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1. Historische Bauten / Objekte
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Bauwerk / Objekt:
Technische Hochschule Darmstadt (Heizkraftwerk und Maschinenbau-Laboratorium I)
Adresse:
Magdalenenstraße 12
 
Lage:
 
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Foto(s) vom:
10.06.2014 / 12.02.2017
 
© 2014/17 Norbert Gilson
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erbaut: 1903-05
Architekt: Georg Wickop
    
Nachdem die Zahl der Studierenden an der Großherzoglich Technischen Hochschule zu Darmstadt in den 1880er Jahren sprunghaft angestiegen war, bewilligten die Stände des Großherzogtums 1890 eine Summe von 315.000 Mark für Neubauten der Hochschule. Zu den ersten neu errichteten Bauten zählten das Hauptgebäude und der Bau für das »Elektrotechnische und Physikalische Institut« (siehe bei -> »weiter«). Als die Neubauten im Oktober 1895 ihrer Bestimmung übergeben wurden, war deren auf 480 Studenten bemessenes Raumangebot schon weit überschritten, denn inzwischen war die Studierendenzahl auf fast 900 gestiegen. Bestandteil der Neubauten war auch ein im Hof des Hauptgebäudes platziertes Kessel- und Maschinenhaus, das die Gebäude mit Licht, Kraft und Wärme versorgte. Diese Kraftzentrale stellte mit ihrer Maschinenanlage für Heizung und Stromerzeugung zugleich eine wertvolle Versuchseinrichtung für Lehre und Praktika in Maschinenbau und Elektrotechnik dar.
    
    1896 wurde Max Gutermuth, der damals schon einen internationalen Ruf auf dem Gebiet der Dampfmaschinentechnologie besaß, auf den Darmstädter Lehrstuhl für »Wärmekraftmaschinen« berufen. Er legte nicht nur besonderen Wert auf die praktische Ausbildung der Studierenden, für die er das »Maschinentechnische Praktikum« einführte, sondern setzte sich mit Nachdruck auch für die Schaffung eines maschinentechnischen Versuchsfeldes ein. Damit begannen die Planungen für die Errichtung eines mit einem Maschinenbaulaboratorium verbundenen neuen Kraftwerks, das der Versorgung des erweiterten Hochschulareals mit Heizdampf und elektrischer Energie dienen sollte. Es ersetzte das alte Kraftwerk, das der Erweiterung des Hauptgebäudes weichen musste.
    
    Der Neubau entstand nach Plänen des Darmstädter Architekten und Hochschulprofessors Georg Wickop. Die ursprünglich über 18 m gespannte Eisenkonstruktion aus genieteten Sichelfachwerkträgern wurde nach Kriegszerstörungen und einem Brand im Jahre 1963 durch eine Betonkonstruktion ersetzt. Für die formale Gestaltung orientierte sich Wickop einerseits an den Formen der benachbarten Renaissancebauten, andererseits griff er auch auf Jugendstilelemente zurück. Aufsehenerregend war die technische Ausstattung des neuen Kraftwerks. Die erste nach der Aufnahme des Turbinenbaus bei Brown, Boveri & Cie. (BBC) nach dem Vorbild der Parsons-Turbinen als Überdruck-Turbine mit niedriger Drehzahl ausgeführte vielstufige Dampfturbine (»BBC-Parsons-Turbine«) kam im neuen Kraftwerk zur Aufstellung.
    
    Als sich in den 1920er Jahren die Hochschule weiter räumlich ausdehnte, wurde eine Erweiterung der Kesselanlage und eine Modernisierung der Krafterzeugungsanlagen erforderlich, die in den Jahren 1929/30 durchgeführt wurde. Damit konnte nicht nur die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerksbetriebs verbessert werden, zugleich diente die Aufstellung moderner Maschinen auch einer Anpassung des Lehr- und Laboratoriumsbetriebs an die fortgeschrittene Technik. Zur Aufstellung kamen ein Hochdruckkessel (Steilrohrkessel mit Zonenwanderrost und Luftvorwärmung, 83 atü, Dampftemperatur 420°C, Dampferzeugung 12 t/h) der Gummersbacher Firma L. & C. Steinmüller. Der aus der Bauzeit der Anlage stammende Zweikammerschrägrohrkessel (12 atü, 300 qm Heizfläche) blieb erhalten und übernahm bei Ausfall des Hochdruckkessels die Dampferzeugung. Auch die 1905 in Betrieb genommenen Kraftmaschinen - die BBC-Parsons-Turbine und eine liegende Verbunddampfmaschine von rund 110 PS Leistung, wurden weiterhin als Reservemaschinen genutzt. Die neue Dampfturbinenanlage wurde ebenfalls von BBC geliefert und bestand aus einem Hochdruck- und einem Niederdruckteil. Nach Durchgang durch den Hochdruckteil wurde ein Teil des Arbeitsdampfes zur Einleitung in die Hochdruckheizleitung ausgekoppelt, die restliche Dampfmenge leistete im Niederdruckteil Arbeit und wurde dann in die Niederdruckheizleitung eingespeist. Zwar wurde der Abdampf im Normalbetrieb vollständig für die Hochschulheizung ausgenutzt, jedoch wurde zusätzlich eine neue Kondensationsanlage der Bochumer Maschinenbau-AG Balcke aufgestellt, um die Maschinen zu Versuchszwecken auch mit Vakuum betreiben und entsprechende Messungen durchführen zu können. Von der Hoch- und Niederdruckwelle wurde über ein Zahnradgetriebe der Generator von 1.150 kW Leistung (cos phi = 0,8) angetrieben.
    
    Vor einigen Jahren wurde das Kraftwerk stillgelegt und die gesamte technische Einrichtung vollständig ausgebaut. Die BBC-Parsons-Turbine von 1904 wurde zur damaligen Großturbinenfabrik von BBC in Baden (Schweiz) überführt und dort im Foyer aufgestellt. In den Räumen des ehemaligen Kraftwerks wurden Büroräume eingerichtet, für die Halle ist künftig eine technische Nutzung vorgesehen.

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Quelle(n)/Text:
• Die Großherzogliche Technische Hochschule zu Darmstadt 1896 - 1908. Festschrift zur Feier der Eröffnung der Erweiterungsbauten am 23. Juli 1908, Darmstadt 1908
• Wilhelm Schlink (Hrsg.), Die Technische Hochschule Darmstadt 1836 bis 1936. Ein Bild ihres Werdens und Wirkens, Darmstadt 1936
• Dietrich Blankenburg / Marianne Viefhaus [Red.], Jahrbuch 1976/77. 100 Jahre Technische Hochschule Darmstadt, Darmstadt 1977
• Sabine Gerbaulet / Brigitte Kuntzsch / Marianne Viefhaus [Red.], Technische Bildung in Darmstadt. Die Entwicklung der Technischen Hochschule 1836 - 1996. Bd. 6. Übersicht und Chronik, Darmstadt 2000
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