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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Kraftwerk Münster
Adresse:
Neckartalstraße
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
27.05.2014
 
© 2014 Norbert Gilson
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erbaut: 1908-09 / spätere Erweiterungen
    
Nachdem auch Stuttgart seit 1895 über eine öffentliche Elektrizitätserzeugung verfügte, nahm die Nachfrage nach elektrischer Energie in den nächsten Jahren rasant zu. Zum größten Stromverbraucher entwickelte sich das Werk der Daimler-Motoren-Gesellschaft, das nach einem Großbrand 1903 in den Werkshallen in Cannstatt nach Untertürkheim verlagert und hier seit 1905 großzügig ausgebaut wurde. Trotz der Inbetriebnahme eines Wasserkraftwerks in Marbach (siehe bei -> »weiter«) und von Erweiterungen der städtischen Dampfkraftanlagen in Stöckach und Untertürkheim reichten die Erzeugungskapazitäten nicht aus und es zeichnete sich die »große Lösung« ab.
    
    Die Planungen sahen dazu die Errichtung der »Hauptdampfzentrale Münster« mit einer Leistung von 30.000 kW vor. Im Winter 1908/09 ging der erste Turbosatz mit 2.500 kW Leistung in Betrieb. Danach ging der Ausbau in raschem Tempo weiter: bis 1913 kamen zwei weitere Maschinensätze hinzu, und 1914 wurde nochmals eine neue Maschine, jetzt mit 10.000 kW, Leistung installiert, so dass die Zentrale zu Beginn des Ersten Weltkriegs über eine Erzeugungskapazität von 20.000 kW verfügte. In den Zeiten des wirtschaftlichen Wiederaufschwungs nach Ende der Inflation (1923) wurde die installierte Leistung 1924 (um 18.000 kW) und 1929 nochmals auf jetzt insgesamt 87.400 kW erhöht. Das Dampfkraftwerk Münster verfügte damit über einen Großteil der Stuttgarter Erzeugungskapazitäten, die 1935 für alle Stuttgarter Kraftwerke zusammen insgesamt 98.855 kW betrugen. Seit Mai 1933 lieferte das Kraftwerk Münster auch Bahnstrom für die Deutsche Reichsbahn. 1935 konnte eine Kraft-Wärme-Kopplung den Betrieb aufnehmen, aus der zunächst die Mineralbäder und das Bad Cannstatter Krankenhaus mit Fernwärme versorgt wurden.
    
    Seit 1943 erlitt auch die Stuttgarter Elektrizitätsversorgung starke Beschädigungen, und auch das Kraftwerk Münster blieb nicht verschont. Die seit Dezember 1945 aus den Wasserkraftwerken der französischen Zone wieder zur Verfügung stehenden 500.000 kWh konnten den Bedarf nicht vollständig decken, so dass auch für Stuttgart Stromsperren an der Tagungsordnung waren. Nach Beseitigung der Kriegsschäden wurde die Kraftwerksleistung in den 1950er Jahren weiter ausgebaut. Mit der Inbetriebnahme einer Müllverbrennungsanlage auf dem Kraftwerksgelände begann 1965 eine neue Ära in der Kraftwerksgeschichte. Strom und Fernwärme wurden jetzt auch aus Abfall erzeugt. Mit dem Bau der Müllverbrennungsanlage wurde auch der 180 m hohe Schornstein errichtet (Foto 3), der seit 2002 auch als Träger für Rundfunksendeantennen dient. Das Kraftwerk Münster ist mit dem südlich, ebenfalls am Neckar gelegenen Kraftwerk Gaisburg (siehe bei -> »weiter«) sowohl über eine Fernwärme-Sammelschinene als auch über ein 110-kV-Doppelkabel verbunden.
    
    In den 1980er und 1990er Jahren erfolgten umfangreiche Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen, bedingt vor allem durch die Installation von Reinigungsanlagen für die bei der Kohle- und Müllverfeuerung entstehenden Rauchgase. Die 1986 in Betrieb genommenen katalytischen Entstickungsanlagen für die Kohlekessel wurden 1988 durch die Rauchgasentschwefelungsanlage ergänzt (Foto 1). Der Reinigung der Abgase aus der Müllverbrennungsanlage dient seit 1993 eine hochmoderne Rauchgaswaschanlage (Foto 2 links, rechts das Kesselhaus für die Müllverbrennung).
    
    Das seit 2003 im Eigentum der EnBW Kraftwerke AG befindliche Kraftwerk Münster hat heute (2014) eine Leistung von insgesamt 164 MW(el) und 450 MW(th). Zur Energieerzeugung stehen drei Kohlekessel (Naturumlaufkessel mit 150 bzw. 250 t/h Dampfleistung), drei moderne, 2007 in Betrieb genommene Müllkessel (Foto 4, mit einem Mülldurchsatz von jeweils 20 t/h) und zwei Dampfturbinen (Entnahme-/Kondensations-Turbinen) von jeweils 45 MW Leistung von Brown, Boveri & Cie. zur Verfügung. Zusätzlich sind drei baugleiche Gasturbinen der AEG Kanis GmbH mit jeweils 23,3 MW elektrischer Leistung in Betrieb, die über gesonderte Schornsteine verfügen (Foto 5, Mitte). Die Gasturbinen werden jedoch nicht mit Erdgas betrieben, sondern mit Abgasen aus der Verbrennung von leichtem Heizöl.

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Quelle(n)/Text:
• Albrecht Gühring, »... daß man suchen sollte, sich eine Wasserkraft zu sichern«. Stuttgarter Kraftwerke in Marbach. (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart, Band 71), Stuttgart 1996
• EnBW Kraftwerke AG, Heizkraftwerk Stuttgart. Betriebsstelle Münster. Betriebsstelle Gaisburg, Flyer (Sept. 2008)
• Georg-Ludwig Geer, Bald höhere Verfügbarkeit: Der dritte TWS-Müllkessel - ein Kessel ohne Kinderkrankheiten; in: Energiewirtschaftliche Tagesfragen 19(1969), Heft 7/8, S. 307-310
• Gert Rayhrer, Die Strom- und Fernwärmeversorgung der Stadt Stuttgart; in: Energie 13(1961), Heft 3, S. 144-148
• Wolfgang Kaufmann, Neue 110-kV-Schaltanlagen im Elektrizitätsversorgungsnetz der TWS; in: Energiewirtschaftliche Tagesfragen 20(1970), Heft 5, S. 237-241
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