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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Kraftwerk Gaisburg
Adresse:
Neckarwiesenstraße / Langwiesenweg
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
26.05.2014
 
© 2014 Norbert Gilson
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erbaut: 1942-50
Bauherr: Heizkraftwerk Stuttgart GmbH
Bauleitung: Architekturbüro Koppenhöfer (Stuttgart)
    
Die Geschichte des Kraftwerks Gaisburg reicht bis in die 1940er Jahre zurück. Der Standort im Stuttgarter Stadtteil Gaisburg war damals bereits industriell geprägt. Hier lag das 1899 in Betrieb genommene städtische Gaswerk von Stuttgart (mit Schließung der Kokerei erst Anfang der 1970er Jahre stillgelegt), das im Mai 1933 mit dem Städtischen Elektrizitätswerk Stuttgart zu den Technischen Werken der Stadt Stuttgart (TWS) zusammengeschlossen wurde. Im benachbarten Untertürkheim, auf der anderen Neckarseite, produzierte die Daimler-Motoren-Gesellschaft zudem seit 1904 Automobile. Bereits Ende der 1930er Jahre zeichnete sich bei diesem Unternehmen ein stark wachsender Bedarf an elektrischer Energie ab, deren Deckung die TWS als Vertragspartner übernehmen sollten. Aus dem Gaswerk wurde die Daimler-Motoren-Gesellschaft bereits seit den 1920er Jahren mit größeren Mengen an kohlenwasserstoffarmem Wassergas beliefert.
    
    Die Fähigkeit der TWS zur Deckung des erhöhten Energiebedarfs stand plötzlich in Frage, als die TWS im Mai 1939 das gerade im Bau begriffene neue Dampfkraftwerk in Marbach am Neckar (siehe bei -> »weiter«) auf Betreiben der NSDAP-Gauleitung Württemberg-Hohenzollern an die Energie-Versorgung Schwaben (EVS) abtreten musste. Als Konsequenz aus dieser Entscheidung begann die Planungsabteilung der TWS umgehend mit den Arbeiten an einer Alternativlösung. Die Vorentwürfe für ein neu zu errichtendes Kraftwerk wurden erstellt, als Standort kam ein bis dahin als Auffüll- und Lagerplatz genutztes Gelände am Neckar südlich des Gaswerks und schräg gegenüber der Untertürkheimer Automobilfabrik im Stadtteil Gaisburg in Frage. Für den Bau des neuen Kraftwerks wurde ein Gemeinschaftsprojekt mit dem künftigen Hauptstromabnehmer aus der Taufe gehoben. Im August 1941 schlossen die Daimler-Benz AG und die TWS beziehungsweise die Stadt Stuttgart einen Gesellschaftsvertrag zur Gründung der Heizkraftwerk Stuttgart GmbH, die mit einem Stammkapital von 3 Mio. Reichsmark ausgestattet wurde. Der Finanzbedarf für den Bau des Kraftwerks und der Dampffernleitungen wurde mit 20 Mio. Reichsmark kalkuliert. Im März 1942 begannen die Bauarbeiten mit der Ausschachtung der Baugruben für Kessel-, Maschinen- und Schalthaus.
    
    Nachdem die Genehmigungsbehörde, der Generalinspektor für Wasser und Energie, Mitte Mai 1942 einen Baustopp verfügt hatte, übernahm auf Drängen der Daimler-Benz AG der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe die Regie, so dass ab Mitte Juli 1942 zunächst das Kesselhaus weitergebaut werden konnte. Die auf Oktober 1944 datierte Fertigstellung des Kraftwerks erwies sich aufgrund der Kriegsereignisse als Illusion. Nach Kriegsende konnten zunächst die Bombenschäden an dem unfertigen Kraftwerksbau behoben werden. Erst nach der Währungsreform vom 21. Juni 1948 schritten die Arbeiten wieder beschleunigt voran. Im Dezember 1949 wurden die kohlegefeuerten Dampfkessel (Bauart „Schmidt-Hartmann″, 80 atü, 500°C, Dampfleistung bis zu 64 t/h) erstmals angefahren und am 6. Januar 1950 wurde die 24,2 MW-Kondensationsturbine unter Dampf gesetzt.
    
    Schon drei Jahre nach Inbetriebnahme zeichnete sich eine zunehmende Überlastung der drei installierten Kessel in den Spitzenlastzeiten ab. 1956 wurde die Ausstattung des Heizkraftwerks daher um einen Schnellbereitschaftskessel mit Schwerölfeuerung (26 atü, 375°C) ergänzt, der von der in Bad Cannstatt ansässigen Firma Gebr. Wagner geliefert wurde. 1969 kam ein weiterer mit Schweröl beheizter Kessel (88 atü, 500°C, 125 t/h Dampfleistung) der Kohlenscheidungs-Gesellschaft (KSG) hinzu. Eine weitere Modernisierung erfolgte 1978/79, als ein neuer Kessel der Bad Cannstatter Firma Streicher installiert wurde, der nun die drei alten kohlebefeuerten Kessel der Ursprungsanlage ersetzte. Von dem 1950 in Betrieb genommenen Kraftwerksbau sind heute nur noch wenige Reste sichtbar, im Wesentlichen wurde dieser Anlagenteil von der modernen Kraftwerksanlage überbaut (Foto 4).
    
    Dominiert wird die Gesamtanlage von dem 60 m hohen Schwerbau mit aufgesetztem Schornstein, der zwischen 1956 und 1965 südlich des alten Kraftwerks errichtet wurde (Fotos 1 bis 3). Während es sich bei dem alten Kraftwerk - nach Inbetriebnahme des Neubaus als »Kraftwerk 2« bezeichnet - um ein Sammelschienen-Kraftwerk gehandelt hatte, wurde der Neubau als Blockkraftwerk mit 2 Blöcken ausgeführt. Bei einem Blockkraftwerk wird eine Turbine nicht mehr durch mehrere Kessel mit Dampf versorgt, sondern ein einziger Dampfkessel ist fest mit einem Turbosatz zu einem Kraftwerksblock verbunden. Der erste Kraftwerksblock, bestehend aus einem Dampferzeuger vom Typ »Benson-Kessel« (204 atü, 400 t/h Dampfleistung) der Vereinigten Kessel-Werke (VKW) und einer Entnahme-Kondensationsturbine der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) von 100 MW elektrischer Leistung, ging im Dezember 1958 in Betrieb. Der zunächst mit einer Kohlenstaubfeuerung betriebene Kessel wurde im Juli 1971 auf eine kombinierte Erdgas-Schweröl-Feuerung umgerüstet. Sieben Jahre nach Inbetriebnahme des ersten Blocks war »Block 2« betriebsbereit. Im Juli 1965 wurde er, ebenfalls mit einem Benson-Kessel von VKW und KSG und einer Entnahme-Kondensationsturbine der AEG (126 MW) ausgerüstet, angefahren.
    
    In den 1980er Jahren wurden die beiden Blöcke stillgelegt, die Kessel ausgebaut und durch eine neue Anlage ersetzt bei gleichzeitiger Ausrüstung mit modernen Entschwefelungs- und Entstickungseinrichtungen. Unter anderem wurde ein Wirbelschichtkessel installiert, der einzige Kessel dieser Bauart, der bei der Energie Baden-Württemberg AG betrieben wird. Bei diesem Kesseltyp wird ein Gemisch aus Asche, Steinkohle und Kalk im Brennraum durch Luftzufuhr in einen Schwebezustand - die Wirbelschicht - versetzt und infolge der Bindung der im Brennraum entstehenden Schadstoffe durch den Kalk emissionsarm verbrannt.
    
    Bis zur Demontage im Jahr 2014 verfügte die Anlage zusätzlich über eine mit Erdgas betriebene Gasturbine von 60 MW Leistung, die vorwiegend der Sicherung der Stromversorgung beim Ausfall anderer Anlagen diente, aber auch zur Spitzenlastdeckung eingesetzt wurde. Bei einem normalen Start erreichte die Gasturbine ihre volle Leistung nach rund acht Minuten, bei einem Schnellstart bereits nach knapp fünf Minuten. Ein Dieselaggregat sicherte die »Schwarzstartfähigkeit« der Turbine, das heißt, dass sie im Falle eines Netzzusammenbruchs ohne Energiebezug von außen angefahren werden konnte.
    
    Das Kraftwerk Gaisburg verfügt über eine maximale Wärmeleistungsfähigkeit von 273 MW. Über eine Fernwärmeleitung, von der aus die einzelnen Fernwärme-Verteilnetze der versorgten Stadtteile gespeist werden, ist das Kraftwerk Gaisburg mit dem südöstlich gelegenen Heizkraftwerk Altbach/Deizisau (siehe bei -> »weiter«) und dem nördlich gelegenen, heute als Müllheizkraftwerk betriebenen Kraftwerk Münster (siehe bei -> »weiter«) verbunden. Elektrisch ist das Kraftwerk Gaisburg über ein 110-kV-Doppelkabel mit dem Kraftwerk Münster gekoppelt.
    
    Nach einem Bericht der »Eßlinger Zeitung« vom 8. Mai 2015 plant die EnBW am Standort den Neubau eines modernen Gas-Heizkraftwerks, nach dessen Inbetriebnahme die alten Kraftwerksblöcke abgerissen werden sollen.

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Quelle(n)/Text:
• Karl Erich Haeberle, Stuttgart und die Elektrizität. Geschichte der Stuttgarter Elektrizitäts-und Fernwärmeversorgung, Stuttgart 1983
• EnBW Kraftwerke AG (Hrsg.), Heizkraftwerk Stuttgart. Betriebsstelle Münster. Betriebsstelle Gaisburg, Stuttgart [PDF-Datei, Download am 11.05.2015]
• Gert Rayhrer, Die Strom- und Fernwärmeversorgung der Stadt Stuttgart; in: Energie 13(1961), Heft 3, S. 144-148
• Wolfgang Kaufmann, Neue 110-kV-Schaltanlagen im Elektrizitätsversorgungsnetz der TWS; in: Energiewirtschaftliche Tagesfragen 20(1970), Heft 5, S. 237-241
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