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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Stotz & Cie. - Fabrik elektrischer Spezialapparate
Adresse:
Ohmweg 11 - 15
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
21.09.2014
 
© 2014 Norbert Gilson
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erbaut: 1913
    
Der aus Stuttgart stammende Hugo Stotz gründete 1891 im Alter von 22 Jahren zusammen mit einem Teilhaber eine kleine Fabrik mit dem Namen Moyé und Stotz, Gürtlerei und Posamente, Vertretung der Maschinenfabrik Esslingen. Der Betrieb in der Mannheim Innenstadt stellte gegossene Kleinteile, aber auch Installationsmaterial her. Nach Ausscheiden des Teilhabers Moyé 1896 benannte Stotz seine Firma um in Stotz & Cie. Elektrizitäts-Gesellschaft mbH.
    
    Als kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert in Mannheim und in der Umgebung nach und nach die Versorgung mit elektrischer Energie einsetzte, spezialisierte sich Stotz auf elektrische Installationen sowie auf die Entwicklung und Herstellung von Kleinteilen wie Lampen, Schaltern, Steckdosen und Sicherungen. Unter anderem wurden die elektrischen Ortsanlagen von Ilvesheim und von mehreren Orten im Odenwald von der Firma Stotz errichtet. Nach dem Umzug in eine größere Betriebsstätte in der Mannheimer Innenstadt im Jahre 1902 soll Hugo Stotz mit einer selbst entwickelten Schaltung auf dem Dach der Firma eine neuartige Lichtreklame aus Glühbirnen betrieben haben, mit seinem Namenszug als „Wanderbuchstaben″, die nacheinander aufleuchteten. Angeblich war dies die erste Leuchtreklame dieser Art in Deutschland.
    
    Bei der Herstellung von Installationsmaterial kamen der Firma ihre Erfahrungen mit zahlreichen Elektroinstallationen zugute. Zahlreiche Erfindungen zur Verbesserung von Installationsbauteilen konnte die Firma zum Patent anmelden. Niederlassungen und Zweiggeschäfte wurden in Freiburg, Karlsruhe, Heidelberg, Stuttgart, Worms, Kaiserslautern, Pirmasens, Landau und Schlettstadt aufgebaut. 1910 waren rund 300 Mitarbeiter im Installationsbereich beschäftigt. 1912 verkaufte Hugo Stotz diesen Geschäftszweig an Brown, Boveri & Cie. (BBC).
    
    1913 firmierte das Unternehmen als Stotz & Cie. – Fabrik elektrischer Sepzialapparate und ließ im Mannheimer Ortsteil Neckarau eine große Produktionsstätte mit Verwaltung und Werkstätten errichten. Hier wurden nun alle Komponenten für die Elektroinstallationen von Haushalten, Ortschaften und Fabriken, seit Beginn des Ersten Weltkrieges auch für die Fernmeldetruppen produziert. Das Exportgeschäft brach jedoch infolge des Krieges vollständig ein und konnte sich auch nach Kriegsende nicht erholen. Um die Wende 1918/19 verkaufte Hugo Stotz sein Unternehmen an BBC. Er selbst blieb Geschäftsführer, der Firmenname wurde in Stotz GmbH, Abt. der Brown, Boveri & Cie. AG, Mannheim-Neckarau geändert.
    
    Der Name »Stotz« wurde schließlich weltweit durch eine Erfindung auf dem Gebiet der elektrischen Sicherungstechnik bekannt. Bereits bei den ersten Elektroinstallationen wurden Sicherungen verwendet, um elektrische Leitungen bei zu hohen Strömen oder Kurzschlüssen automatisch zu unterbrechen. Anfangs wurden dazu Schmelzsicherungen verwendet, aber bereits 1883 kam die Idee auf, automatisch abschaltende kleine Selbstschalter mit einem wärmeabhängigen Auslöser als Sicherungen zu verwenden. Damit war der »Sicherungsautomat« geboren. Mit der zunehmenden Verwendung von elektrischen Haushalsgeräten, die größere Ströme zogen - wie Herdplatten, Bügeleisen, Backöfen oder Staubsaugern - gab es zunehmende Probleme mit den von mehreren Firmen auf dem Markt angebotenen Sicherungen. Entweder wurden die wärmeabhängigen Auslöser schon bei kleineren Kurzschlussströmen zerstört oder die stromabhängigen Auslöser schalteten schon bei kleinen Stromspitzen ab, wie sie beim Einschalten von kalten Geräten auftraten, ohne jedoch Schaden anzurichten.
    
    1923 kam Hugo Stotz mit seinem Entwicklungschef Heinrich Schachtner auf die Idee, das nur stromabhängige, also unverzögerte elektromagnetische (Schutz vor Kurzschluss), und das zeitabhängige, verzögerte thermische Auslösesystem (Schutz vor Überlastung und damit gefährlicher Erwärmung) in einem Sicherungsautomaten zu vereinen. Als wärmeabhängigen Auslöser führte Stotz das Thermo-Bimetall ein. In umfangreicheren Entwicklungsarbeiten wurde als nur stromabhängiges Auslösesystem eine elektromagnetische Kontaktunterbrechung mit zuverlässiger Löschung des Abschaltlichtbogens gefunden. Diesen »Elektromagnetischen Überstromschalter« meldete Stotz im November 1924 zum Patent an, das im April 1928 erteilt wurde. Seitdem ist die Bezeichnung »Stotz-Automat« weltweit zum Gattungsbegriff für kleine Selbstschalter geworden.
    
    Am Ende der 1920er Jahre waren mehrere Unternehmen mit der Entwicklung von Sicherungsautomaten mit Elektromagnet und Thermo-Bimetallauslöser beschäftigt. Mit zwei von ihnen - der Nürnberger Firma Leyhausen & Co. und der in Frankfurter-Rödelheim ansässigen Firma Kontakt AG - wurde Stotz 1930 zur Stotz-Kontakt GmbH als Tochterfirma von BBC fusioniert. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stotz-Kontakt GmbH zum Rüstungsbetrieb, unter anderem mit einen großen Auftrag für die Heeresversuchsanstalt, die in Peenemünde die Raketenwaffe »V2« entwickelte. Im Herbst 1943 nahm die Firma die Produktion von Schaltkästen für die »V2« direkt im KZ Buchenwald auf.
    
    Nach starken Kriegszerstörungen wurden die Werksanlagen nach dem Krieg vereinfacht wieder aufgebaut und weiterhin von BBC, nach der Fusion dann von ABB genutzt. 2007 wurde das Gelände an die Frankfurter Wisag-Gruppe verkauft. Die als Nachkriegsbauten errichteten vielen kleinen Werkstattgebäude wurden 2010 weitgehend beseitigt, das Gelände teilweise verkauft bzw. neu bebaut. In stark veränderter Form ist das ehemalige, 1913 errichtete Verwaltungsgebäude heute noch erhalten und anhand des Erdgeschosses mit Sandsteinsockel und der Fassadengliederung mit Pilastern noch erkennbar.

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Quelle(n)/Text:
• Barbara Ritter, Eintrag »Ehemaliges Stotz-Werk in Mannheim, heute WISAG« auf der Website der Rhein-Neckar-Industriekultur (siehe -> »Link« unten)
• Hermann R. Menges, Vom Stotz-Sicherungsautomaten zum selektiven Selbstschalter; in: Horst A. Wessel, Elektrotechnik - Signale, Aufbruch, Perspektiven. (Geschichte der Elektrotechnik, Bd. 7), Berlin / Offenbach 1988, S. 125-138
• Andreas Schenk, Mannheim und seine Bauten 1907 - 2007. Band 4. Bauten für Verkehr, Industrie, Gesundheit und Sport, Mannheim 2004
Informationsstand:
 
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Link:
weitere Infos zu Stotz & Cie. bei Rhein-Neckar-Industriekultur
 
 
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