auch vertretenen Fachgebiete der Telegrafie und Telefonie in einen neuen Lehrstuhl für »Fernmeldetechnik« zu integrieren. 1929 wurde Hans Busch zum ordentlichen Professor für »Fernmeldetechnik« berufen. Nach der Habilitation für Reine und Angewandte Physik an der Universität Göttingen (1920) hatte er bis 1927 eine außerordentliche Professur an der Universität Jena bekleidet und war danach für zwei Jahre Prokurist und wissenschaftlicher Leiter der Fernmeldeabteilung des Kabelwerks Oberspree der AEG (siehe bei -> »weiter«), bevor er den Ruf an die TH Darmstadt annahm. Er baute das Institut für Fernmeldetechnik auf und setzte die Errichtung eines Neubaus durch, der 1934 eingeweiht werden konnte.
    
    Nach dem Zweiten Weltkrieg war Darmstadt zu 80% zerstört. Bis zum Beginn der 1950er Jahre wurde auch das alte Gebäude des »Elektrotechnischen Instituts« wieder aufgebaut. Für das in den 1960er Jahren stark expandierende Fachgebiet der Elektrotechnik wurde Ende der 1960er Jahre ein Erweiterungsgelände auf dem Areal der ehemaligen Altstadt erschlossen. Hier entstanden bis 1973 die Neubauten der Starkstromtechnik (siehe bei -> »weiter«), der Nachrichtentechnischen Institute (siehe bei -> »weiter«) und eine große Hörsaalgruppe (siehe bei -> »weiter«) für die Elektrotechnik.

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Quelle(n)/Text:
• Brigitte Kuntzsch / Marianne Viefhaus [Red.], Technische Bildung in Darmstadt. Die Entwicklung der Technischen Hochschule 1836 - 1996. Bd. 3. Vom Kaiserreich zur Republik, Darmstadt 1995
• Wilhelm Schlink (Hrsg.), Die Technische Hochschule Darmstadt 1836 bis 1936. Ein Bild ihres Werdens und Wirkens, Darmstadt 1936
• Robert Jötten, Die Geschichte der Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Darmstadt; in: Dietrich Blankenburg / Marianne Viefhaus [Red.], Jahrbuch 1976/77. 100 Jahre Technische Hochschule Darmstadt, Darmstadt 1977, S. 377-384
• Sabine Gerbaulet / Brigitte Kuntzsch / Marianne Viefhaus [Red.], Technische Bildung in Darmstadt. Die Entwicklung der Technischen Hochschule 1836 - 1996. Bd. 6. Übersicht und Chronik, Darmstadt 2000
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