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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Kaiserliche Werft (Werfttor 1)
Adresse:
Gökerstraße
 
Lage:
 
Kleinbild
Kleinbild
Foto(s) vom:
05.06.2013
 
© 2013 Norbert Gilson
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erbaut: 1876
Bauherr: Kaiserliche Werft
    
Die Geschichte der Kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven, die vor dem Ersten Weltkrieg ihren größten Aufschwung erlebte, reicht bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Als es im Verlauf des deutsch-dänischen Krieges (1848-1850) Dänemark gelang, durch eine Seeblockade den gesamten deutschen Seehandel lahm zu legen, wurde die Bedeutung eines effektiven Küstenschutzes offensichtlich. Es kam 1853 zu einem Vertragsabschluss zwischen dem Großherzogtum Oldenburg und dem Königreich Preußen, mit dem Oldenburg ein größeres Gebiet am Jadebusen an Preußen abtrat. Das Königreich verpflichtete sich im Gegenzug, von der zu errichtenden Flottenstation aus die oldenburgische Küste gegen feindliche Angriffe zu schützen. Im Juni 1869 weihte König Wilhelm I. von Preußen die neuen Hafenanlagen des offiziell als »Marinewerft des Norddeutschen Bundes« fungierenden Stützpunktes ein. Zugleich erhielt die Ansiedlung den Namen Wilhelmshaven. Im Norden grenzte sie unmittelbar an die oldenburgische Stadt Rüstringen. Erst 1937 wurden beide Städte unter dem gemeinsamen Namen Wilhelmshaven vereinigt.
    
    Die ursprünglich nur als Ausrüstungs- und Reparaturhafen gedachte Anlage entwickelte sich nach 1871 schnell zu einer echten Werft. Bisher war Preußen mangels entsprechenden Know hows nichts anderes übrig geblieben, als Kriegsschiffe im Ausland, vor allem in Großbritannien und Frankreich, bauen zu lassen. Mit den seit 1873 energisch verfolgten Flottengründungsplänen änderte sich diese Politik grundlegend. In den Jahren zwischen 1875 und 1886 wurden die Anlagen erheblich erweitert. Neue Werkstätten und Magazine entstanden, die Hafenanlagen wurden vergrößert, eine zweite Einfahrt geschaffen und eine Torpedowerft aufgebaut. Teil dieser Ausbaustufe war auch die Errichtung des früheren Hauptzugangs zur Werft, des sogenannten »Werfttors 1«. Der im Stil der Neorenaissance ausgeführte Backsteinbau war der Sitz der Leitung der Marinewerft.
    
    Mit der Durchführung des »Flottenbauprogramms«, abgesegnet durch die beiden Flottengesetze von 1898 und 1900 mit den entsprechenden Novellen von 1906, 1908 und 1912, begann 1900 eine nochmalige, wesentlich umfangreichere Ausweitung der Anlagen. Die Kaiserliche Werft in Wilhelmshaven, der einzige Kriegshafen an der Nordsee, wurde zur materiellen Grundlage des deutschen Flottenbaus, der vor allem mit dem Bau von Großkampfschiffen (»Dreadnoughts«) seit 1905 die Aufrüstung anheizte und nicht unwesentlich zur Verschärfung der politischen Lage in Europa beitrug, die dann im Ersten Weltkrieg mündete. Mit dem Bau von drei neuen Hafenbecken und einer dritten Hafeneinfahrt, der Anlage von drei neuen großen Trockendocks und der Verlängerung einer Helling trug man den Erfordernissen Rechnung. 1909 war diese Erweiterung abgeschlossen.
    
    Im Zuge der Erweiterung entstand eine Reihe von Bauwerken, die bis heute erhalten sind und die Ausmaße der ehemaligen Kaiserlichen Werft dokumentieren. Der Verbindung der Werftanlagen mit dem südlichen Erweiterungsgelände diente die Kaiser-Wilhelm-Brücke (siehe bei -> »weiter«). Zur Deckung des schnell wachsenden Bedarfs an elektrischer Energie wurde ein neues eigenes Kraftwerk, die Südzentrale, errichtet (siehe bei -> »weiter«). Westlich der alten Anlagen wurde in den Jahren von 1907 bis 1913 auf einer Fläche von rund 7 ha die neue U-Boot- und Torpedowerft (Uto-Werft) (siehe bei -> »weiter«) hochgezogen. In der Nachbarschaft entstand seit 1905 das Marine-Artilleriedepot (siehe bei -> »weiter«) als Anlage zur Munitionsfertigung und -lagerung. Von den Erweiterungsbauten der Kriegszeit sind noch das Lagerhaus für optisches Artilleriegerät (siehe bei -> »weiter«) und das Torpedolagerhaus (siehe bei -> »weiter«) erhalten.
    
    Der Ausgang des Ersten Weltkriegs bedeutete das vorläufige Ende für die Hochkonjunktur auf der Werft, die jetzt den Namen Marinewerft Wilhelmshaven führte. Der größte Teil der Flotte musste an die Alliierten ausgeliefert werden und versenkte sich im Juni 1919 im englischen Hafen Scapa-Flow selbst. Laut Friedensvertrag war dem Deutschen Reich der Bau von Großkampfschiffen und U-Booten untersagt. Ein Großteil der Werftanlagen wurde privatisiert, der Rest in treuhänderische Verwaltung des Reichs übergeben. In einem Notprogramm wurden nun Fischdampfer, Fischkutter und Handelsschiffe gebaut, unter anderem die »Emil Kirdorf« für die Hugo Stinnes AG. Viele Arbeitsplätze konnten auch durch das Abwrackprogramm erhalten werden. Bis 1923 wurden 112 Kriegsschiffe und 82 Handelsschiffe verschrottet. Das laut Friedensvertrag zugestandene Programm des Neubaus von Kriegsschiffen, in Tonnage und Bewaffnung begrenzt, wurde Mitte der 1920er Jahre wieder aufgenommen.
    
    1935 übernahm die Marine die jetzt als »Kriegsmarinewerft« bezeichneten Anlagen wieder vollständig. Die Aufrüstungspolitik der NS-Regierung bescherte der Werft einen neuen Aufschwung. 1938 begannen die Bauarbeiten für die neue Nordwerft mit drei neuen Docks und einer neuen Einfahrt, die über eine Schleuse mit dem Jadebusen verbunden wurde. 1939 arbeiteten auf der Werft rund 11.000 Beschäftigte. Mit seinem Hafen und den umfangreichen Werftanlagen war Wilhelmshaven während des gesamten Zweiten Weltkrieges stetigen Luftangriffen ausgesetzt. Trotz des heftigen Bombardements blieben die Werft- und Hafenanlagen zu einem erstaunlich hohen Anteil - 60 bis 70% - intakt und arbeitsfähig. Auf Anordnung der britischen Regierung wurden die technischen Einrichtungen in den Jahren von 1946 bis 1949 zunächst demontiert und die verbliebenen Reste der Werftanlagen anschließend gesprengt. Im ursprünglichen Kernbereich der Kaiserlichen Werft blieben neben dem Werfttor 1 nur der um 1895 errichtete Schlauchturm der Werftfeuerwehr (Foto 2) und die 1940 errichtete Werkstatt für Elektrogeräte erhalten.
    
    Mit dem Ende der Werft gingen der Stadt Wilhelmshaven und ihrer Umgebung rund 32.000 Arbeitsplätze verloren. 1950 betrug die Arbeitslosenquote 32%, die in den folgenden Jahren durch Ansiedlung von Betrieben der Metall- und Textilindustrie erheblich gesenkt werden konnte. Zu dieser Entwicklung trug auch bei, dass nach der Entscheidung zur Wiederaufrüstung der Bundesrepublik das ehemalige Werftgelände seit 1957 zur Nutzung durch die Bundesmarine reaktiviert wurde. Hier entstand nun eines der beiden Marinearsenale - das zweite wurde in Kiel eingerichtet -, die für die Reaparatur und Instandhaltung der Flotteneinheiten zuständig sein sollten. Für das Wilhelmshavener Marinearsenal wurde dabei schwerpunktmäßig die Instandhaltung und Wartung der Waffen-, Fernmelde-, Feuerleit-, Ortungs- und sonstigen elektronischen Anlagen vorgesehen. Bis zur Mitte der 1970er Jahre entstanden auf dem früheren Werftgelände neun große Werkstatt- und Lagerhallen, ein neues Verwaltungsgebäude, ein Laboratorium, eine Lehrlingswerkstatt und eine neue Feuerwehrunterkunft. Heute ist Wilhelmshaven der zentrale Sitz des Marinearsenals (siehe -> »Link« unten) mit den beiden Arsenalbetrieben in Wilhelmshaven und Kiel sowie zwei Außenstellen.

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Quelle(n)/Text:
• Judith Steinhardt (Text), Torpedos, Schiffe, Perlons - Wie aus des Kaisers Marinehafen zivile Industrie wurde, Wilhelmshaven o.J.
• 75 Jahre Marinewerft Wilhelmshaven. 1856 - 25. Juni - 1931, Wilhelmshaven 1931
• Gerhard Koop / Kurt Galle / Fritz Klein, Von der Kaiserlichen Werft zum Marinearsenal. Wilhelmshaven als Zentrum der Marinetechnik seit 1870, München 1982
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Link:
Informationen über das Marinearsenal auf bund.de
 
 
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